13. Januar 1940

Messerschmitt 108 Taifun 01 (4818333970)
Mes­ser­schmitt 108 Tai­fun 01, 17. Juli 2010. Eines mach­te eine Not­lan­dung am 10. Janu­ar 1940 in Bel­gi­en. Bild: Ron­nie Mac­do­nald, über Wiki­me­dia Com­mons, 01.2015.
[400113–1‑1]

S. am 13. Janu­ar 1940.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Der Dienst ist aus. Es winkt ein frei­er Tag. Man atmet auf, hebt den Kopf und fühlt sich frei­er. Der Zwang scheint gewi­chen. Mög­lich­kei­ten tun sich auf, eine klei­ne Rei­se? eine Thea­ter­fahrt? ein Aben­teu­er? Wün­sche und Träu­me mel­den sich.— Was denkst Du jetzt, Herz­lie­bes? Ach Du! So ist es mir vie­le Sonn­aben­de ergan­gen und an den Tagen, da die Feri­en began­nen. Es ist etwas Reiz­vol­les, Mär­chen­haf­tes an die­sem Glück­träu­men. Viel gute Vor­sät­ze und Gedan­ken haben dar­in ihren Ursprung, viel Idea­le. So ist es mir zumal ergan­gen, als ich so weit von Hau­se war, in O., Du! Und es blieb doch bei dem Glück­träu­men. Und am Sonn­tag­abend, kaum ein­mal nach 7 Uhr, kehr­te er [b]rav zurück, der Aus­rei­ßer. Und das Sonn­tags­er­leb­nis war kein Luft­schloß, es hat­te rück­bli­ckend Hand und Fuß. Aber es lag ein Glanz dar­auf, der die Schrit­te des Wochen­ta­ges beflü­gel­te. Und der Glanz kam von eben die­sem Träu­men, zu dem der Grün­fel­der Park, oder das Mul­den­tal, oder das Opern­haus nur den Hin­ter­grund abga­ben. Also das Beglü­cken­de und Berei­chern­de an einem Erleb­nis geht zu einem guten Teil von uns selbst aus, von unse­rem Zutun. Wie eigen es mich berührt, wenn ich nun all die Wege wie­der­ge­he, womög­lich an dei­ner Sei­te. Herz­lie­bes! So nahe war das Glück! So nahe waren wir ein­an­der! Denk Dir aus, wenn wir uns schon in O. gefun­den hät­ten.— Und nun heu­te, zum Wochen­en­de, wel­chen Wunsch ich nun habe, wel­ches Aben­teu­er ich nun bestehen möch­te? Das möch­test Du nun wis­sen. Zu Aben­teu­ern bin ich nicht geschaf­fen, das weißt Du. Und mein Wunsch? Ein gro­ßes Rin­gel möch­te ich gehen und Dich an mei­ner Sei­te füh­len. Du! Du! Mein Glück! Mein Glück bist Du! Glaubst Du das?

Ein Glück auch, von dem man noch Träu­men kann, nach dem man sich noch seh­nen kann? Wo ich es doch besit­ze? Wo ich Dich doch schon in Armen hielt und Dir ganz nahe war?

Herz­al­ler­liebs­te! Den­noch mein Glück, den­noch! Kein Rausch nur. Kein Genuß nur, der schal wird. Kein Kleid, das sein Anse­hen ver­liert. Nein, ein Haus, das uns lie­ber wird, je län­ger wir dar­in woh­nen, je mehr wir hin­ein­bau­en, je mehr wir es ein­rich­ten nach unse­rem Sinn, je mehr es ein eige­nes Gesicht erhält. Ein rich­ti­ges, ech­tes Glück, an dem sich nicht nur die gro­ben Äste der Sin­nen­lust, son­dern auch die fei­nen Fasern zar­ter Geheim­nis­se und Sehnsüch[te] innigs­ten Ver­ste­hens und herz­lichs­ter Zunei­gung empor­ran­ken kön­nen. Du! Das bist Du mir! Herz­al­ler­liebs­te! Von die­sem Glück will ich träu­men, heu­te und mor­gen. Viel­leicht gehe ich mor­gen nach L..

Die Zeit drängt. Ich muß den Brief zum Kas­ten brin­gen. Gott behü­te Dich! Herz­lie­bes! Er seg­ne unser[e]n Bund.

Ich lie­be Dich! Du! Du!

T&SavatarsmDein [Roland].

Will[‘]s Gott, sehen wir uns am Sonn­abend-Sonn­tag.

 

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