20. März 1940

[400320–1‑1]

S. am 20. März 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Bist doch wie­der ein Schä­fel, wie kannst Du Dich so ängs­ten [sic]! Als ich Dir schrieb, war doch schon wie­der alles vor­bei, fuhr doch der Fähr­damp­fer schon wie­der, ich habe doch mei­nen Brief schnell dahin gebracht. Schnell wie es kam, ist das Was­ser gefal­len. Gro­ßen Scha­den hat es ange­rich­tet in S., in W.. Ersau­fen? Ersau­fen konn­te man im eige­nen Kel­ler. Aber sonst war von Lebens­ge­fahr kei­ne Rede. Die Schul­tü­ren haben sich zuge­tan heu­te mit­tag. Herz­al­ler­liebs­te! Die Haupt­ar­beit ist getan, und mor­gen um die­se Stun­de sehe ich den Weg frei für unse­re Tage! Zwei­mal habe ich ein paar Nacht­stun­den dran­ge­setzt, Mon­tag­abend und ges­tern abend. Mor­gen habe ich noch eine Anzahl Gän­ge zu besor­gen und dann will ich rüs­ten für unser Stell­dich­ein. Wenn alles nach Wunsch geht, wer­den wir seit lan­gem wie­der ein­mal in den Mor­gen­stun­den auf dem Haupt­bahn­hof uns tref­fen, wie in der Zeit, das wir ver­liebt waren, Du! Du! Herz­lie­bes! Sind wir es nicht noch immer? Sind wir es nicht noch schlim­mer? Wer­den wir es denn nicht immer sein?

12 XI 1939 Borme La Chambre Daladier
Minis­ter­pre­si­dent Edouard Dala­di­er begrü­ßen die Staf­fel des Roten Teu­fels, 12.11.1939. Am 18.03.1940 trat er zurück. 03.2015.
So, jetzt gebe ich Aus­kunft! Paß auf, Schä­fel! Ich wer­de […] in Dres­den sein. Du kannst in Chem­nitz abfah­ren […], kos­tet aber unnö­tig Zuschlag und der Zug ist viel­leicht recht voll. Aber du kannst es ja ver­su­chen, dann kammst Du [..] im Haupt­bahn­hof an. Ander[e]nfall’s fährst Du mit dem Per­so­nen­zug Chem­nitz ab [..], Dres­den an […]. Zu bei­den Zügen mußt Du in O. […]  abfah­ren. Laß Dich nicht zu sehr drü­cken auf der Bahn, laß Dich auch nicht abwei­sen! Wenn wir nur erst in Dres­den sind, wenn wir nur erst bei­sam­men sind, dann wol­len wir uns schon einen Weg bah­nen. Und weißt, wenn sie uns nicht fah­ren las­sen, kom­me ich zu Dir auf dem Rad! Ich woll­te aber hin­ein­tre­ten, es wäre mir eine Freu­de! Wir las­sen unser Glück nicht stö­ren. Aber dann wäre das ers­te, ein­mal in die Wan­ne! Es wird höchs­te Zeit. Hier kann ich nicht baden, weil es kei­ne Koh­len gibt. Ach Liebs­te, ich höre nun auf. Ich möch­te noch man­cher­lei schwat­zen und es lie­fe doch alles dar­auf hin­aus, daß ich mich so freue. Zwei­spän­nig wol­len wir in K. ein­tref­fen, wie es sich für uns schickt. Zu Hau­se wer­de ich wie­der ein­mal sein, und dies­mal ganz[,] ganz zu Hau­se, Herz­lie­bes! Mit Dir bum­meln, mit Dir froh sein und erle­ben, Musik hören und musi­zie­ren, an dei­ner Sei­te sit­zen, ganz brav, Du! Und wenn die Eltern müde sind, dann wer­den die Braut­leu­te erst mun­ter und hören noch ein bis­sel Radio, und brau­chen gar nicht viel Wor­te — und sind doch so glück­lich!

Hell­muth hat sich wie­der legen müs­sen wegen einer Man­del­ent­zün­dung. Ich glau­be kaum, daß er zu Ostern schon her­aus darf. Sehr mög­lich, daß wir uns ein­mal nach B. auf­ma­chen, um ihn zu besu­chen. Aber komm nur erst ein­mal! Wo wir dann auch sind, das ist so gleich. Und ein paar Stun­den wer­den sein, die wir nicht zäh­len, die ganz uns gehö­ren, Du! Du!

Nun behüt Dich Gott! Sei wie­der ganz froh und getrost. Rei­se glück­lich! Grü­ße Dei­ne lie­ben Eltern.

Auszug aus dem Brief, mit Fehler
Aus­zug aus dem Brief, mit Feh­ler

Du lLiebs­te, ich will Dich recht bald wie­der sehen, will in dei­nen Augen lesen, wie Duch mich liebst, will Dir zei­gen, wie ich Dich liebs­te [sic]. Komm Liebs­te! Herz­al­ler­liebs­te! Laß Dich kaüssen, laß Dich her­zen! Ich lie­be Dich so sehr! Du!

Dein [Roland].

Siehst Du, 4 mal habe ich mich ver­schrie­ben in die­sem Schluß. Aber den vier­ten laß ich gleich ste­hen, der ist rich­tig.

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