27. September 1940

Uffz Marine Portepee.jpg
Schul­ter­stü­cke Kriegs­ma­ri­ne, Unter­of­fi­zie­re. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

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Frei­tag, den 27. Sep­tem­ber 1940

Lie­bes, teu­res Herz, Du mei­ne lie­be [Hil­de]!

Wenig Zeit ist heu­te. Um mich her putzt, und näht und flim­mert alles. Ich könn­te Dich gut gebrau­chen heu­te hier. Eben habe ich mei­ne Schul­ter­stü­cke an den Man­tel genäht. Mit der Zun­ge ein bis­sel [sic: biss­chen] nach­ge­hol­fen geht man­ches, was sonst nicht gleich will. Ja, mor­gen um 10 Uhr ist also Ver­ei­di­gung. Trotz­dem will ich schnell noch ein paar Sei­ten zu Papier brin­gen. Damit habe ich Dir seit Diens­tag täg­lich geschrie­ben. Das sage ich nicht, um vor Dir damit Auf­he­bens zu machen, son­dern damit Du eine Kon­trol­le hast. Ich hät­te auch noch man­ches vor heut[e] abend, aber die abend­li­che Zwie­spra­che mit Dir ist mir ein Bedürf­nis, das ich allem vor­an­stel­le. Kannst denn mei­ne Kra­kel immer lesen, Du? Ich könn­te Dir auch mit Tin­te schrei­ben, hät­te aber damit aller­lei Umstän­de, müß­te immer vor den Kame­ra­den bei Tische Para­de sit­zen. Ich habe ganz ver­ges­sen, Dir für den sin­ni­gen, lie­ben Bild­gruß zu dan­ken, der Dei­nem Päck­chen bei­lag. Eben ist Dein lie­ber Bote von ges­tern ange­kom­men. Du hast viel Arbeit, ich mer­ke es. Dar­über hast Du wohl auch ver­ges­sen, mir das Ein­tref­fen mei­nes Päck­chens zu mel­den mit den Ziga­ret­ten? Na, es kann ja auch lie­gen geblie­ben sein. Die bei­lie­gen­den Zahl­kar­ten fül­le ich mor­gen aus, da habe ich mehr Ruhe.

Heu­te tra­ge ich zum ers­ten Male Euren, Dei­nen Pull­over. Er schmiegt sich so eng und warm an, daß mir ganz selt­sam wird dabei, Herz­lie­bes Du! Das habe ich ver­ges­sen zu ver­mel­den, daß wir jüngst auch einen blau­en Ärmel­pull­over gefaßt haben, guter Qua­li­tät, ich habe ihn noch nicht ange­habt. Mor­gens ist es jetzt ganz schön frisch. Heu­te herrscht hier stür­mi­sches Regen­wet­ter. Trotz­dem haben wir meh­re­re Stun­den im Frei­en mit dem Gewehr exer­ziert. Heu­te habe ich einen lan­gen Brief von Mut­ter erhal­ten. Die zählt so vie­ler­lei auf an Schick­sals­schlä­gen, klei­nen und gro­ßen, daß man dar­nach nur mit Dank­bar­keit auf­at­men kann dar­über, wie gnä­dig es uns jezt [sic] bedach­te. Dem Her­mann des Onkel Erich sind [sic] zum zwei­ten Male das Bein um 7 cm ver­kürzt wor­den, schreck­lich. Er ist sehr schwach.

Herz­lie­bes! Ich muß für heu­te Schluß machen. Die­ser Brief wird Dich am Sonn­tag errei­chen. Mor­gen will ich Dei­ner län­ger und herz­li­cher geden­ken.

Kir­messonn­tag. Wie gern wäre ich dabei! Wäre ich in Eurer lie­ben Run­de, und wäre ich bei Dir, Herz. Aller­liebs­te! Wenn dann die lau­te Fes­tes­freu­de ver­ebb­te und alles sich zur Ruhe nie­der­legt, dann woll­te ich mit Dir fei­ern, mein Herz, Dir tief ins Auge schau­en und aus ihnen Dei­ne gro­ße Lie­be lesen, und dann mit Dir das Glück uns[e]rer Lie­be emp­fin­den.

Behüt Dich Gott, Herz­lie­bes! Er erhal­te Dich froh und gesund.

Ich bin Dein, Du bist mein! Ich lie­be Dich aus tiefs­tem Her­zen und blei­be immer

Dein [Roland].

Grü­ße mir bit­te die lie­ben Eltern,

auch die Fest­gäs­te.T&Savatarsm

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