13. September 1939

Bundesarchiv Bild 183-S52911, Polen, Blick aus Bugkanzel einer He 111.jpg
“Auf­trag erfüllt-Brü­cke zer­stört!” Blick aus Bug­kan­zel einer He 111, Polen, Foto: Stemp­ka, DBa Bild 183-S52911, Lizen­ziert unter CC-BY-SA‑3.0‑de über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014. Am 13. Sep­tem­ber 1939 wur­de Fram­pol, nähe Lub­lin, eine mili­tä­risch unwich­ti­ges Stadt, von dem deut­schen Luft­waf­fe bom­ba­diert und fast völ­lig zer­stört.

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O., am 13. Sep­tem­ber 1939.

Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Heu­te ist der 13.‘ — so dach­te ich beim Auf­ste­hen am Mor­gen, und rich­tig, ¾ 9 konn­te ich Dei­nen Boten in Emp­fang neh­men. Ich begeg­ne immer unser[e]m Brief­trä­ger (Herrn Pes­ter, aus der Sing­stun­de) und er lacht schon von wei­tem, wenn er mich kom­men sieht. Und nun erst allem ander[e]n vor­an: Ich leug­ne nicht, daß ich nicht ent­täuscht gewe­sen bin am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de — aber Dir dar­um böse? Nein, Du! Das war ich nicht. Du hast mir nichts abzu­bit­ten. Es muß­te sich wohl so fügen, wir sind bei­de über die Tage hin­weg­ge­kom­men — nun sind sie vor­über und bit­te, lie­ber [Roland], wir wol­len nicht wie­der dar­über spre­chen.

Ich freue mich, daß Du Dich zu Hau­se wie­der­ge­fun­den hast, daß Du nun leich­ter und fro­her wie­der an Dein Schaf­fen gingst. Ach Liebs­ter! Du mußt gar so viel allein sein. Gebe Gott, daß wir uns mit dem Anbruch des nächs­ten Jah­res fro­her und hoff­nungs­vol­ler fin­den, im Hin­blick auf unser leuch­ten­des Ziel, als jetzt in die­sen Tagen. Wenn uns auch jetzt die rech­te Freu­de genom­men ist, am heim­li­chen Plä­ne­schmie­den, so dür­fen wir aber bei­de nicht ver­za­gen und klein­gläu­big wer­den; sieh, wir sind ja noch so jung und stark und unser Glau­be an den, der alle­zeit seg­nend über uns wach­te, wird uns Mut und Fes­tig­keit ver­lei­hen alle kom­men­de Not zu über­win­den. Und die nie ver­sie­gen­de Lie­be zuein­an­der wird uns Kraft geben, unser Glück zu errin­gen.

Dem Führer - die Jugend, Postkarte, 1939, Lithographie, 15 x 10,5 cm, DHM, Berlin, 09.2014  Do 53/34.9
Dem Füh­rer — die Jugend, Post­kar­te, 1939, Litho­gra­phie, 15 x 10,5 cm, DHM, Ber­lin, 09.2014
Do 53/34.9

Sieg um Sieg reiht sich anein­an­der, ich bin stolz auf uns[e]re Wehr­macht. Doch kein Sieg ohne Ver­lus­te. Wann wird es ein Ende haben? An man­chen Tagen dür­fen wir so zuver­sicht­lich sein — dann wie­der muß ich den­ken: das größ­te Rin­gen wird wohl erst begin­nen. Eines aber steht fest, wenn Dich das Vater­land ruft —dann hält mich nichts mehr zurück in die­ser Fabrik. Wenn ich Dich drau­ßen wüß­te, ein­satz­be­reit zum Letz­ten, und ich soll­te wohl­be­hü­tet daheim sit­zen, der Din­ge har­ren, die da kom­men? Das könn­te ich nicht, und wenn ich mich mit Gewalt zum ers­ten Male Dei­nem und der Eltern Wil­len wider­set­zen müß­te. — Und nun wirst Du wohl run­de Augen machen: Ich habe ges­tern Sieg­fried einen Brief geschrie­ben! Ich den­ke, daß er sich ein wenig freut dar­über. Ges­tern auch teil­te mir Dein Vater sei­ne Anschrift mit: Bad Gott­leu­ba, Res. Laza­rett 164. Ich hat­te ges­tern über­haupt eine aus­ge­dehn­te Kor­re­spon­denz, nach B. und nach Hohen­bocka schick­te ich je eine Brief­kar­te. Vori­ge Woche besuch­te mich, Ilse W.s Mut­ter. Jetzt will ich Dir noch mei­ne Ankunft für Sonn­abend mit­tei­len, dann set­ze ich einen ener­gi­schen Punkt hin­ter die Schrei­be­rei die­ser Woche. Län­ger hal­te ich nun die schrift­li­chen Abma­chun­gen mei­nem Adres­san­ten gegen­über nicht aus, Du! Es bestehen nur 2 Mög­lich­kei­ten. Ent­we­der fah­re ich […] E ab Chem­nitz und bin plan­mä­ßig […] in Dres­den — wenn mir der ‚Gnä­di­ge‘ 1 Stun­de schenkt. Oder der nächs­te ab Chem­nitz […] D, Dres­den an […] bes­ser geht’s bei den heu­ti­gen Zustän­den nicht. Also, Liebs­ter Du! Es beißt die Maus kei­nen Faden ab: Wir müs­sen war­ten auf­ein­an­der u. das tun wir am alt­be­kann­ten Plat­ze, hoch oben auf dem Bal­kon, ja? Gebe Gott, daß alles gut geht. Die Geburts­tags­ge­schen­ke habe ich auch schon bei mir. Nun bleib recht schön gesund! Behü­te Dich Gott!

Ob ich gro­ße Sehn­sucht habe? Das will ich nie­man­dem ver­ra­ten.

T&SavatarsmIch lie­be dich! Du mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Dei­ne [Hil­de].

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