27. September 1940

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Japa­ni­sches Pro­pa­gan­da­pla­kat von 1938: „Gute Freun­de aus drei Län­dern“. Vor dem Hin­ter­grund des Anti­kom­in­tern­pak­tes an des­sen Stel­le an die­sem Tag der Drei­mäch­te­pakt trat. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

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Frei­tag, am 27. Sep­tem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!  Du, mein lie­ber, guter [Roland]!

Eben fällt’s [sic: fällt es] mir wie­der ein, mein Brief­pa­pier ist alle. Ich bin noch nicht dazu gekom­men, mir wel­ches zu kau­fen. Voll­auf beschäf­tigt war ich ges­tern, heu­te und mor­gen den gan­zen Vor­mit­tag auch noch. Ein schö­ner Tag war heu­te. Doch das Wet­ter fängt schon wie­der an umzu­schla­gen. Es ist nicht län­ger als 2 Tage schön und dann regnet’s [sic: reg­net es] wie­der. Mein Pro­gramm heu­te: Eltern­schlaf­zim­mer, Dorn­rös­chen­schloß, Stu­be, Vor­saal, Trep­pen­haus. Alle Wän­de abkeh­ren; Bet­ten raus, Matrat­zen bürs­ten, lüf­ten; Fens­ter­rah­men absei­fen, Schei­ben put­zen; Bil­der, Spie­gel put­zen; Möbel sau­ber waschen; die belieb[t]en Nipp­sa­chen auf­wa­schen; Fuß­bö­den scheu­ern; ein­boh­nern, blank rei­ben; wie­der ein­räu­men. Bet­ten sau­ber bürs­ten, gut durch­schüt­teln, 5 St[un]d[en] lüf­ten, rauf­schlep­pen, frisch über­zie­hen. Mit­tags gab es Kar­ni­ckel­bra­ten (vom G. unten) natür­lich woll­ten die Freß­sä­cke grü­ne Klöp­se haben, oben­drein auch das noch! Naja, man war wenigs­tens satt bis abends. Also wie gesagt, heu­te abend bin ich total fer­tig! Nun hats [sic: hat es] aber wie­der [ei]ne Wei­le Ruhe, nun ver­rei­se ich erst mal, Du! Es ist bald 9 Uhr. Ich bin fer­tig mit baden. Wenn ich auch sehr müde bin; aber einen Sonn­tags­gruß soll mein Liebs­ter haben! Wer weiß, ob ich Dir am Sonn­abend und Sonn­tag schrei­ben kann, wenn die Kin­der und M.s da sind. Aber Dei­ner den­ken will ich mein Lieb, alle­zeit, das ver­spre­che ich Dir, Du! Vori­ges Jahr waren wir zum ers­ten Male mit­ein­an­der in der Kir­che zum Sin­gen, Du! Wie wer­de ich dar­an den­ken! Vor 3 Jah­ren, 1937 hast Du mich auf dem Heim­weg ange­spro­chen: was man wohl heu­te am Kirch­weih­fest ange­ben soll?, ich war so ver­wirrt. O, wenn ich dar­an den­ke. Mein ame­ri­ka­ni­sches Kleid hat­te ich damals zum ers­ten Male an, Du muß­test mich oft anse­hen. Und nach­mit­tags, M.s waren auch da, bin ich zwei­mal bei Dir vor­bei­ge­fah­ren, mit Ste­phan im Kin­der­wa­gen, der war noch klein; doch ich habe Dich nicht gese­hen. Ich war den gan­zen Tag so voll Unru­he, ich wuß­te nicht, was mir fehl­te. Und ich ahn­te, daß Du Dich ein­sam füh­len wür­dest, weil Du frag­test, was Du machen könn­test. Ich glau­be, Du warst in G..

Dies­mal wie­der­holt es sich, und Du bist so weit fort.

Dein so lie­ber Bote kam, Dei­ne 2 schö­nen Bil­der dabei! Du! Ich dan­ke Dir. Du gefällst mir so gut. Ich möcht[e] Dich gleich mal drü­cken, Du! Liebs­ter! Liebs­ter! Bes­ter! Hab[e] ich Dich erschreckt? Du, das will ich doch nicht! Mein Geheim­nis ist nicht so groß und wert­voll, wie Du zu ahnen glaubst! Ach Liebs­ter! Glaub mir, wenn es das wäre, dann müß­te ich erst selbst Gewiß­heit haben, ehe ich Dir davon sprä­che. Und wenn es so wäre, dann müßt[e] ich es Dir sagen, Du! Nicht schrei­ben. Ich müß­te zu Dir kom­men, um alles in der Welt. O, nein!- Es ist halt auch eine kri­ti­sche Zeit, ei gewiß! 3–4 Wochen! Von wel­cher Sei­te mein Geheim­nis kom­men wird? Ja, das ist schwer zu sagen. Von der Herz­sei­te natür­lich! Ach, Du alter Neu­gie­ri­ger!, war­te nur fein still, wirst schon erle­ben!! Aber bit­te, mache Dir kei­ne Sor­ge um mich mein Herz! Ich bin so ganz nur Dei­ne [Hil­de], Du!

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Unter­zeich­nung des Drei­mäch­te­pakts am 27. Sep­tem­ber 1940, mit den Außen­mi­nis­tern von Japan, S. Kuru­su, und Ita­li­en, G. Cia­no, und dem deut­schen Reichs­kanz­ler, A. Hit­ler. Foto Hein­rich Hoff­mann. Lizen­ziert unter Fair Use über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

Über die heu­ti­ge Son­der­mel­dung, soll man nun froh sein oder bedenk­lich? Ich weiß nicht, ob es gut ist, die­se frem­de Ras­se, frem­de Nati­on so her­an­zu­zie­hen. Aber es geht hier um mehr; nicht dar­in, ob uns ein Volk sym­pha­tisch [sic] ist oder nicht. Das­sel­be hät­te man schon beim Russe[n] sagen kön­nen. Die Regie­rung wird es wohl reich­lich über­legt haben. Und wir wol­len unse­rem guten Stern ver­trau­en. Liebs­ter! Ich muß nun schla­fen geh[e]n, ich kann nicht mehr, ich hab[‘] es so sehr satt. Weil ich Dei­ne Bil­der habe, Dei­ne lie­ber Brie­fe!, [sic] ich lese immer vorm Schlafengeh[e]n[,] das ist so schön, Du! Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein Lieb! Ver­le­be einen recht fro­hen Sonn­tag. Behüt[e] Dich Gott auf allen Wegen! Ich den­ke Dein in gro­ßer Sehn­sucht, Du! Ich lie­be Dich aus tiefs­tem Her­zen!

In ste­ter Treue blei­be ich immer

Dei­ne [Hil­de].

Recht fro­he Sonn­tags­grü­ße an Dich von den Eltern!T&Savatarsm

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