13. September 1940

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

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Frei­tag am 13. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te! Du mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Von heut’ an will ich mei­ne Brie­fe nun doch num­me­rie­ren, damit Du weißt, daß kei­ne Lücke ist in uns[e]rer Kor­re­spon­denz. Aus Dei­nem lie­ben Brief vom 10.8., den ich heu­te Don­ners­tag erhielt, wer­de ich näm­lich nicht ganz klar. Dein Päck­chen und Dei­nen dicken Brief habe ich erhal­ten, und habe mich gleich hin­ge­setzt, Dir mei­nen gro­ßen Dank zu sagen. Es täte mir leid, wenn die­ser Brief ver­lo­ren wäre. Aber mög­lich ist das. Viel­leicht hältst auch Du es so mit Dei­nen Brie­fen.

Hier möch­te ich gleich noch eine Bit­te anfü­gen: Hams­te­re mir doch etwas Brief­pa­pier, auch Umschlä­ge dazu, mei­nes wird knapp. Bei Eisen­le­ben kau­fe mir bit­te eine Packung Rasier­klin­gen, Rot­bart extra Dünn, 10er oder 5er- Packung, das ist gleich.

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Denk­mal­ge­schütz­tes Neben­ge­bäu­de von Gil­let­te aus den Jah­ren 1936/39, die 1931 die Roth-Büch­ner GmbH, über­nah­men. Ober­land­stra­ße, Ber­lin-Tem­pel­hof, Foto Lien­hard Schulz, 27.2.2007, über Wiki­pe­dia.

Daß Du nun wie­der zu Hau­se bist, freut auch mich. Nun fin­de ich Dich wie­der in den ver­trau­ten Räu­men, Du weißt, wie sie mir lieb gewor­den sind, fin­de Dich in Dei­nem Käm­mer­lein, Du! Herz­lie­bes! Der Mond ist wie­der auf­ge­zo­gen am Him­mel, ihm kann ich wohl schnell ein­mal einen Gruß auf­tra­gen.

 

Roland, Besuch von Hilde in L., 25. September 1938
Roland, Besuch von Hil­de in L., 25. Sep­tem­ber 1938

Manch­mal ist mir, als wären wir nun immer noch Braut­leu­te, die ihre Unge­duld und Sehn­sucht in Fes­seln schla­gen müs­sen. Ob ich wohl möch­te, daß Du mich hier ein­mal besuchst? Du, das bedarf wohl kei­ner Fra­ge! Ich wür­de mich nur ein wenig um die Rei­se sor­gen. Wir wol­len es nur gedul­dig abwar­ten, Herz­lie­bes! In 4 Wochen möch­te sich man­ches ändern.

Bundesarchiv Bild 102-16108, Vereidigung von Reichswehr-Soldaten auf Hitler.jpg
Ver­ei­di­gung von Reichs­wehr-Sol­da­ten, August 1934. Die Mann­schaf­ten mit Trauf­lor beim Able­gen des Eides auf Adolf Hit­ler. Autor unbe­kannt. DBa, Bild 102–16108 / CC-BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

 

Unser Leben hier nimmt plan­mä­ßig sei­nen Fort­gang. In unse­ren Dienst ist jetzt das Hin­le­gen her­ein­ge­nom­men wor­den. Ges­tern gab es Löh­nung, 25 R[eichs]M[ark], ich habe hier kei­ne Gele­gen­heit, etwas zu ver­tun, Du brauchst mir also jetzt gar nichts zu schi­cken. Am Diens­tag­abend wur­de unser Johann ins Laza­rett gebracht. Er hat sich über­an­strengt, einen Hoden­bruch zuge­zo­gen, der sofort ope­riert wer­den muß­te. Er hat die Ope­ra­ti­on gut über­stan­den. Im Kom­pa­nie­chef­un­ter­richt ges­tern wur­de uns Sol­da­ten nahe­ge­legt, die sol­da­ti­schen Tugen­den und Anschau­un­gen über Ehre, Treue und Pflicht­be­wußt­sein auch in der Frei­zeit zu bewäh­ren, zumal Frau­en und Mäd­chen gegen­über. Heu­te erläu­ter­te der Arzt, wel­cher Schutz­maß­nah­me der Sol­dat sich [zu] unter­zie­hen hat, wenn er mit einem Mäd­chen ver­kehrt ist [sic]. Der eine kom­man­diert die Augen links, der and[e]re erklärt, wie das ist, wenn man trotz­dem die Augen rechts dreht. Ganz unbe­irr­bar und fest ist mein Emp­fin­den in die­sen Din­gen, unwan­del­bar ist mei­ne Lie­be und Treue zu Dir, Herz­lie­bes, sie wür­den auch nur den Gedan­ken an einen Abweg sieg­reich in die Flucht schla­gen.

Bundesarchiv Bild 101II-MW-1019-10, Frankreich, Brest, Soldatenbordell
Die Ver­ga­be von Kon­do­men gehör­te zu den Schutz­maß­nah­men, die im Trup­pen­un­ter­richt über den Umgang mit Frau­en gehandhbt wur­de. Frank­reich, Brest, Sol­da­ten­bor­dell, 1940. DBa, Bild 101II-MW-1019–10 / Diet­rich / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 05.2015.

 

Herz­al­ler­liebs­te! Gott behü­te Dich und wache über unse­ren Wegen. Er erhal­te Dich froh und gesund. Die­sen Brief wirst Du zum Sonn­tag erhal­ten. Ver­le­be ihn mit den lie­ben Eltern recht froh und gemüt­lich! Wir wer­den wie­der aus­ge­führt. Man spricht davon, das Berg­fest zu fei­ern, Berg­fest, weil wir mit uns[e]rer Rekru­ten­zeit über den Berg sind. Das ist viel­leicht doch ein fro­her Anlaß.

Ich habe Dich von gan­zem Her­zen lieb und blei­be immer Dein [Roland]. Ich küße Dich, Du, und hal­te Dich ganz fest, Du! Du!

Bit­te grü­ße die lie­ben Eltern!T&Savatarsm

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