03. September 1940

Bundesarchiv Bild 193-04-1-26, Schlachtschiff Bismarck
Schlacht­schiff Bis­marck, 1940. DBa, Bild 193–04‑1–26 / CC-BY-SA, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.

[400903–1‑1]

am Diens­tag am 3. Sep­tem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be lie­be [Hil­de]!

Schrei­be­tag [sic] ist nach unse­rem Über­ein­kom­men. Ich benut­ze die Mittag[s]pause von ½ 1 Uhr bis 2 Uhr, um ein paar Zei­len fer­tig zu machen. Ges­tern hat nun der Dienst begon­nen. Mor­gens ½ 8 Uhr zunächst eine Stun­de Unter­richt, dann bis gegen Mit­tag mit einer Pau­se, Fuß­dienst, Still­ge­stan­den, Rührt Euch, Augen rechts, die Augen links, zu drei­en abge­zählt. Auf [sic: auch] das kann anstren­gen aber es geht an.

A Danish Perspective
Kie­ler Bucht mit Blick auf Däne­mark und Nor­we­gen im Win­ter, 26.02.2003. Foto: Welt­raum­fah­rer, Inter­na­tio­na­les Raum­schiff, NASA. Über Wiki­me­dia Com­mons. 09.2015.
Am Nach­mit­tag wie­der Unter­richt, Fuß­dienst und ges­tern ein Appell vor dem Kom­man­deur, einem Kapi­tän. Das Wet­ter ist seit ges­tern bes­ser, jetzt scheint bei leicht­be­wölk­tem Him­mel die Son­ne schön warm. Heu­te am Vor­mit­tag wur­den die hier lie­gen­den Rekru­ten ver­ei­digt, wir mach­ten unter­des­sen einen Aus­marsch nach der Kie­ler Bucht. Das war ein ange­neh­mer Vor­mit­tags­dienst. Trotz­dem mel­de­ten sich nach die­sem kur­zen Marsch ein paar Fuß­kran­ke. Mei­ne Stie­fel pas­sen, das ist gut. Ich ver­mis­se nichts an Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­den. Nacht­hem­den bekom­men wir nicht gelie­fert. Bit­te schi­cke mir bei Gele­gen­heit noch eines zum Wech­seln. Viel­leicht kannst Du ein Tüt­chen tro­cke­nes Salz für mei­nen Streu­er bei­le­gen. Das Essen ist reich­lich und gut. Wurst ist mir zu viel. Also davon bit­te nichts schi­cken.

Bundesarchiv Bild 183-H25647, Berlin, Vereidigung junger Rekruten
Rekru­ten­ver­ei­di­gung des Jahr­gan­ges 1914 anläss­lich der Flag­gen­his­sung der neu­en Reichs­kriegs­flag­ge am 7.11.1935 in Ber­lin-Ruh­le­ben, 07.11.1935. All­ge­mei­ner Deut­scher Nach­rich­ten­dienst — Zen­tral­bild. DBa, Bild 183-H25647 / CC-BY-SA, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
Mor­gen, Mitt­woch, den­ke ich, daß ich zum ers­ten Male von euch Post bekom­me. Ich freue mich so dar­auf. Ohne die­se Zei­chen von Hau­se wür­de ich in die­ser männ­li­chem Umge­bung und dem Kaser­nen­ton ganz die Ver­bin­dung zu Dir ver­lie­ren. Also, wenn ich nur gesund blei­be, dann hof­fe ich die­se Zeit leicht zu über­ste­hen, da könnt Ihr alle ohne Sor­ge sein. So wie­der [sic: wie der] Dienst nun läuft, gilt es immer auf­zu­pas­sen. Wenn die Pfei­fe schrillt, ist immer was los. Trotz­dem [sic: Trotz dem] wir kein Gewehr haben und nur einen Anzug, nur ein Paar Stie­fel, gibt es immer schon genug zu tun. Am Mon­tag sind wir noch ein­mal neu ein­ge­teilt und umquar­tiert wor­den. Nun lie­ge ich wie­der unter Lands­leu­ten, es herrscht ein tadel­lo­ser, sau­be­rer Ton, ich bin recht froh dar­über.

Ja, Herz­lie­bes, was soll ich Dir heu­te noch schrei­ben?

Was ich zu Dir emp­fin­de? Der Trau­er, der Sehn­sucht Raum geben? Ich mag es jetzt nicht. Ich wür­de mich unglück­lich machen. Fal­sche Hoff­nun­gen näh­ren? Auch das nicht. Wir müs­sen uns mit der gege­be­nen Lage abfin­den und Gott ver­trau­en und hof­fen, daß er uns führt und lei­tet und beschützt bis zu unse­rem Wie­der­se­hen. Die­ses Wie­der­se­hen steht jetzt noch wie ein traum­haf­tes Land in wei­ter Fer­ne. Die Son­ne über die­sem Lan­de bist Du, Herz­al­ler­liebs­te, ohne Dich könn­te ich es nicht den­ken.

Für heu­te genug.

Herz­al­ler­liebs­te, behü­te Dich Gott! Blei­be froh und gesund. Bit­te grü­ße die lie­ben Eltern! Mei­nen nächs­ten Brief will ich an Sie [sic] rich­ten.

Wir sind ver­bun­den auf Leben und Tod, Herz­lie­bes. Die­se Gewiß­heit ist mei­ne gan­ze Freu­de.

Ich blei­be Dir ganz, ganz treu und lie­be Dich von gan­zem Her­zen.

T&SavatarsmDein [Roland].

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