17. September 1940

79 Kirchweihfest 1940
Der Ker­weih­zug zieht durchs gan­ze Dorf, allen vor­an das Vor­tän­zer­paar, und dahin­ter die wei­te­ren Ker­weih­paa­re. Hier sind sie noch nicht in ihre fest­li­che Tracht geklei­det. Links neben dem Fest­zug steht der “Ker­weih­va­ter” zustän­dig für die gesam­te Orga­ni­sa­ti­on des Kirch­weih­fest­zu­ges. Foto 1940, Ort unbe­kannt, Autor Peter Schnei­der, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
[400917–2‑1]

Diens­tag, am 17. Sep­tem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Nun ist Dei­ne Umhül­lung wie­der in Ord­nung. Unver­schäm­tes Glück hat­te ich mit dem Wet­ter, es ist alles im Son­nen­schein, im Wind getrock­net. Hof­fent­lich kommt alles recht bald wohl­be­hal­ten in Dei­ne Hän­de. Heu­te tra[t]scht [sic: reg­nen, wohl von klat­schen] es, was nur vom Him­mel her­un­ter kann. Ich war früh um 7 Uhr schon auf den Bei­nen, nach dem Markt, in L..

Weil wenig Leu­te kamen, war es ein schö­nes Kau­fen und ich bekam von allem etwas. Toma­ten, klei­ne Gur­ken zum Ein­we­cken. Blu­men­kohl, Jung­ge­mü­se zum gleich Essen. Von Tan­te K. das Übli­che. ¼ nach 8 war ich wie­der zu Haus. Brr, naß bis auf die Haut. Mit mei­nen brau­nen Schu­hen lau­fe ich näm­lich auf deut­schem Boden. Heu­te wer­den erst die ande­ren, blau­en fer­tig beim Schus­ter. Post kam heu­te nicht vom Hubo. Aber mor­gen sicher­lich! Ich freu[e] mich schon dar­auf, Du. Heu­te nach­mit­tag muß ich mir einen Rock umän­dern, habe nichts mehr anzu­zie­hen fürs [sic: für’s] Haus, die ander[e]n Sachen will ich mir scho­nen. Eine schrift­li­che Ein­lan­dung kam heu­te mit der Post an Frau [Nord­hoff], u.[nd] eine Bit­te zur Sin­ge­stun­de [sic] zu kom­men, in Anbe­tracht der Fes­te: Kirch­weih, Ern­te­dank, Refor­ma­ti­on. [Ich] Will nur am Don­ners­tag mal gehen, wenn mir’s nicht gefällt, dann blei­be ich weg. Dies­mal ist es beson­de­rer Umstän­de hal­ber in der ‘Ger­ma­nia’.

Bundesarchiv Bild 133-273, Worms, BDM-Mädchen bei Nähabend
Die För­de­rung der Gemein­schaft von ‘Volks­ge­nos­sen’ und ‘Volks­ge­nos­sin­nen’ fand nicht nur in den NS-Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen statt, wie hier bei einem BDM-Näh­a­bend in Worms, 1933, son­dern auch durch die Ver­ein­nah­mung ritu­el­ler Fei­ern und die Gleich­schal­tung der Ver­ei­ne, wie des Sän­ger­bun­des. Gau­bild­ar­chiv Worms, Bda, Bild 133–273 / CC-BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

Heu­te weiß ich Dir nichts Neu­es und Wich­ti­ges mehr zu sagen, mein Lieb. Doch, seit Sonn­abend träum­te ich jede Nacht von Dir. Wie mag das kom­men? Ein­mal ging ich Hand in Hand mit Dir durch einen end­lo­sen grü­nen Wald. Ein­mal war Tan­te Liesl aus Ame­ri­ka da u.[nd] hielt in der Schul­turn­hal­le eine Rede von uns bei­den u.[nd] Du hingst ganz selbst­ver­ges­sen an ihrem Mun­de, mir dann und wann ein­mal wie bestä­ti­gend zuni­ckend, ganz fro­he Augen hat­test Du. Und ich wuß­te mich vor Scham kaum zu las­sen, daß sie unser Glück so vor allen Leu­ten kund taten [sic].
Braut im Hof, Hochzeitsbild, Hilde Nordhoff, Juli 1940.
Braut im Hof, Hoch­zeits­bild, Hil­de Nord­hoff, Juli 1940.

Und heu­te Nacht waren wir wie­der Braut­leu­te, fest­lich ange­tan, lie­fen in dem schö­nen Gar­ten der gro­ßen Vil­la G. unten an der H.straße umher, Du warst so ver­liebt und ich muß­te Dir [sic] immer weh­ren damit kei­ner unser Kosen sah.

Wir bra­chen ein­an­der Rosen von den Bäum­chen und es war ein so herr­li­cher Tag. — Ach, schön war der Traum, Du!

Ich habe Dich von gan­zem Her­zen lieb, Du!

Behü­te Dich Gott! Blei­be froh und gesund!

In Treue immer

Dei­ne [Hil­de].T&Savatarsm

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