31. Januar 1940

Fotothek df tg 0008056 Ständebuch ^ Mediziner ^ Arzt
Georg Rab, Der Dok­tor, 1568, gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 01.2015.
[400131–2-1]

O., am 31 Janu­ar 1940

Herz­al­ler­liebs­ter, mein lie­ber, lie­ber, [Roland], Du!

Du hast mir ja heu­te so gro­ße Freu­de berei­tet, mit Dei­nem so lie­ben Brief! Es kam mir ganz uner­war­tet, und ich bin so froh und glück­lich über das, was Du mir schreibst. Du, ich dan­ke Dir!

Damit Du, Lie­ber ganz ohne Sor­ge sein sollst, will ich Dir gleich heu­te noch ein Zei­chen geben.

Ich habe dir doch wohl nicht recht dum­mes Zeug geschrie­ben am Sonn­tag?, ich muß ein wenig Fie­ber gehabt haben — das fühl­te ich erst am ander[e]n Tag deut­lich, als ich wie­der ganz klar war im Kop­fe — ich war so ruhe­los und durch­ein­an­der und ich hät­te kön­nen kein Auge zu tun, wenn ich nicht den Brief an Dich fer­tig geschrie­ben haben wür­de. Am Mon­tag­mor­gen war ich zwar noch matt, doch frei im Kopf — ich bin immer in’s Geschäft gegan­gen, nichts ist mir ver­haß­ter, als die Lau­fe­rei zur Kran­ken­kas­se und gera­de jetzt zum Arzt. Man darf sich auch nicht gleich wer­fen las­sen; glaubst Du, daß ich durch das Lie­gen erst ganz benom­men wer­de? Und mir war in der Haupt­sa­che dar­um zu tun, daß Mut­ter nischtsic] merkt. Sie hat immer gleich dop­pelt Angst um mich und ich halt nun mal nicht ger­ne stil­le.

Nun, mein Lieb, sollst Du wis­sen, daß ich soweit wie­der ganz kern­ge­sund und mun­ter bin. Das ein­zi­ge noch: ein bis­sel Hus­ten und — das sagen die ander[e]n — sehr blaß; na, das wird auch wie­der, darf nur jemand mal etwas Dum­mes sagen, schon bin ich ganz rot! Du weißt ja nicht, wie viel Kraft und Ener­gie das beglü­cken­de Bewußt­sein ver­leiht: Ein gelieb­ter Mensch denkt dei­ner, er bangt um dich und er hofft so sehr, daß er dir beim Wie­der­se­hen froh in die Augen sehen darf, froh, daß du gesund bist. Ach Du! Ich kann doch so stark sein für Dich.

Du betest für mich. Liebs­ter! Ich dan­ke Dir.

Eines ließ mich dann auch mei­ne Anfäl­lig­keit ganz ver­ges­sen. Gerstern mit­tag ist Mut­ter auf dem Weg nach Hau­se gestürzt. Infol­ge Schnee­glät­te. Uhl’s [sic] haben sie zum Arzt gefah­ren, sie kann gar­nicht gehen, gebro­chen hat sie nichts, aber der gan­ze Ober­schen­kel ist rot und blau unter­lau­fen. Der Arm u. die Sei­te schmer­zen auch — wird wohl ein tüch­ti­ger Blut­erguß sein. Mor­gen muß sie nach L. in’s Kran­ken­haus zur gründ­li­chen Unter­su­chung, die­ser Arzt ist zustän­dig für Unfäl[le.] Gro­ße Beden­ken brau­chen wir nicht zu haben, mir tut sie nur so leid weil es so schmerzt, sie kann nicht sit­zen u. nicht rich­tig lie­gen. Und Du weißt doch auch, daß sie kei­ne Ruhe hat, nun kra­xelt sie nun [sic] so rum­her und steht immer auf einem Bein. Wir sind nur froh, daß alles soweit gut abge­lau­fen ist, sie macht Umschlä­ge und wird nun schon noch Anwei­sun­gen bekom­men. Also bit­te, mach Dir kei­ne Sor­gen Liebs­ter! Wir sind trotz allem ein paar kreuz­fi­de­le Inva­li­den, komm, Du!, über­zeu­ge Dich auch selbst, Du bist uns allen recht herz­lich will­kom­men. Jetzt schrei­be ich noch Dei­nen Lie­ben. Und nun, Herz­al­ler­liebs­ter? Kannst Du Dir wohl den­ken, wie sehr ich mich auf Dich freue? Daß Du wirk­lich schon so bald ganz bei mir bist? Du, liebs­ter [Roland]! Ich lie­be Dich!T&Savatarsm

Ich bin ganz Dei­ne [Hil­de].

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