06. September 1940

Gulyas080
Unga­ri­sche Gulasch, By Lily15, CC-BY-SA‑3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
[400906–2‑1]

C., am 6.  Sep­tem­ber 1940.

Mein lie­ber [Roland]!

Momen­tan bin ich in der glei­chen Lage wie Du in bezug [sic] auf die Anre­de!  In einer ganz neu­en Umge­bung rich­te ich mei­ne Zei­len an Dich, ich sit­ze in der Küche mei­ner Tan­te Her­tha; es ist ½ 11 eigent­lich hat um die­se Zeit die Haus­frau mit dem Kochen Arbeit, noch das brut­zelt auch ganz lus­tig neben­bei wei­ter.  Ich koche Gulasch mit Mak­ka­ro­ni [.]  Mal sehen, ob sie mit mir zufrie­den sind.  Die Kin­der habe [i]ch heu­te früh ver­sorgt und nun tum­meln sie sich auf dem Spiel­platz draußen, ist wie­der ein herr­li­cher Wet­ter heu­te, so schön warm!  Ich muß­te vor­hin um 1000 so sehr an Dich den­ken, mich schluck­te es so, ob Du gar heu­te erst mein Paket erhal­ten hast?  Oder einen Brief?

Die Tan­te wäscht unten u. [sic] ich habe hier in der Woh­nung das Regi­ment.  Ach, was glaubst Du, wie ich ges­tern abend [sic] gelacht hab[‘], als wir uns zum Schla­fen fer­tig mach­ten.    Die Tan­te zog 1 Paar lan­ge, selbst gestrick­te Strümp­fe an, [sein]e dicke Hose u.[sic] wol­le­ne Jacke — so leg­te sie sich neben mich ins Bett.  Ja, das mache ich jeden Abend so, wenn Alarm ist, bin ich wenigs­tens schnell fer­tig u.[sic] ich bin warm, hab[‘] doch noch 2 Kin­der anzu­zie­hen.  Das kann ich nicht begrei­fen, wie man sich so wohl­füh­len kann.  Von Alarm war nichts zu hören, ganz ruhig alles.

Wrecked German aircraft in Britain 1940
Hit­lers Ant­wort auf sei­nem Schei­tern der Luft­waf­fe: Er befiehl den mas­si­ven Angriff gegen Lon­don. In sei­ner Rede in dem Ber­li­ner Sports­pa­last am 4.09.1940 zum Anlass von der Eröff­nung des Kriegs­win­ter­hilfs­werks schrieb er den Schuld für die Eska­lie­rung von der Gewalt gegen die Zivil­be­völ­ke­rung Win­ston Chur­chill zu. Bild: Hava­rier­te deut­sche Flug­zeu­ge (Me 109E, He 111 and Ju 88A) in Groß­bri­tan­ni­en, 1940. Quel­le: Den­nis. Über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
Hast Du auch schön zuge­hört, als der Füh­rer sprach?  Ich dach­te an Dich, er ist vol­ler Zuver­sicht und man schaut immer ein wenig zuver­sicht­li­cher in den Tag danach.  Ich bin gespannt, wie sich alles ent­wi­ckeln wird in nächs­ter Zeit.  Ach, man hat hier kei­ne Ruhe beim Schrei­ben, die klei­nen Geis­ter haben immer etwas and[e]res.  Und bei mir geht alles durch­ein­an­der.  Ich sehe es schon kom­men, in C. muß ich mein täg­lich geöff­ne­tes Nach­rich­ten­bü­ro einst­wei­len schlie­ßen.  Ich wer­de Dir wie­der mehr erzäh­len, wenn ich zu Hau­se bin.  Will vor­aus­sicht­lich Sonn­tag gegen Abend zurück, mal sehen, ob sie mich fort las­sen die Kin­der.  Sie spie­len näm­lich ger­ne mit mir.  Heu­te früh, es war noch ganz fins­ter, wir schlie­fen noch halb mit­ein­an­der, da kräh­ten sie schon schlaf­trun­ken: Wo ist mei­ne Tan­te [Hil­de], ist sie denn noch da?”

Ja ja mein Lieb, da bin ich nun voll­auf beschäf­tigt.  Aber ich ver­ges­se mei­nen lie­ben, guten, gro­ßen Jun­gen des­halb nicht.

Ich hab Dich von gan­zem Her­zen lieb, Du mein [Roland]!

Ich bin ganz Dei­ne, für alle Zeit nur Dein, Du!

Behut Dich Gott!  Bleib froh und gesund!

Einen fro­hen Sonn­tag wunscht Dir, ver­bun­den mit einem lie­ben Kuß

T&SavatarsmDei­ne treue [Hil­de]

Plea­se fol­low and like us:
error

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.