09. September 1939

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Rat­haus Wit­ten­berg, Sach­sen-Anhalt, Foto: Micha­el San­der, Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2014

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K. am 9. Sep­tem­ber 1939.

Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Über B. bin ich am Mitt­woch nach K. gefah­ren. 2 Stun­den habe ich beim Bru­der Ein­kehr gehal­ten. Im fins­te­ren Abteil bin ich dann ½8 Uhr durch das K.er Land gefah­ren. Am Don­ners­tag­mor­gen begab ich mich zum Rat­haus, um nach einer Arbeit zu fra­gen. Man behielt mich gleich dort. 2 Tage habe ich so wie Du Dienst getan und still­sit­zen müs­sen, habe Gewer­be­steu­erbeschei­de geschrie­ben und Steu­ern für die katho­li­sche Kir­che aus­ge­rech­net. Der Tag ver­ging dar­über sehr schnell. 2 Gefah­ren solch sit­zen­der Lebens­wei­se habe ich schon in die­sen bei­den Tagen erkannt: Leicht kann man sich erkäl­ten und leicht ver­dirbt man sich die Hal­tung. Weil nun am Mon­tag der Unter­richt wie­der begin­nen soll, ist mei­ne Gast­rol­le schon zu Ende.

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Halb­ket­ten­fahr­zeu­ge, Często­chowa, Polen, wo deut­sche Sol­da­ten 04.09.1939 über 1000 pol­ni­sche und jüdi­sche Zivi­lis­ten ermor­det haben. Foto: Grei­ner, DBa Bild 101I-380‑0086-27, Lizen­ziert unter CC-BY-SA‑3.0‑de über Wiki­me­dia Com­mons. 09.2014

Herz­al­ler­liebs­te! Viel­leicht hast Du unge­dul­dig auf Wei­sun­gen gewar­tet, viel­leicht noch unge­dul­di­ger auf mei­nen Besuch. Ich habe geschwankt. Begön­ne am Mon­tag der Unter­richt nicht, wäre ich nach O. gekom­men. Daß Du jetzt soviel reist, möch­te ich nicht. So es Gott gefällt, wol­len wir uns am Sonn­abend und Sonn­tag, 16. 17. Sep­tem­ber, in K. zusam­men­fin­den. Hell­muth und Elfrie­de wol­len auch erschei­nen. Wir wür­den uns in Dres­den tref­fen (die Fahr­zei­ten tei­le ich Dir noch mit) und dann gemein­sam her­aus­fah­ren. Brauchst Du aber unser[e]n Halt und Bei­stand schon eher. dann mach Dich eben los und komm zu mir oder fah­re nach K. zu mei­ner Mut­ter! Ich habe den Zusam­men­halt in die­sen Tagen wie­der segens­reich emp­fun­den. Hal­tet mir Ihr auch gut zusam­men! Laß Dich nicht irre und zwei­feln machen von dem Gere­de der Men­schen. Was auch kom­men mag, wir wol­len glau­ben, daß Gott uns führt und mit uns ist, und wir dür­fen es glau­ben: er hat unse­ren Weg bis­her sicht­bar geseg­net, er hat uns zusam­men­ge­führt, er hat Dich mir geschenkt, und Got­tes Wege kön­nen gar wun­der­bar und selt­sam sein, er weiß auch noch einen Weg, wenn alle Men­schen rat­los sind. Vor einer Stun­de erhiel­ten wir Nach­richt von unse­rem Sieg­fried. Er liegt in einem Feld­la­za­rett auf deut­schem Boden, in der Nähe von Beu­then. Er hat sich eine Magen- u. Darm­er­käl­tung zuge­zo­gen, hat sich damit meh­re­re Tage geschleppt in Fein­des­land und ist dann zurück­trans­por­tiert wor­den. Er hat 6 Tage nichts essen kön­nen. Wir kön­nen ihm augen­blick­lich nicht schrei­ben. Die Berich­te vom Vor­drin­gen uns[e]rer Sol­da­ten und von dem Zögern der West­mäch­te kön­nen uns hof­fen las­sen, daß unse­rem Lan­de und dem gan­zen Euro­pa der Frie­den bald wie­der­ge­schenkt wird.

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Pol­ni­scher Auf­marsch 1939, von Oberst Her­mann Schrei­ber: Gedan­ken zur ope­ra­ti­ven Lage Polens bei Beginn des Groß­deut­schen Frei­heits­kamp­fes am 1. Sep­tem­ber 1939 (scan. Ekke­hart Baals, 14. Nov. 2012), Skiz­ze aus: “Mili­tär­wis­sen­schaft­li­che Rund­schau”, hrsg. vom Ober­kom­man­do der Wehr­macht, 3.Heft, Jahr­gang 1942, S.213. Über Wiki­pe­dia. 09.2014

Wir aber wol­len der Gna­de und Güte Got­tes dank­bar geden­ken dar­aus Glau­ben und Zuver­sicht schöp­fen und Kraft für unse­ren Bund. Liebs­te, und das mußt Du wis­sen, Du gehörst jetzt mit zu uns, bei Eltern und Geschwis­tern, das macht mich froh und beru­higt mich!

Mor­gen Sonn­tag, will ich nach S. zurückfahren.

Gott sei mit Dir und den Deinen!

Bald wirst Du wie­der von mir hören.

Ich spü­re, wie die Sor­ge uns alle enger zusam­men schließt, wie sie das Band zwi­schen Dir und mei­nem Eltern­haus enger knüpft. Gott hilft auch durch die Sorge.

T&SavatarsmHerz­al­ler­liebs­te! Du mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Ich lie­be Dich!

Dein [Roland].

 

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09. Sep­tem­ber 1939

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