25. Juni 1940

SS Guinean
Eva­ku­ie­ren­de alli­ier­te Trup­pen am SS Gui­ne­an im „Ope­ra­ti­on Ari­el“, Juni 1940, gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 06.2015.
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S. am 25. Juni 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de] Du!

Diens­tag mor­gen 9 Uhr. Schul­frei ist heu­te Du sollst die ers­te sein, mit der ich die­se Freu­de tei­le. Dann ist der Anfang zu mei­nem Mitt­woch­brief schon gemacht. Hat es doch noch 8 Tage gedau­ert, bis die Freu­de vom Mon­tag uns[e]res Abschie­des ihre Krö­nung erfuhr. Ganz beson­ders freut mich, daß der Füh­rer in sei­ner Bot­schaft von Demut und Dank gegen Gott spricht. Wo mögen uns[e]re Sol­da­ten [d]iese Freu­de erle­ben? Ob nun die Aus­sicht auf den Urlaub bes­ser ist? Den heu­ti­gen Tag will ich benut­zen, um alle Ein­la­dun­gen fer­tig zu schrei­ben.  Da fällt mir eben noch ein: die Ein­la­dung an Elfrie­de, ich wür­de sie ohne wei­te­res besor­gen, nur der Gedan­ke läßt mich zögern, daß es viel­leicht doch recht hübsch und sin­nig ist, wenn Du Dei­ne künf­ti­ge Schwä­ge­rin, die Dir den Schrift in den Ehe­stand zuvor­ge­tan hat, selbst ein­lädst.  Ob wir Elfrie­de schon zum Pol­ter­abend zu uns bit­ten?  Viel­leicht, daß ihr Sol­dat da ist, sie muß sonst auch so sehr zei­tig zu Hau­se weg, und es wäre doch auch recht hübsch.  Über­legt es Euch!  Ent­schei­det Ihr Euch in mei­nem Sin­ne, dann schla­ge ihr die­se Bahn­ver­bin­dung vor:

L. ab D […], sit­zen blei­ben bis Chem­nitz

Chem­nitz an D […] von da Auto­bus bis O.

Chem­nitz ab […] Abfahrt das Auto­bus in unmit­tel­ba­res Nähe des Hbf.

Mitt­woch ist wie­der.  Eigent­lich erwar­te­te ich heu­te einen Gruß von Dir. Er kann ja heu­te nach­mit­tag noch ein­tref­fen.  Und sacht will ich den­ken, daß Du ja jetzt viel Arbeit, und gera­de auch viel Schreib­ar­beit hast.  Und immer neue lade ich auf Dei­nen brei­ten Rücken.  Aber sie macht doch auch viel Freu­de, weil sie sich um unser Fest dreht.  Herz­lie­bes, wenn alles nach Wunsch geht, darf ich in 14 Tagen schon ans Rei­ten den­ken.  Aber die Tage, die dann noch blei­ben bis zum Fest müs­sen wir ganz brav blei­ben.  Am bes­ten, wir ver­klei­den uns und sagen Sie zuein­an­der!

Adolf Hitler, Eiffel Tower, Paris 23 June 1940
Adolf Hit­ler mit sei­ner Beglei­tung nach der Besich­ti­gung des Eif­fel­turms, 23.06.1940, Paris, Fran­ce, DBa, All­ge­mei­ner Deut­scher Nach­rich­ten­dienst, Bild 183-H28708 / CC-BY-SA, 07.2015
Heu­te erhielt ich von Hau­se man­cher­lei Nach­rich­ten.  Ich schi­cke sie mit, hebe sie bit­te gut auf!  Her­mann, das ist Onkel Erichs Ältes­ter, wel­ches har­te Geschick! Ein klein wenig bes­ser mag man nach dem Gele­se­nen ermes­sen, mit welch tie­fem Auf­at­men die Bot­schaft von der Waf­fen­ru­he von den unmit­tel­bar Betrof­fe­nen auf­ge­nom­men wor­den sein mag. Gebe Gott, daß die Brü­der heil aus die­ser Höl­le wie­der­kom­men! Vor die­sem Hin­ter­grun­de bekommt auf unser Fest­tag eine gedämpf­te Far­be. Herz­lie­bes, es schmerzt mich nicht. Lau­ter Freu­de war ich nie ein Freund, und mei­ne Freu­de auf unse­ren Tag, die ist eben­so bei dem Fei­er­lich-Erns­ten wie bei dem Fest­lich-Fro­hen. Es wird nun ein rech­ter Fami­li­en­tag, an dem uns gemein­sa­me Sor­ge und gemein­sa­mes Leid und selbst­re­dend gemein­sa­me Freu­de eng ver­bin­den wer­den. Mut­ter schrieb mit, daß Elfrie­des Mut­ter wie­der zu Bett liegt. Sie fie­bert und Elfrie­de ist in gro­ßer Sor­ge. Das sind Neu­ig­kei­ten genug. Wir leben hier im tiefs­ten Frie­den. Die Schif­fe sind dicht besetzt. Der Ort hat viel Frem­de. Frau S. hat drei Gäs­te. Einen Stamm­gast aus Ber­lin, Schnei­de­rin, gebo­re­ne West­preußin, und zwei Chem­nit­zer, Mut­ter und Toch­ter, Apo­the­kers­leu­te. Die Frem­den brin­gen ein wenig fri­sche Luft ins Haus, man denkt in die Wei­te, es ist mir lieb, zumal, wenn es so ange­neh­me Gäs­te sind wie die jet­zi­gen. Die Wochen bis zu unse­rem Tag wer­den ver­flie­gen. Wer­den wir die lan­gen Feri­en mit­ein­an­der ver­le­ben kön­nen, Herz­lie­bes Du?

Bit­te, grü­ße die lie­ben Eltern.

Behüt Dich Gott! Laß uns immer dank­bar beden­ken, wie­viel Gna­de wir erfuh­ren und wie­viel har­tes Geschick uns erspart blieb! Wei­ter hof­fen wir unse­rem Tag ent­ge­gen. Ganz fest wol­len wir uns hal­ten in die­sen schwe­ren Tagen. Ich bin glück­lich, mich Dein Eigen zu wis­sen, und einem Men­schen mei­ne gan­ze Treue und Lie­be erzei­gen zu dür­fen, Du mein Schatz! Herz­al­ler­liebs­te Du!T&Savatarsm

Dein [Roland].

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