13. September 1940

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In der Woche vom 9. bis 16. Sep­tem­ber 1940 fand die ita­lie­ni­sche Inva­si­on Ägyp­tens statt. Bild: Ein ita­lie­ni­scher Sol­dat posiert für ein Erin­ne­rungs­pho­to neben einem Feld­ge­schütz, Nord­afri­ka 1940. Autor Gaúcho über Wiki­pe­dia 09.2015

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Frei­tag­abend, den 13. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Zum See­manns­wo­chen­en­de noch ein paar Zei­len. Die­se Woche ist schnell ver­gan­gen und schon ste­hen wir am Ende der ers­ten Hälf­te uns[e]rer Rekru­ten­zeit. Heu­te setz­te auch der ers­te Unter­richt ein, der uns auf uns[e]re künf­ti­ge Schreib­ar­beit vor­be­rei­ten soll. Ich kann mir von unse­rem Wir­kungs­be­reich noch kei­nen rech­ten Begriff machen, aber in 8 Tagen wer­den wir kla­rer sehen. Daß ich mich hin­ein­fin­de, dar­um ist mir nicht ban­ge. Mei­ne Mili­tär­zeit hat mir einen klei­nen Vor­ge­schmack gege­ben. Nächs­te Woche ist mit 3x2 Wochen­stun­den Unter­richt schon vor­be­legt [sic] für Mon­tag, Mitt­woch und Frei­tag von 16 — 18 Uhr.

Bundesarchiv Bild 101I-768-0147-15, Paris, Wehrmachtshelferinnen.jpg
Auch Hel­fe­rin­nen der Wehr­macht beka­men­Un­ter­richt im For­mal­dienst, hier: in Kolon­nen mar­schie­rend in Paris, 1940, Autor Fried­rich, Pro­pa­gada­kom­pa­nie OKW, DBa, Bild 101I-768‑0147-15 / Fried­rich / CC-BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

Heu­te nach­mit­tag sind wir zum drit­ten Male geimpft wor­den. Alles schimpft über die­se Kur, zumal die Kame­ra­den, [bei] denen es här­ter ankommt. Nächs­te Woche nun noch ein­mal[,] wie die Kin­der[,] gegen die Pocken auf den Arm. Aus dem Küchen­zet­tel der ver­flos­se­nen Woche wären die Kraut­wi­ckel vom Mitt­woch her­vor­zu­he­ben, die vor­züg­lich ange­rich­tet waren. Wie ich mich so im Dienst anstel­le? Nun der Dümms­te bin ich nicht, das wür­de nun mein Ehr­geiz nicht zulas­sen. Bei vie­len Din­gen, bei Wen­dun­gen usw., kommt es auf schnel­les Schal­ten und Reagie­ren und zacki­ges her­um­rei­ßen [sic] an, und dazu gehört nur ein wenig Musi­ka­li­tät. Also ich fal­le nicht auf, und dann ist alles im Ord­nung. Beim Mar­schie­ren wird tüch­tig gesun­gen: Die Blau­en Dra­go­ner, Ein Hel­ler und ein Bat­zen, Edel­weiß, Moni­ka, das sind die Schla­ger, die wir jetzt auf der Plat­te haben. [Dies sind Lie­der­ti­tel von bekann­ten Volks­liedern und Sol­da­ten­lie­dern.]

Mor­gen Sonn­abend ist nun wie­der “Groß­rein­schiff”, dann Frei­zeit. Für Sonn­tag war erst vor­ge­se­hen ein Besuch des ope­rier­ten Kame­ra­den, unse­res Johann, im Laza­rett. Das ist aber nicht mög­lich. Es ver­lau­tet, daß Sonn­tag ein Varie­té hier ein Gast­spiel geben wird. Heu­te Nach­mit­tag ist Regen auf­ge­kom­men. Das [sic] der Him­mel ist über­zo­gen hat scheint mir güns­tig für die hel­len Mond­näch­te wegen der Flie­ger. Heu­te nach dem Dienst erhielt ich Dei­nen lie­ben Boten. Ich war ganz sicher, daß er käme, obwohl er mich doch schon ges­tern beglück­te. Die Ver­si­che­rung brau­che ich nicht. Den Pro­ben Dei­ner Koch­kunst wür­de ich schon sehr gern mit zuspre­chen, aber lie­ber noch den ande­ren Süßig­kei­ten, von denen Du schreibst. Ach Du, Herz­lie­bes! Mich unter die Kame­ra­den zu mischen, ist mir nicht schwer­ge­fal­len. Ich habe mir auch schon eine Posi­ti­on erobert, inner­halb deren man mei­ne Eigen­art respek­tiert: Ich den­ke an Rau­chen, Trin­ken, Brie­fe­schrei­ben, ich gel­te auch als etwas schweig­sam und als ein stil­les Was­ser. Ich habe heim­lich mei­nen Spaß dabei. So bin ich Kame­rad und blei­be doch für mich, und blei­be ganz, ganz Dein, Herz­lie­bes! Das ist mei­ne gro­ße, inne­re Freu­de, mein gan­zes Glück.

Dein lie­bes Bild steht immer­zu vor mir ganz rein, geschützt und unbe­rührt von allem Nied­ri­gen. Aus kei­nem der ver­hei­ra­te­ten Kame­ra­den sah ich noch die Freu­de leuch­ten, die in mir ist, die ich mir nie­mals trü­ben las­se. Ich emp­fin­de so dank­bar, daß ich an Dir einen so fes­ten Halt und ein so kost­ba­res Heim fand, Du, mei­ne lie­be [Hil­de]!

Gott behü­te Dich mir! Er hal­te schüt­zend sei­ne Hand über uns!

Ganz lei­se möch­te ich Dir über das Haar strei­chen, Dei­ne lie­be Hand fas­sen und Dein Herz­lein füh­len, Du!

Ich blei­be in Lie­be und Treue

Dein [Roland].T&Savatarsm

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