27. Juni 1940

[400627–2‑1]

O., am 27 Juni 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter, Du! Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Eigent­lich soll ich Wäsche aus­bes­sern, ein gro­ßen Berg liegt neben mir, und Strümp­fe stop­fen und Wäsche ein­spren­gen, damit Mutsch gleich plät­ten kann, wenn sie heim­kommt. Aber da den­ke ich eben dar­an, daß ich mich ja noch nicht ein­mal bedankt habe für Dei­nen lie­ben Sonn­tags­brief. Und er war mir doch gera­de dies­mal dop­pelt lieb und wert. Du! Ich dank Dir [s]ehr, und ich schen­ke Dir einen recht lie­ben Kuß.

Heu­te habe ich Dei­nen neu­en Brief erhal­ten, auch dafür mei­nen bes­ten Dank. Es tut mir furcht­bar leid um Onkel Erich’s Sohn — ein so jun­ger, blü­hen­der Mensch. Aber ange­sichts des Schmer­zes, den der Tod, den gan­zen Ver­lust eines Men­schen her­vor­ruft, müs­sen die Ange­hö­ri­gen still und demü­tig wer­den — er bleibt ihnen ja, das ist schon eine gro­ße Gna­de. Wie vie­le, sol­cher armen Men­schen, die aus dem letz­ten Krieg heim­kehr­ten und [G]liedmaßen ein­büß­ten und die doch auch wie­der froh wur­den mit der Zeit und neu­en Lebens­mut beka­men. Frei­lich, solch jun­gen Blut wird das viel Über­win­dung kos­ten.

Gott sei Lob und Dank, daß die­ses Hin­schlach­ten der Men­schen in Frank­reich nun ein Ende fand. Das wird auch Trost und Beru­hi­gung sein für die, die noch Kin­der und Ange­hö­ri­ge im Fel­de wis­sen. Ich den­ke immer, in Eng­land kommt die Kriegs­füh­rung nicht zu die­sen Aus­ma­ßen. Wird wohl eine ganz beson­de­re Art Krieg­füh­rung wer­den, gib nur acht. Tru­dis Vater, wel­cher jetzt in War­schau auf einer Kom­man­deur Schu­le weil­te[,] hat aller­hand zu hören bekom­men. Sein dor­ti­ger Vor­ge­setz­ter, ein per­sön­li­cher Freund B.’s, hat von ver­schie­de­nen Tat­sa­chen auf­klä­rend zu die­sen Män­nern gespro­chen. Sie müs­sen schwei­gen. Zuhau­se hat er natür­lich Ver­schie­de­nes erzählt, was er darf, daher weiß ichs. Doch Tru­di sagt, mein Vater ist vol­ler Zuver­sicht gegen den Kampf mit Eng­land. Möch­ten doch die Brü­der davon ver­schont blei­ben! Ich ersah aus ihren Brie­fen, daß sie bei­de wohl­auf sind, ich freue mich dar­über. Ich wür­de es ihnen ja so von Her­zen gön­nen, wenn sie bei­de Son­der­ur­laub zur Hoch­zeit bekä­men. Ob sie wohl mei­ne Brie­fe zur Zeit bekom­men? Du hast recht, Liebs­ter! Elfrie­de schrei­be ich noch­mal einen lie­ben Ein­la­dungs­brief. Dank für die Zug­ver­bin­dung, es war sehr nett von Dir! Selbst­ver­ständ­lich sind Geschwis­ter­gäs­te schon zum Pol­ter­abend gela­den!

Ja, mei­ne Hubo! Nun ste­he ich schon seit 2 Tagen im Diens­te des Pfar­rers. Oder bes­ser gesagt, des Q.’s? O weh, wenn er’s nur lesen wür­de. Nein, es ist ein sehr paten­ter Mann, im Dienst, wie ich ihn um mich sehe, auch im Pri­vat­le­ben. Ich gehe nur täg­lich von 9 — ½ 1 in die Kanz­lei. Aller­hand muß ich da machen. Heu­te z. L. gab es die Gemein­de­blät­ter abzu­zäh­len, bezirkwei­se ein­zu­tei­len und mit Abon­nen­ten­kar­ten zu ver­se­hen. 150 Feld­post­brie­fe ver­sand­fer­tig machen. Dazwi­schen kommt Jemand, will For­mu­la­re wegen: Steu­er­ermä­ßi­gung, Geburt anmel­den, Trau­er­fall, Hoch­zeit u. der­glei­chen. Mal klin­gelt das Tele­phon. Jemand bringt ein Biblio­theks­buch, will ein neu­es. Kurz: Mein Geschäft blüht. Ab 11 Uhr bin ich meist allein, da macht Herr Pfar­rer Besu­che. Ich ver­rich­te die­sen Ehren­dienst (weil ich mich nicht bezah­len las­sen will) nur 14 Tage, dann ist Herr H. wie­der da. Es gefällt mir gut, ist mal was and[e]res. Für heu­te Schluß, mein Lieb! Jetzt will ich Dich noch bis­sel ver­wöh­nen im Schrei­ben, es wird in den nächs­ten Tagen schlim­mer mit der Arbeit: Rei­ne­ma­chen, innen u. außen.

Behüt Dich Gott! Blei­be gesund und froh! Heu­te in 14 Tagen!!!

Liebs­ter! Herz­al­ler­liebs­ter! Ich hab Dich so sehr lieb!T&Savatarsm

Immer Dei­ne [Hil­de].

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