11. September 1940

Ssnederland.jpg
Am 11. Sep­tem­ber 1940 grün­de­te sich die Neder­land­sche SS, die spä­ter in Ger­maan­sche SS in Neder­land umbe­nannt wur­de. Rekru­tie­rungs­pos­ter, Autor SS, lizenz­frei über Wiki­pe­dia, 09.2015.

[400911–2‑1]

Mitt­woch, am 11. Sep­tem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein lie­ber, guter [Roland]!

Ganz grau sieht es drau­ßen aus — aber in mei­nem Her­zen ist hel­ler Son­nen­schein, Du! Liebs­ter! Heu­te kam Dein lie­ber Brief, so lieb hast Du geschrie­ben, und ich dan­ke Dir aus gan­zem Her­zen dafür. Einen lan­gen, lie­ben Kuß schen­ke ich Dir — — merkst Du’s denn auch? Auch Dei­ne Kar­te vom Sonn­tags­aus­gang traf mit ein! Don­ner­wet­ter! In welch v respekt­vol­ler Beglei­tung geht mein ‘blau­er Jun­ge’ aus.

Bundesarchiv Bild 101II-MW-2064-15A, Friedrich Oskar Ruge bei MS-Flottille
Sol­da­ten der Kriegs­ma­ri­ne in Uni­form. Kapi­tän zur See Fried­rich Oskar Ruge bei Minen­such-Flot­til­le, Frank­reich, 1941, Foto­graf Vor­län­der, DBa, Bild 101II-MW-206415A / Vor­län­der / CC-BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

Ein bis­sel [sic: biss­chen] Ban­ge [sic] ist mir, Du! Gib[‘] nur flei­ßig acht, daß Ihr im Bei­sein des Herrn Feu­er­werks­maat kein Feu­er fangt, wenn Ihr wie­der mal aus­geht — das könn­te dumm wer­den. Was Du mir über Dei­ne Umge­bung schreibst und wie Du so zufrie­den mit dem allen bist, das freut mich beson­ders und ist mir eine gro­ße Beru­hi­gung. Vor allem, daß Du ein gutes, anstän­di­ges Nacht­la­ger hast.

Über die klei­ne Epi­so­de mit dem schmerz­lich ver­miß­ten, dicken Brief muß­te ich lachen. Sieh[‘]: ‘Denn Geduld soll belohnt wer­den.’ Weißt [Du], ein Bild muß es sein, ganz gleich, wo und wie — [n]ur bit­te, ein freund­li­ches Gesicht! Mach nur nicht so toll mit beim Sport, zei­ge lie­ber beim Essen mehr Aus­dau­er, hörst Du? Heu­te schrieb auch Mut­ter, sie wol­len den Geburts­tag in aller Stil­le fei­ern, die Sol­da­ten Sieg­fried u.[nd] Hell­muth kom­men nicht. Ver­rei­sen möch­te Vater gern ein Stück.

Wir sind auf spä­ter ein­ge­la­den und wer­den auch ger­ne fah­ren, ich blei­be dann noch [ein] bis­sel [sic: biss­chen] län­ger bei Mut­ter. Elfrie­de freut sich schon drauf [sic], sie will auch mal mit­kom­men; sie wol­len mich durch­aus mal mit nach D. lot­sen.

Heu­te kauf­te ich Mut­ter 1 Paar schö­ne Strick­ho­sen, sie kos­ten fast 6 M[ark], also noch gute Wol­le; sie wird sich schon freu­en. Zigar­ren habe ich bis jetzt noch kei­ne erwischt, die dum­men Ker­le geben ja kein Kist­chen ab. Mor­gen will ich den Geburts­tags­brief ver­fas­sen, ich neh­me gleich bei­de zusam­men und rich­te es so ein, daß sie am Sonn­tag die Geschen­ke haben.

Man weiß nicht, wann sie weg­fah­ren und Vater denkt viel­leicht dann, ich habe ihn ver­ges­sen. Also lie­ber, armer Hubo, das Geschenk der Eltern ist von Dir und mir — ich böses Weib halt ja jetzt mei­ne Kral­len über Dein vie­les Geld!

Die Tagesaus­zü­ge über mein Kon­to u.[nd] den Beleg über die Über­wei­sung aus S. gin­gen prompt per Post oder Rats­bo­ten ein u.[nd] ich hef­te sie gewis­sen­haft in die grü­ne Map­pe.

Hast Du etwa Lust, Dich in die­ser Ster­be­kas­se anzu­mel­den?

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

Arbeit gibt es heut [sic] es wird mir fast Angst. 5 M [Pfund] Pflau­men ein­ko­chen[,] auch Apfel­mus, 2 M [Pfund] Pil­ze auf den Ofen brin­gen, Kar­tof­fel­sa­lat machen: das gibt es mor­gen bei uns, heu­te buk ich Q[u]arkäulchen, hät­test Du mit­es­sen kön­nen, die waren gut gelun­gen. Na, viel­leicht brin­ge ich´s bis zu Dei­ner Heim­kehr bis zum Rang einer Meis­ter­kö­chin[;] wärst Du da nicht stolz auf mich? Nach­her hab ich noch was vor für Dich, wer­de dabei ganz, ganz fest an Dich den­ken[,] Du! Viel­leicht erfährst Du am Sonn­tag, was es war!

Bundesarchiv Bild 146-1987-085-21, KdF-Sport, Tennis.jpg
Zum Gemein­schafts­le­ben der Zeit gehör­ten Sport und ande­re Akti­vi­tä­ten der NS-Orga­ni­sa­tio­nen, wie der Frei­zeit­or­ga­ni­sa­ti­on Kraft durch Freu­de, DBa, Bild 146‑1987-085–21 / CC-BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

Liebs­ter! Es will mir nicht schwer wer­den, weil wir uns tren­nen muß­ten. Du schreibst mir so lieb und ich füh­le, daß Du bis jetzt nicht lei­den mußt unter die­sem Leben. Du bist gesund und froh, das allein schon macht mich ja so glück­lich. Wirst im Lau­fe der Zeit schon auch einen Sinn die­ses Lebens her­aus­fin­den. Und manch­mal muß ich den­ken, daß es Dei­nem Wesen, das etwas ver­schlos­sen und zurück­hal­tend ist[,] wohl gut sein wird, das Gemein­schafts­le­ben mit­ten in uns[e]rer gro­ßen Zeit ken­nen­zu­ler­nen u.[nd] mit­zu­er­le­ben. Daß Du aber trotz allem mein lie­ber [Roland] bleibst, das ist mei­ne gan­ze Freu­de, mein größ­ter Stolz.

Für heu­te mein Lieb, behüt[e] Dich Gott! Bleib gesund!

Es küßt Dich in treu­er Lie­be

Dei­ne [Hil­de].T&Savatarsm

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