10. September 1940

[400910–1‑1]

Diens­tag am 10. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Müde sind wir heu­te alle! Das war ein bun­ter Tag heu­te. Es begann plan­mä­ßig mit dem Grup­pen­un­ter­richt.

Bundesarchiv Bild 101I-001-0283-02, Wehrmachtsoldaten bei Ausbildung
Wehr­macht­sol­da­ten bei der Aus­bil­dung, Herbst 1939, Foto­graf Heinz Rut­kow­ski, Samm­lung Pro­pa­gan­da­kom­pa­ni­en der Wehr­macht. DBa, Bild 101I-001‑0283-02 / Rut­kow­ski, Heinz / CC-BY-SA 3.0, Über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
Den hält unser Unter­of­fi­zier, Feu­er­werks­maat D., er hat sich auf dem [sic] Sonn­tags­gruß unter­schrie­ben [sic: wohl ver­schrie­ben]. Ein schnei­di­ger, zacki­ger Kerl, ich schät­ze ihn 22 Jah­re, im Zivil­be­ruf ist er Fein­me­cha­ni­ker, mit Mit­tel­schul­bil­dung, er ist aus der HJ her­vor­ge­gan­ge­nen, mit Eifer ist er Sol­dat, bald wird er zum Feld­we­bel auf­rü­cken. Er hat eine ganz gedie­ge­ne Bil­dung, gro­ßes Geschick zu erklä­ren, und ein Übel an der Wur­zel zu packen. Ich hal­te ihn für den bes­ten Aus­bil­der. Er ist mit uns äußerst anstän­dig, übt lang­sam, aber gründ­lich[.] In sei­nem Unter­richt dreht es sich um das lang­at­mi­ge The­ma Ehren­be­zeu­gun­gen. Vater wird Dir bestä­ti­gen.Nach dem Unter­richt ging es zum Infan­te­riedienst, Grund­stel­lung (= Still­ge­stan­den), Wen­dun­gen. Bald wur­de er unter­bro­chen. Im Hofe wurde[n] Tische und Bän­ke auf­ge­stellt. Ein Regie­rungs­rat erschien und ver­an­stal­te­te mit der gan­zen Beleg­schaft eine Prü­fung: Rech­nen, Auf­satz, eine Mel­dung abfas­sen. Danach weg­ge­tre­ten zum Imp­fen, das zwei­te Mal schon inner­halb 4 Tagen. Ich habe kei­ne Beschwer­den damit. Am Nach­mit­tag begann es mit Sport. Dazu haben nun die meis­ten gar nicht die rich­ti­ge Aus­rüs­tung, vom Mili­tär ist sie uns bis {vie­le herz­li­che Grü­ße den lie­ben Eltern!!} jetzt auch nicht gestellt wor­den. Die letz­ten bei­den Male sind wir bar­fuß und im Hemd los­ge­gan­gen. Heu­te, es war ein wenig käl­ter, haben wir Hand­ball gespielt in Stie­feln, das war ein Tot­ma­cher. Beim Sport wer­den immer 2 Abtei­lun­gen gebil­det, die eine Grup­pe spielt Hand­ball, zu der mel­de ich mich, das ist nicht so lang­wei­lig.

Bundesarchiv Bild 146-1985-039-04, Frankreich, deutsche Soldaten am Strand
Deut­sche Sol­da­ten am Strand, mög­li­cher­wei­se eine Sport- oder Bade­übung. Royan, Frank­reich, 29. Juni 1940. Foto­graf Schmidt. Bun­des­ar­chiv, Bild 146‑1985-039–04 / Schmidt / CC-BY-SA 3.0, Über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
Nach dem Sport noch 2 Stun­den Infan­te­rie­dienst. Das kam uns sau­er an. Die letz­te Stun­de Hin­le­gen vor­ge­übt in lang­sa­mem Tem­po. Nach dem Dienst erhielt ich Dei­nen lie­ben Grüß[‘] von 7.9. Zum Sonn­tag konn­te er mich natür­lich nicht errei­chen. Ich ent­neh­me ihm, daß Du nun ges­tern nach Hau­se zurück­ge­reist bist. Mit dem Eng­län­der geht es nun hart auf hart. Sind gut auf der Hut. Vor­ges­tern und ges­tern über­flo­gen ein­zel­ne Flie­ger unse­re Gegend. Die Flak bal­ler­te. Die meis­ten blei­ben trotz­dem im tiefs­ten Schla­fe. Heu­te habe ich ein Wäsche­pa­ket abge­schickt. Pake­te gehen fast 8 Tage, Päck­chen gehen mit den Brie­fen. Ich hat­te nicht Zeit, ein paar Zei­len bei­zu­le­gen.

Nun weiß ich Dich wie­der im elter­li­chen Hafen.

Wenn kein Son­der­dienst ist, erge­he [sic] ich mich zwi­schen 1/2 8 und 1/2 9 Uhr abends auf uns[e]rer Exer­zier­wie­se, atme den Abend­frie­den und den­ke Dei­ner, Herz­al­ler­liebs­te, Du! Dann bin ich ganz für mich, die ande­ren len­ken ihre Schrit­te zur Kan­ti­ne. Also, man kann auch in der Kaser­ne für sich sein.

Herz­lie­bes, behüt[e] Dich Gott!! Sei froh und gewiß, daß Dir mei­ne gan­ze Lie­be gehört, immer und ganz.

Ich lie­be Dich von gan­zem Her­zen, Du mei­ne Lie­be [Hil­de]!

Dein [Roland].T&Savatarsm

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