25. April 1940

1940 Bombing of Voss, 02
Der Bom­ben­ab­wurf auf Voss, Nor­we­gen. April 1940. Bild: Harald Øde­gaard, über Wiki­me­dia Com­mons, 04.2015.
[400425–1‑1]

S. am 23. April 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Das ist jetzt ein Wett­lau­fen des Früh­lings!  Nun hat der S.er Früh­ling den O.er bestimmt über­holt, er hat es ja auch leich­ter in die­ser Lage.  Die Wei­den sind schon rich­tig grün, und aus den Wäl­dern wollt es gelb­grün von zar­ten Schlei­er der Bir­ken.  Du!  Sol­che Tage, sol­ches Wet­ter magst Dir für Dei­ne Feri­en bestel­len!

Und sol­che Aben­de, an der Elbe ent­lang­zu­schlen­dern oder vom Bal­kon oder von der Gar­ten­bank mit Dir zu lau­schen und zu plau­dern, Liebs­te Du!  Soviel Süßig­keit ist (uns[e]rer) [^]uns jetzt zuge­dacht, Du!  Soviel sorg­lo­se, unbe­schwer­te Hei­ter­keit!  Liebs­te, Du!  Kei­ne Stun­de mag ich davon ver­schen­ken, kei­nen Tag möch­te ich mir ent­ge­hen las­sen, der mich mit Dir zusam­men­führt!Vom Schim­mer einer lei­sen Weh­mut ver­klärt [e]mpfand ich ges­tern noch ein­mal die gan­ze Süße unse­res Tages.  Ein Tag ist so wenig.  Frau U. steht hin­ter allem und nötigt zur Eile, der Abschied wird mit jeder Stun­de auf­dring­li­cher.  Ich seh­ne mich so, wie­der ein­mal meh­re­re Tage mit Dir zu sein!  Du!  Wenigs­tens einen Tag ohne den Gedan­ken an den Abschied!  Herz­al­ler­liebs­te, Du!  Will’s Gott, bin ich in 8 Tagen um die­se Zeit bei Dir, und wir haben einen gan­zen frei­en Tag vor uns!  Was könn­te ich sehn­li­cher her­bei­wün­schen?  Wonach könn­te ich lie­ber aus­schau­en?  Herz­lie­bes Du!  Süße, Fei­ne!  Ich lie­be Dich so sehr!

Ich küs­se Dich!  Gut Nacht, Du! Träum’ süß

von Dei­nem [Roland].

Herz­al­ler­liebs­te Du!  Kannst Du mich sehen?  Vom Mit­tags­schläf­chen bin ich eben auf­ge­stan­den.  Ich hätt es gern mit Dir gehal­ten.  Und Du mußt sit­zen und nähen bei der Hit­ze!  Nicht lan­ge mehr, Liebs­te!  Wenn Du nur erst bei mir bist!

Hofgeismar-Sababurg
Dorn­rös­chen­schloss Saba­burg, April 2007. Bild: Wogner, über Wiki­me­dia Com­mons, 04.2015.
Eben hat Frau S. von Dir gespro­chen, hat gefragt, [^]wann wie [sic] Du kom­men willst und gere­det, wie wir Dich unter­brin­gen, ganz im Guten.  Wir brin­gen Dich schon unter in unse­rem Elb­schlöß­chen!  Ach Du, wir brau­chen gar nicht viel Platz, um glück­lich zu sein, und je enger und trau­ter und stil­ler es ist wie Dein Käm­mer­lein, das Dorn­rös­chen­schloß, des­to lie­ber ist es uns.  Du bist mein lie­bes Dorn­rös­chen, hörst Du?  Ganz hoch oben im Eck­türm­schen, 18II.  Und dorn­be­wehrt ist Dein Schloß.  Aber wenn ich kom­me, dann tun sie sich aus­ein­an­der, dann ver­wan­deln sie sich in Son­nen­blu­men mit gro­ßen leuch­ten­den Blü­ten und einem dich­ten Blät­ter­schirm.  Du, dar­auf bin ich so stolz, und daß ich der ein­zi­ge bin, das ist mir Glück und Hei­mat und Zuflucht, Herz­al­ler­liebs­te!  Und ich mag ja nur noch nach ihn hin­se­hen, nur nach ihn noch ver­lan­gen, mei­nem lie­ben Dorn­rös­chen, und wie es nur mir blüht, so schen­ke ich ihm allein mei­ne gan­ze Lie­be, mei­ne gan­ze Treue und mag nur ihm die­nen.  Wenn es nicht so wäre, hät­ten wir uns nicht lieb. Daß wir ein­an­der ganz allein gehö­ren, so aus­schließ­lich, das ist unser Käm­mer­lein, unser Nest, der Schrein uns[e]rer Lie­be, unser Heim, unser Glück.  Und es ver­langt uns nun bei­de, die­ses Heim sicht­bar zu gestal­ten.  Ich kom­me mir vor wie ver­borgt, wie ein Stroh­wit­wer, wie auf Rei­ten; denn ich gehö­re doch zu Dir! Gefan­gen bin ich nun von Dir, und wür­de doch die Frei­heit nicht erbit­ten, selbst wenn ich könn­te.  Denn eine neue Frei­heit wur­de mir geschenkt:  die Ban­de um mein Herz wur­den gelöst, ich darf ver­trau­en, ich darf lie­ben!

Gott behü­te Dich mir!  Blei­be froh und gesund.

Du mein Ein und Alles, Herz­al­ler­liebs­te Du!  Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Ich bin so glück­lich und lie­be Dich so sehr!T&Savatarsm

Dein [Roland].

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3 Antworten auf „25. April 1940“

  1. Roland beginnt die­sen Brief, wie viel ande­re Brie­fe an Hil­de, mit “Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be (Hil­de)!”, wodurch der Ein­druck einer bestimm­ten lie­be­vol­len Rou­ti­ne ent­steht. In die­sem Brief spricht Roland in poe­ti­schen Wor­ten von auf­kei­men­den Früh­lings­füh­len und lässt immer wie­der sei­ne bun­te Phan­ta­sie durch­bli­cken. Er schreibt vom bal­di­gen dau­er­haf­ten Zusam­men­sein mir Hil­de ( geplan­te Hei­rat Som­mer 1940), das er kaum erwar­ten kann, und von sei­ner über­gro­ßen Lie­be zu ihr, die von ihr erwi­dert wird. Auch davon, dass er nicht mehr ohne sie sein will und kann. Roland und Hil­de besu­chen sich zwar gegen­sei­tig, meist sind ihre Tref­fen jedoch auf einen Tag beschränkt, da Roland als Leh­rer nur am Sonn­tag schul­frei hat. Mit Wor­ten wie “Elb­schöß­chen”, “Dorn­rös­chen”, oder “Eck­türm­chen” spielt er auf ihre Lie­bes­be­zie­hung an, die jedoch aus kon­ven­tio­nel­len Grün­den erst mit der Hei­rat öffent­lich gelebt wer­den darf. Zwei Zim­mer hat Roland in einem Haus am Elb­ufer gemie­tet. Besucht Hil­de ihn, wird ihr von sei­ner Ver­mie­te­rin jedoch ali­bi­hal­ber ein extra ” Käm­mer­lein” (Zim­mer) zuge­wie­sen, was sich aus dem Satz: “Eben hat Frau S. von Dir gesprochen.….…..wie wir Dir unter­brin­gen, ganz im Guten. ” erschließt.

  2. Its so sho­cking that they wri­te about walks and how beau­ti­ful it is at that time of the year, about sweets and stuff like that, while the neig­bo­ring coun­try is being bom­bed and a who­le city is being des­troy­ed. I also dont under­stand how someo­ne can be proud of con­que­ring Cen­tral Euro­pe.

  3. Die­ser Brief beginnt sehr ähn­lich wie alle sei­ne Brie­fe an Hil­de.
    Eigent­lich wie bei jedem Brief der von Roland kommt, der Kreis­lauf der Brief Lie­be. Roland schwärmt schon davon sei­ne Hil­de wie­der zuse­hen. Außer­dem freut er sich auch schon extremst auf den Früh­ling.
    Er schwärmt von dem ewi­gen zusam­men Leben mit Hil­de, den Kin­dern die sie haben wer­den und der neu­en Küche. Es scheint so als ob die bei­den beden­ken wegen der Hoch­zeit haben. Hil­de ist ja aus der “working­class” Roland aus der “midd­le­class”. Auch das zusam­men Leben wird einen gro­ßen Schock in dem Deut­schen Reich geben.…..

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