24. September 1940

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Tor­nis­ter M34, den die Wehr­macht an Sol­da­ten aus­gab, 1940. Foto Han­nes Gro­be, 09.2012, lizen­ziert unter CC BY 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons. 09.2015.

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Den 24. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Schon wie­der Diens­tag­abend. 1/2 8 Uhr ist es. Heu­te abend kommt sicher­lich dein lie­ber Bote noch, auch die bei­den Päck­chen, die Du ankün­digst, ste­hen noch aus. Heut[e] nach­mit­tag kam end­lich Nach­richt und Päck­chen mit dem Nacht­hemd von [zu] Hau­se. Vater schreibt von der Geburts­tags­fei­er. Tan­te Gret­chen und Onkel M. mit Lie­sel waren da, von den Kin­dern kei­nes. Wegen schlech­ten Wet­ters sind die Eltern noch nicht abge­reist. Bei uns ist [sic] war erst ein ein­zi­ger Regen­tag. Es wie­der­holt sich alles gern. Der gest­ri­ge Mon­tag war ein leb­haf­ter Tag wie der vori­ge. Es ging auch wie­der zum Sachenfas­sen. Immer voll­stän­di­ger wird der Sol­dat. Ges­tern beka­men wir Sport­sa­chen, Tor­nis­ter mit 2 Decken, Dril­lichanzug, Schul­ter­stü­cken [sic] [Ein  Schul­ter­stück mit Abzei­chen tru­gen in der Kriegs­ma­ri­ne nicht die Mann­schaf­ten, son­dern erst höhe­re Dienst­gra­de.]. Wir waren gar nicht son­der­lich erbaut über die­sen neu­er­li­chen Hucke­pack. Es gibt nur mehr zusam­men­zu­hal­ten, zu put­zen. Aber das [sic] hilft kein Kla­gen. Amt­lich steht nun fest, daß unser Auf­ent­halt hier um 14 Tage ver­län­gert wird, der Aus­bil­dung mit dem Gewehr wegen. Ich den­ke ja, daß unser Abrü­cken in die Schreib­stu­be in dem Augen­blick erfolgt, wo der Schlag gegen Eng­land einen Men­schen­schub ver­ur­sa­chen wird. Die­ser Schlag scheint meh­re­ren Anzei­chen nach bevor­zu­ste­hen.

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Unte­neh­men See­lö­we, die geplan­te Inva­si­on der bri­ti­schen Inseln, die letzt­lich im Spät­som­mer 1940 schei­ter­te. Autor Sealion.svg: Rama, lizen­ziert unter Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on-Sha­re Ali­ke 2.0 Fran­ce, 09.2015.

Zum ers­ten glau­be ich bestimmt, daß er noch vor die­sem Win­ter geführt wer­den soll. Zum andern macht die Pres­se bei der Bespre­chung [Glan Galeaz­zo] Cia­no-[Joa­chim von] Rib­ben­trop aller­lei Andeu­tun­gen von dem Höhe­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung, an dem wir jetzt ange­kom­men sei­en.

Es ist 8 Uhr vor­bei. In [den] Hän­den hal­te ich Dei­nen lie­ben Boten, für den ich Dir herz­lich dan­ke. Unter­des wirst Du nun erfah­ren haben, wie ich den Sonn­tag ver­leb­te. Herz­lie­bes, wie Du mir von [zu] Hau­se berich­test, das ist mir so lieb und beglü­ckend, das ver­kürzt uns[e]re tren­nen­de Wei­te. Ich bin so froh und beru­higt, Dich zu Hau­se zu wis­sen, nicht das [sic] ich Dir es anders nicht gönn­te, aber so fin­de ich Dich bes­ser mit mei­nen Gedan­ken. Daß Ihr Euch etwas gönnt und am Sonn­tag aus­ge­flo­gen seid, freut mich zu hören. Als mei­ne lie­be Frau hast Du nun auch gewis­se Voll­mach­ten, und wenn Du Herrn K. geschrie­ben hast, so liegt das durch­aus im Berei­che die­ser Voll­mach­ten.

Die Öffentlichkeit vor der Kirche bei der Hochzeit von Hilde und Roland, 07.1940.
Die Öffent­lich­keit vor der Kir­che bei der Hoch­zeit von Hil­de und Roland, 07.1940.

Ich den­ke wie Du, daß wir die Hoch­zeits­bil­der mit einer Wid­mung ver­se­hen, etwa fol­gen­den Wort­lauts: zur Erin­ne­rung an uns[e]re H[ochzeit] Eure (Dei­ne) [Hil­de] und [Roland Nord­hoff]. Die­se Wid­mung kannst Du auch ganz sel­ber schrei­ben.

Aber nun zu dem wich­tigs­ten, Herz­lieb! Ein Geheim­nis hast Du! Und das schreibst Du so geheim­nis­voll an der heim­lichs­ten Stel­le uns­rer Brie­fe? Mein Herz! Herz­klop­fen krieg ich, wenn ich die Wor­te lese. Und dies[es] Herz­klop­fen rührt wohl von der Unge­wiß­heit, die in die­sen Wor­ten schwingt. Du, Lie­bes, eine klei­ne Andeu­tung mußt Du mir noch machen! Damit ich weiß, in wel­cher Rich­tung die­se Freu­de aus­schla­gen sol[l,] Herz­lieb! Du schreibst, in 3 Wochen oder 4. Du! Du! Muß ich mei­ne Freu­de mischen mit der Sor­ge um Dich und — [sic]? Liebs­te, bit­te, bit­te, eine Hil­fe mußt Du mir noch geben!

Je mehr ich nun den­ke, des­to unru­hi­ger wer­de ich, Herz­lieb! Mei­ne Wan­gen glü­hen jetzt. Nun hast Du Dei­nen [Roland] mit Dei­nem Geheim­nis ganz irre gemacht.

Ach, mein Herz! Was uns bei­de angeht, und sei es noch so schwer, ich bin gewillt, mit Dir zu gehen und zu ste­hen, Dei­ne Freu­de ist mei­ne Freu­de, Dein Leid ist mein Leid, und Gott ist, aus des­sen Hän­den wir bei­des demü­tig und ver­trau­end emp­fan­gen wol­len. Um mei­ne Freu­de, Herz­lieb, sei also unbe­sorgt. Behü­te Dich Gott, Herz­al­ler­liebs­te, Du!

Ich bin Dir für alle Zeit in Lie­be und Treue fest ver­bun­den, Du, wie, ich Dich lie­be! Heu­te und immer

Dein [Roland].T&Savatarsm

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