03. Juli 1940

Gott strafe England2
Gott stra­fe Eng­land“ Man­schet­ten­knopf. Bild: Bau­ern­freund, 15.08.2009, über Wiki­me­dia Com­mons, 07.2015.
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Am 3. Juli, nach­mit­tags um 2 Uhr.

Herz­al­ler­liebs­ter! Du!

Ich seh­ne mich jetzt so sehr nach Dir. Nicht lan­ge mehr muß ich war­ten, dann ist der zehn­te — dann sind Feri­en, dann kommst Du! Ach, was ist dann alles, Liebs­ter!

Ich füh­le es jeden Tag, und immer mehr, ich kann nicht mehr sein ohne Dich. Ich lie­be Dich, Du! O, so sehr.

War­um muß ich Dir eben jetzt das alles sagen?

[Ic]h glau­be, ich habe ein wenig Angst. Ich bin so allein, an mei­nem Fest­kleid näh­te ich; mit aller Lie­be nähe ich dar­an, ich will mich schmü­cken damit, wenn ich den letz­ten Tag und die letz­te Nacht Dei­ne Braut bin. Nur für Dich will ich mich schmü­cken, für den Aller­liebs­ten mein. Ein schwe­res Gewit­ter tobt drau­ßen, ja — ich fürch­te mich wirk­lich. Wenn ein Blitz mich erschlü­ge. Nein — nicht so den­ken. Aber unser Haus könn­te er tref­fen, ich müß­te fort flie­hen; wer weiß, könn­te ich flie­hen wären Flam­men um mich [da]? Ich muß reden mit Dir, Du! Wie es auch aus­ge­hen wird. Mei­ne Gedan­ken sind bei Dir, jetzt und immer, Du sollst es wis­sen. Du wirst es füh­len. Du! Bist heu­te um die­se Stun­de daheim? Es ist Dein frei­er Nach­mit­tag, denkst Du an mich? Hast Du mich noch lieb? Ich habe Dir Unrecht getan, Du ver­stan­dest mein Han­deln nicht.

Croiseur de bataille Strasbourg 03-07-1940
Der Angriff Mers-el-Kébir. Die bri­ti­sche Roy­al Navy griff am 3. Juli 1940 fran­zö­si­sche Schif­fe, um deren mög­li­che Aus­lie­fe­rung an das Deut­sche Reich zu ver­hin­dern. Bild: Jac­ques Mulard, über Wiki­me­dia Com­mons, 07.2015.
Sag, kann man denn gegen die inne­re Stim­me ankämp­fen? Ich konn­te es nicht, ich muß­te so han­deln. Ver­zeihst Du mir? Liebs­ter, Du! Herz­al­ler­liebs­ter! Komm, o komm bald, ich muß in Dei­nen Augen lesen, ob Du mich lieb­hast so, wie es immer war. Laß mich nicht so lan­ge war­ten. Schreib mir, heu­te gleich, sag mir ein Wort, sag daß Du mich lieb hast, Du!

Ich will nicht län­ger hier drin­nen sit­zen, ich kann nicht, es ist unheim­lich. Vater schläft. Ich will ihn nicht wecken, er tut mir leid, wenn er mor­gens so erschöpft heim­kommt vom Nacht­dienst. Er schläft sel­ten so tief; eben dar­um kann ich ihn nicht wecken. Frau B.? Nein.

Es soll kein Frem­der wis­sen, wie mir ist. Bin ich fei­ge? Ich muß Stim­men hören, einen Men­schen um mich haben. Zu Groß­mutter [Lau­be] gehe ich. Vater schläft — wenn etwas pas­siert? Ich muß war­ten, wenigs­tens bis es schwäch[er] wird, daß ich den­ken kann, jetzt zieht es ab. Das will ich.

Du, es ist gnä­dig vor­über gegan­gen. Nun rauscht der Regen, es ist ruhig. Ich bin noch so erregt, ich will ein Stück gehen; dann wer­de auch ich ruhi­ger. Bei Groß­mutter will ich Ein­kehr hal­ten, will nach­schau­en, was sie treibt, sie ist doch auch allein. Möge das Gewit­ter Eure Gegend ver­scho­nen.

Mein Brief soll mit, es ist nach 3 Uhr.

Wird mor­gen Dein Bote kom­men? Ich war­te so auf ihn.

Behüt Dich Gott! Blei­be gesund!

Ich seh­ne mich nach Dir, mein [Roland]!

Hab mich lieb, Du!T&Savatarsm

Dei­ne [Hil­de].

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