30. Mai 1940

Bundesarchiv Bild 146-1974-061-61, Belgien, Kapitulation der belg. Armee
Kapi­tu­la­ti­on der bel­gi­schen Armee, Bel­gi­en, 28. Mai 1940, Pfitz­ner, Hee­res­film­stel­le, DBA, Bild 146‑1974-061–61 / Pfitz­ner / CC-BY-SA, 04.2015.
[400530–2‑1]

O., am 30. Mai 1940.

Am Diens­tag. [28. Mai 1940]

Herz­al­ler­liebs­ter!

[Roland]! Mein lie­ber [Roland]! Hast Du heu­te auch den gro­ßen Sieg ver­nom­men? Eine tie­fe Freu­de bewegt mich, seit ich es hör­te. Wie unend­lich dank­bar bin ich unse­ren tap­fe­ren Sol­da­ten.

Bundesarchiv Bild 146-1984-021-14, Zerstörtes Rotterdam
Ein deut­scher Stoss­trupp bahnt sich den Weg am Kanal ent­lang durch die Trüm­mer der Stadt Rot­ter­dam, 14. Mai 1940, Foto­graph: Fass­hau­er, DBa, Bild 146‑1984-021–14 / Fass­hau­er / CC-BY-SA, 04.2015
Dür­fen wir nicht mäch­tig stolz sein auf sie?

[Ic]h glau­be an unse­ren Sieg. Ich glau­be ganz fest dar­an.

Und er kann nicht mehr all­zu fern sein.

Ach Du! Es ist ja alles, alles was dann kommt, uns winkt kaum aus­zu­den­ken — fast zu schön, um wahr zu sein.

Gebe Gott unse­ren Tap­fe­ren allen sein Gelei­te, möge er sie sieg­reich die gro­ße Auf­ga­be erfül­len las­sen unter sei­nem Schut­ze.

Daß wir Deut­sche die­se Zeit erle­ben dür­fen, es ist doch bei allen Opfern auch eine Gna­de. Wer­den nicht alle Men­schen durch das [ge]meinsame Kämp­fen, Rin­gen, Erle­ben und Schaf­fen, das sich alles um das Eine dreht enger mit­ein­an­der ver­bun­den?, wer­den sie sich nicht glück­haft der fes­ten Zusam­men­ge­hö­rig­keit bewußt, und der tie­fen Ver­bun­den­heit mit unser[e]m Vol­ke?

Bundesarchiv Bild 183-R99057, "Wolfsschanze", Adolf Hitler mit Stab
Adolf Hit­ler mit Stab, Mai-Juni 1940, DBa, Bild 183-R99057 / CC-BY-SA, 04.2015.
Du! Wenn wir den Kin­dern spä­ter ein­mal erzäh­len dür­fen, wie sich unser Volk, unser Deutsch­land, das hart am Abgrun­de stand empor­ge­run­gen hat, dank Got­tes Fügung, die uns einen Mann zum Füh­rer schenk­te, auf den wir alle Zeit mit Bewun­de­rung und Ver­eh­rung bli­cken wer­den, und dank des Vol­kes unver­zag­ter, treu­er Pflicht­er­fül­lung und Hal­tung in jeder Lebens­la­ge, wie schön muß das sein. So schön zu den­ken, das Land, auf das einst unse­re Kin­der wer­den den Fuß set­zen, ist vom Frie­den geweiht.

Bundesarchiv Bild 146-1970-048-11, Belgien, Brügge, Entwaffnung
Die Ent­waff­nung der bel­gi­schen Armee, Markt­platz, Brüg­ge, Bel­gi­en, 29.05.40, Foto­graf: Hau­sen, v., Hee­res­film­stel­le, Nega­tiv Nr. P.K. 58/12, DBa, Bild 146‑1970-048–11, 05.2015.
Wer die Bedeu­tung und die Grö­ße die­ses Gedan­kens recht ermes­sen kann, des­sen Schmerz muß dabei gelin­dert wer­den, den der Krieg durch sei­ne Opfer ver­ur­sach­te. Selbst der kei­ne eige­nen Kin­der besitzt muß das füh­len; denn es geht hier um das Gro­ße, Gan­ze, um die Zukunft des jun­gen Deutsch­lands, um Deutsch­lands ewi­gen Bestand.

Du! Ich sehn­te mich heu­te so nach Dir. Ich kann die Freu­de, die ich erle­be, allein gar­nicht mehr fei­ern. Ich will sie tei­len mit Dir. Ich bin hin­aus gefah­ren mit mei­nem Rad, bis ziem­lich nach Kau­fun­gen. Und als ich die Stra­ße ent­lang fuhr und mein Herz so über­voll war des Dan­kes und der Freu­de, da sah ich zur Lin­ken das Wäld­chen win­ken, das ich in einer Mond­nacht ein­mal so glück­lich sah mit Dir. Weißt Du noch? Es war an mei­nem 20. Geburts­tag.

Zu die­ser Stel­le zog es mich hin, und ich stand eine gan­ze Wei­le still und ver­son­nen, und träum­te mich zurück und glaub­te, Dich ganz nahe bei mir zu spü­ren.

Liebs­ter! Ein Dank­ge­bet fand ich und es kamen mir Trä­nen, weil ich so glück­lich bin in uns[e]rer Lie­be.

Du! Mein Ein und Alles! Wie lie­be ich Dich!

Bleib mir, Liebs­ter! Herz­al­ler­liebs­ter!

Dei­ner [Hil­de].

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

Herz­al­ler­liebs­ter! [Mar­ke]

Wenn ich nun an den mor­gi­gen Tag den­ke, mei­nen letz­ten, in die­ser ver­trau­ten Stät­te, so bewe­gen mich Freu­de und Weh­mut zugleich. Freu­de über den end­lich frei­en Blick, den ich damit gewin­ne für unse­ren Weg, unser Ziel. Die Arbeit, die ich nun ver­rich­te, dient nur für unse­ren Zweck — es ist eine Vor­ar­beit — ein Ein­le­ben, Ein­füh­len in das, was mei­ner war­tet:, ein eige­ner Haus­stand.

Die Gedan­ken auf die­ses gerich­tet, emp­fin­de ich gro­ße Freu­de, Du!

Und schei­den muß ich in ein paar Stun­den von der ver­trau­ten [U]mgebung, die mich 5 Jah­re lang umfing.

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

Um mei­ne damit ver­lo­re­ne Arbeit grä­me ich mich nicht, sie hat mich kaum erfüllt —, hät­te ich durch ihren Lohn nicht die Freu­de am Schaf­fen, am eige­nen Besitz schaf­fen, erlebt, ich wäre ihr längst untreu gewor­den. Die Men­schen blie­ben mir mehr oder weni­ger fremd, bis auf ein­zel­ne, und das Schei­den wäre mir so leicht, wenn nicht Eine neben mir säße, der fast das Herz bricht vor Schmerz um ihr ver­lo­re­nes Glück. Sie hält mich fest durch ihren Anblick. Was täte ich, nur um sie wie­der froh und glück­lich zu sehen. Doch ich kann nichts tun, als sie mit aller Lie­be und Behut­sam­keit zu umge­ben, deren eine mit­füh­len­de Kame­ra­din fähig ist — und das will ich, solang ich noch hier in O. bin, reich­lich tun.

Hel­fe­rin zwar wird ihr nur die Zeit sein kön­nen, Trost ist hier schwer­lich am Plat­ze.

Ich will mor­gen stark sein, es geht ja alles vor­über.

Wer könn­te mich wohl bes­ser ver­ste­hen, als Du?

Wer könn­te wohl eben­so füh­len, was in mir vor­geht?

Du! Nur Du! Herz­al­ler­liebs­ter, mein [Roland]!

Es ist eine schwe­re Zeit, in die alle unse­re ent­schei­den­den Schrit­te fal­len. Es muß sein.

Liebs­ter! Und nun hal­te ich wie­der Dei­nen Brief in Hän­den, Dei­ne lie­ben, so ver­trau­ten Zei­chen sehen mich an. Es ist, als sprä­chest Du selbst zu mir, näh­mest mich warm bei der Hand um mich hin­aus­zu­füh­ren in unse­re Welt, hin­zu­füh­ren auf unse­ren Weg in’s Leben, das wir gemein­sam suchen wol­len. Und ich fürch­te mich gar­nicht vor den Stei­nen, die da lie­gen könn­ten; vor der Fins­ter­nis, die uns dro­hen möch­te — Du bist bei mir was kann mir da dro­hen? Dem Muti­gen hilft Gott. Ein­mal schon schreibst Du mir die­se Wor­te, und sie sol­len unser Wahl­spruch sein.

400530-2-1ih
Aus­zug aus dem Brief

Das Ver­trau­en auf Got­tes Güte und Gna­de, die Gewiß­heit unse­rer tie­fen, uner­schüt­ter­li­chen Lie­be und Treue, Du! Im Auf­blick zu die­sen Zei­chen las­se ich die Tür ins Schloß fal­len ohne Zau­dern; um froh­ge­mut, mit erho­be­nem Kopf den Schritt über die Schwel­le zu set­zen, die in unser Leben führt, Liebs­ter!

Bundesarchiv Bild 146-1971-042-08, Calais, zerstörtes Hafenviertel
Zer­stör­tes Hafen­vier­tel, Calais, Frank­reich, 1.6.1940, 12.30 Uhr, DBa, Bild 146‑1971-042–08 / CC-BY-SA, 04.2015
Liegt auch alles noch dun­kel vor uns, im schwe­ren Duns­te des Kriegs­un­wet­ters, ein­mal muß doch die Son­ne sieg­reich durch­bre­chen, die Sie­ges- und Frie­dens­son­ne, und sie wird alles rings­um ver­klä­ren mit ihrem mil­den Schei­ne.

Ich dan­ke Gott, Du! Daß Du mein bist. Ich will ihn immer wie­der bit­ten, daß er mir Dich erhält. Es gibt kei­nen Men­schen auf Erden, den ich so lie­be wie Dich.

Dich lie­ben kann ich nur ein­mal. Ich will Dir gehö­ren, ich will mit Dir gehen für alle Zei­ten.

Komm, Liebs­ter! Komm bald zu

T&SavatarsmDei­ner [Hil­de].

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4 Antworten auf „30. Mai 1940“

  1. In die­sem Teil des Brie­fes ist Hil­de sehr begeis­tert vom Krieg. Sie freut sich, dass sie die­se Zeit mit­er­le­ben darf und ist fest davon über­zeugt, dass Deutsch­land den Krieg gewin­nen wird.

    Dür­fen wir nicht mäch­tig stolz sein auf sie?
    [Ic]h glau­be an unse­ren Sieg. Ich glau­be ganz fest dar­an.

    Und er kann nicht mehr all­zu fern sein.

    Ach Du! Es ist ja alles, alles was dann kommt, uns winkt kaum aus­zu­den­ken — fast zu schön, um wahr zu sein.

    Gebe Gott unse­ren Tap­fe­ren allen sein Gelei­te, möge er sie sieg­reich die gro­ße Auf­ga­be erfül­len las­sen unter sei­nem Schut­ze.

    Daß wir Deut­sche die­se Zeit erle­ben dür­fen, es ist doch bei allen Opfern auch eine Gna­de. Wer­den nicht alle Men­schen durch das [ge]meinsame Kämp­fen, Rin­gen, Erle­ben und Schaf­fen, das sich alles um das Eine dreht enger mit­ein­an­der ver­bun­den?, wer­den sie sich nicht glück­haft der fes­ten Zusam­men­ge­hö­rig­keit bewußt, und der tie­fen Ver­bun­den­heit mit unser[e]m Vol­ke?

    Wie man sieht denkt Hil­de nur noch an den Sieg und nicht an die Opfer.

  2. Wir fan­den die Stel­le sehr inter­res­sant und wir den­ken, dass Hil­de sehr viel Halt in ihrem Glau­ben fin­det. Es ist sehr wich­tig für sie denn sie hat Angst ihren Mann zu ver­lie­ren. Und außer­dem ist die Reli­gi­on mit dem Drit­ten Reich ver­bun­den. Hil­de ist auch der Mei­nung, dass der Füh­rer Got­tes Vor­se­hung war. Sie ist über­zeugt, dass Hit­ler Deutsch­land zum Sieg füh­ren wird. Die Sie­ge Deutsch­lands beru­hi­gen sie und geben ihr die Hoff­nung, dass der Krieg bald endet.

  3. I found it inte­res­ting that Hil­de belie­ves that they have won the war alrea­dy. She is also extre­me­ly proud of her sol­di­ers and belie­ves in them deeply. She also thinks the Füh­rer will lead the Ger­ma­ny to a glo­rious and bet­ter future for them after they were ‘humi­lia­ted’.

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