Trug und Schein: Ein Briefwechsel

07. Februar 1940

[400207–1‑1]

S. am 5. Febru­ar 1940.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Vor mir lie­gen 2 Stö­ße Hef­te, dazu noch etli­che ande­re Arbeit. Aber ich mag sie noch nicht anfas­sen. Mei­ne Gedan­ken sind noch um Dich. Ich mag sie nicht stö­ren. So kurz uns[e]re Begeg­nun­gen jetzt sein müs­sen, möch­te man sich sagen, es ist scha­de um die Mühe, um das Geld. Aber dem ist nicht so. Jede uns[e]rer Begeg­nun­gen ist eine not­wen­di­ge Sta­ti­on auf unse­rem gemein­sa­men Weg. Das wird ganz deut­lich, wenn ich an die gest­ri­ge den­ke. Herz­lie­bes, ich bin so froh, daß ich bei Dir war, Du! So deut­lich wie noch nie reg­te sich ges­tern beim Abschied der Wunsch, mit Dir nicht nur zu fei­ern und zu genie­ßen, son­dern auch zu bau­en und zu stre­ben. In uns[e]rer Unter­hal­tung brauch­test Du ein schreck­li­ches Wort, das aber dafür im Schwan­ge ist: Er hat sie schon gebraucht. Herz­al­ler­liebs­te, Du! Die­ses schlim­me Wort soll für auf [sic] uns nie­mals pas­sen dür­fen. Uns[e]re lie­be ist kei­ne Sonn­tags­lie­be, wenn es für den Außen­ste­hen­den auch so schei­nen muß. Wir wol­len, daß sie mehr ist; sie ist es auch. Und so ward mir so deut­lich bewußt, daß ich Dich ver­las­sen muß­te, allein las­sen im grau­en, schwe­ren All­tag, daß ich Dir nicht zei­gen kann, daß ich Dir treu bin, daß ich Dich nicht nur Lie­be, wenn du mich beschenkst. Es gilt ja auch für die Lie­be: rei­cher und köst­li­cher wird sie durch die Mühen, die Opfer, die Über­win­dun­gen, die sie uns kos­tet. Herz­al­ler­lie­bes, deren grö­ße­ren Teil trugst Du bis­her. Weh­re nicht ab! Ich sehe es ganz deut­lich. Die Lie­be fängt so an, weil des Wei­bes Lie­be sich anders äußert. Die Über­win­dun­gen auf Man­nes Sei­te gel­ten der Treue. Man­nes Lie­be äußert sich in der Treue, sie kann sich erst im All­tag bewäh­ren. Herz­al­ler­liebs­te! Ich möch­te Dich die­ser Lie­be so gern ver­si­chern, damit Du ganz glück­lich bist und weißt, daß Du dei­ne rei­che Lie­be nicht an einen Unwür­di­gen ver­schenkst. Aber wir wol­len nicht rech­nen mit uns[e]rer Lie­be. Ich möch­te Dir ja nur sagen, daß ich Dich Lie­be, daß ich so glück­lich bin, Dich zu besit­zen, Herz­al­ler­liebs­te, Du, ich kann es doch noch gar nicht fas­sen, daß alles mir gehö­ren soll. Es möch­ten Dich viel­leicht vie­le ande­re Lieb­ge­win­nen; aber dar­an will ich ihnen allen über sein: Was Du mir bist, das wür­dest Du kei­nem ande­ren wie­der sein, soviel wür­dest Du kei­nem ande­ren gel­ten, so glück­lich und voll inne­rer Freu­de wür­de Dich kein and[e]rer umfan­gen.

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Gus­tav Knuth und Zarah Lean­der, Das Lied der Wüs­te, Deutsch­land 1939, Spiel­film. Quel­le: filmportal.de, 02.2015.

Ach Liebs­te, wenn ich mein Geschrie­be­nes durch­le­se, gefällt es mir nicht, es ist so unge­reimt, es geht durch­ein­an­der, aber ich mag es nicht durch­strei­chen, ich schi­cke es Dir so. Ich bin noch ein wenig durch­ein­an­der vom Sonn­tag, Du, mein Herz­lieb! Ich glau­be, Du bist nicht ganz unschul­dig dabei. Ich seh­ne mich nach Dir, Du!

Es ist schon wie­der Mitt­woch. Die Stra­ße ist so weich. Ich habe den Gang nach S. abge­setzt vom Pro­gramm, es ist nicht so nötig heu­te. Wahr­schein­lich wer­de ich Sonn­tag doch nach Hau­se fah­ren, 1) um ein­mal nach dem Möbel­stoff aus­zu­schau­en, 2) um freie Hand für unse­ren Sonnabend/Sonntag zu behal­ten.

Bit­te bestel­le den lie­ben Eltern herz­li­chen Gruß und Dank.

Hof­fent­lich müßt ihr nicht frie­ren.

Nun; Herz­lie­bes, behüt Dich Gott!

Ich bin so froh und guten Mutes und gar über­mü­tig, wenn ich Dei­ner den­ke, Du! Die Kin­der wis­sen nicht, war­um. Sei auch Du froh und gewiß, daß ich Dich lie­be von gan­zem Her­zen, daß ich ganz Dein bin, Herz­lie­bes, Du!T&Savatarsm

Dein [Roland]

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07. Febru­ar 1940

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