6. Mai 1940

[400506–1-1]

S. am 6. Mai 1940.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be [Hil­de] Du!

Bundesarchiv Bild 146-1981-060-03, Frankreich, Infanterie auf dem Marsch
Deut­sche Sol­da­ten auf dem Marsch, Frank­reich, 06.2015
Hast mei­nen Boten recht ver­mißt, Herz­lie­bes? Ges­tern konn­te er nicht kom­men, ges­tern ging ein­mal das Zuhau­se vor, Du! Ach es waren ein paar beweg­te Tage. Am Frei­tag stell­te man mich vor die Wahl, Sol­dat zu wer­den, Flug­mel­de­dienst auf dem W.berg, der Vor­ge­setz­te sucht drin­gend einen Mann und wand­te sich gütig anfra­gend zuerst an mich, weil ich mich ein­mal dazu bereit erklär­te. Gefühls­mä­ßig war mei­ne Wahl schnell getrof­fen, jetzt auf mei­nem Pos­ten aus­zu­hal­ten. Nur ein paar Ver­nunft­grün­de lie­ßen mich doch ein wenig zau­dern. Ich erzäh­le Dir dar­an.

Duitse parachutisten landen in Nederland op 10 mei 1940
Deut­sche Fall­schirm­jä­ger lan­det in den Neder­lan­den, 10. Mai 1940, Dutch Natio­nal Archi­ves, The Hague, Foto­collec­tie Alge­me­en Neder­lands Pers­bu­reau (ANEFO), 1945–1989 beki­jk toegang 2.24.01.04 Best. 917‑7046, über Wiki­me­dia Com­mons, 04.2015.
Don­ners­tag­abend fand ich eine Vor­la­dung zur Unter­su­chung in P. für Frei­tag vor­mit­tag 9 Uhr. Das ging natür­lich nicht gut an. Ich mel­de­te mich nun für Mon­tags­vor­mit­tag. Und nun die gro­ße Heim­rei­se mit dem Rad. In die­sen Plan [h]atte ich mich so ver­bis­sen, daß ich das Rädel um 1 Uhr bestieg, obwohl es ein wenig näß­te. Am Anfang, im Tale, ging[‘]s ganz gut. Näs­ser und durch­er wur­de Dein [Roland]. Auf der Höhe gab es regel­rech­ten Regen und kräf­ti­gen Wind. Ich war nahe dar­an auf­zu­ge­ben. Und zwang es dann doch. ¾ 6 Uhr lang­te ich in K. an. Die Näs­se ver­lang­sam­te die Fahrt bedeu­tend. Wie ein Schwein kam ich an. Schu­he durch, als sei ich gelau­fen. Hosen durch und mit brau­nen Stra Strei­fen durch­zo­gen vom abfär­ben­den Regen­man­tel. Aber ich hat­te nun mei­nen Wil­len und fand hei­mi­sche Behag­lich­keit, die den Scha­den bald heil­te.

Okupace Prahy
Deut­sche Besat­zung Böh­mens, Prag, 15.03.1939
Ich tra­fe [sic] zu Hau­se alles wohl, auch Sieg­fried, unse­ren Sol­da­ten. 14 Tage hat er Urlaub. Am Pfingst­sonn­tag muß er wie­der rei­sen. Nun haben wir Hell­muth tele­fo­nisch für Sonn­tag ein­ge­la­den. Abend­brot. Ich habe mäch­tig zuge­langt. Und dann Erzäh­len und Bil­der­tau­schen. Sonn­tag­vor­mit­tag habe ich gebraucht, um mich wie­der instand­zu­se­hen. Am Nach­mit­tag erschie­nen auf 4 Stun­den Hell­muth und Elfrie­de. So kurz nur, Hell­muth hat­te kei­nen Urlaub. So waren wir tat­säch­lich wie­der ein­mal aus allen Win­den gesund bei­sam­men, und jeder emp­fand die Kost­bar­keit und Sel­ten­heit und Kür­ze und drän­gen­den Unrast die­ser weni­gen Stun­den. Als Hel­muth ein­trat in Uni­form, begann der klei­ne so sehr zu lachen und steck­te uns damit alle an, Hell­muth sieht in sei­ner Uni­form aus, als woll­te er eine Sol­da­ten­ko­mö­die spie­len.

Bundesarchiv Bild 146-2005-0003, Rotterdam, Zerstörungen
Ansicht nach der deut­schen Bom­bar­die­rung von 14. Mai 1940, Rot­ter­dam, DBa, Bild 146‑2005-0003 / CC-BY-SA, über Wiki­me­dia Com­mons, 04.2015.
Na, nun wur­de erzählt und gefragt, erst bei Kaf­fee und Kuchen, dann bei einer guten Wald­mei­s­ter­bow­le, und dabei ist selbst­re­dend auch Eurer gedacht wor­den, und Dei­ner, und uns[e]res fes­tes [sic], Du!  Aber das kann ich Dir jetzt nicht alles schrei­ben. Ich möch­te die­se Zei­len jetzt gern noch zur Post geben. Bis 5 Uhr habe ich heu­te Unter­richt gehal­ten, weil ich am Vor­mit­tag zur Unter­su­chung war. Von K. bin ich heu­te früh nach P. gefah­ren. Die Unter­su­chung war kurz, ober­fläch­lich und ganz harm­los, erstreck­te sich nur auf die edlen Orga­ne. Hät­te auch dem Fräu­lein Dok­tor (!) das and[e]re nicht gezeigt. Zu Hau­se ange­kom­men fand ich Euren Eil­bo­ten vor. Vie­len Dank. Seid alle herz­lich gegrüßt.

Dich aber, Herz­al­ler­liebs­te, behü­te Gott! Blei­be froh und gesund. Bald darf ich zu Dir. Das bes­te gelt die Arbeit, die noch zu erle­di­gen ist. Herz­al­ler­liebs­te, Du mei­ne lie­be [Hil­de]!

Du bist mein! Ich bin Dein!

Ich lie­be dich von gan­zen Her­zen!

T&SavatarsmDein [Roland].

2 Antworten auf „6. Mai 1940“

  1. W ie kost­bar die weni­gen Stun­den des Zusam­men­tref­fens waren, weiß ich auch noch. 2X kam mein Vater Hei­lig­abend in Uni­form erst zum Abend. Mei­ne Mut­ter fuhr manch­mal dahin, wo Vater sta­tio­niert war. Es konn­te ja jedes­mal das letz­te Wie­der­se­hen sein !(Von der Insel Use­dom nach Wien. )

  2. Wir fin­den es erschre­ckend wie Roland sich dar­auf freut in den Krieg zu zie­hen. Es ist für ihn gar kei­ne Über­win­dung und er geht anschei­nend mit gutem Gefühl an die Front. Man kann lesen, dass die Sol­da­ten nur kör­per­lich unter­sucht wer­den. Einen psy­chi­schen Test muss nie­mamd bestehen.

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