19. Januar 1939

Letzter Besuch von Joachim Ribentropp mit den Aussenminister von Polen Józef Beck, Warsaw Januar 1939. Quelle: Światowid, February 1939. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ribbentrop_Beck_1939.jpg, herunterladen Dezember 2013.
Letz­ter Besuch von Joa­chim Riben­tropp mit den Aus­sen­mi­nis­ter von Polen Józef Beck, War­saw Janu­ar 1939. Quel­le: Świa­to­wid, Febru­a­ry 1939. http://commons.wikimedia.org/wiki/File: Ribbentrop_Beck_1939.jpg, her­un­ter­la­den Dezem­ber 2013.

[390119–1‑1]

L. am 19. Janu­ar 1939.

Mei­ne lie­be, gute [Hil­de]!

Das neue Jahr nimmt einen stür­mi­schen Anfang, wie­der in man­cher­lei Hin­sicht. Die poli­ti­sche Atmo­sphähre ist gela­den mit star­ken Span­nun­gen. Die­se Woche brach­te mir zwei wich­ti­ge Ent­schlüs­se. Ich spü­re es, in die­ser Woche muß sich man­ches ent­schei­den. Ich bit­te Gott um sei­nen Segen. Dem Muti­gen hilft Gott. Der eine Ent­schluß, der schwe­re­re, betrifft uns[e]re Freund­schaft nicht. Ich erzäh­le Ihnen davon.

Und der ande­re? Habe ich Sie recht erschreckt, lie­be [Hil­de]? Es ist ein bedeut­sa­mer Schritt, ein­mal muß er getan wer­den. Am Sonn­abend erhielt ich von Ihrer Mut­ter einen lie­ben Brief, über den ich mich sehr gefreut habe. Ich habe ihn schon so oft gele­sen, um Zuver­sicht und Ver­trau­en aus dem Mund Ihrer Mut­ter zu hören. Viel­leicht hat es mir Ihre Mut­ter im Ver­trau­en geschrie­ben, aber ich mag es Ihnen nicht vor­ent­hal­ten: „Öfter beob­ach­te­te ich, daß sie in vie­len Din­gen anders ist, als die Mädel in ihrem Alter. Inner­lich bin ich stolz dar­auf”. Das aus dem Mund Ihrer lie­ben Mut­ter bestä­tigt zu hören, hat mich so froh gemacht, mei­ne lie­be [Hil­de]. In die­sem Brie­fe äußert Ihre Mut­ter frei den Wunsch, mich ein­mal zu sehen und zu spre­chen. Die­ser Wunsch ist mir nur zu ver­ständ­lich, und ich faß­te den Ent­schluß, ihn recht bald zu [Neue Sei­te] zu erfül­len. Heu­te mor­gen zwi­schen sechs und sie­ben faß­te ich ihn, nach­dem Sie geschrie­ben hat­ten, daß Ihre Erkäl­tung noch gar nicht recht aus­ge­heilt sei.

Ich lege alles in Ihre Hand, lie­be [Hil­de], Sie dür­fen alles auf­hal­ten, wenn Sie wol­len. Ich tref­fe 1851 in L. ein. Sie sol­len mich dort erwar­ten. Ich möch­te dann mit Ihnen spre­chen und ein Stück gehen, sodaß wir gegen ¾8 in Ihrer Woh­nung sein kön­nen, als ob wir vom Zug, O. 1935, kämen. Hof­fent­lich tref­fe ich Sie recht gesund und mun­ter. Lie­be [Hil­de], Sie dür­fen es mir glau­ben: ich fürch­te mich nicht, ich bin zuver­sicht­lich, der Ent­schluß ist mir leicht gefal­len, nach­dem mich Ihre lie­be Mut­ter im Brief so herz­lich will­kom­men gehei­ßen hat.

Ein wenig Herz­klop­fen wer­de ich wohl haben, viel­leicht kann ich nicht viel essen, in wel­chem Kleid ich Sie an die­sem Abend gern sehen möch­te; in dem wei­ßen ame­ri­ka­ni­schen Som­mer­kleid (wie ich nur dar­auf kom­me, den Wunsch wer­den Sie wohl gegen Ihre Mut­ter schwer­lich durch­set­zen kön­nen), mit den Stu­fen­är­meln*– doch ich will jetzt nicht wei­ter dar­über nach­den­ken.

Und der Sonn­tag soll dann uns gehö­ren.

Ob wir uns wie­der­erken­nen wer­den? Es ist so lan­ge her, daß wir uns zuletzt sahen. Es liegt so viel zwi­schen den Begeg­nun­gen, auch ein paar lan­ge, dicke Brie­fe. Der letz­te zeigt mir, wie gut Sie mich ver­ste­hen. Ich dan­ke Ihnen.

[Unten]

* Es soll rich­tig ein biß­chen fal­tig sein.

[Neue Sei­te]

Und nun soll ich dies­mal büßen, und dabei liegt kaum noch Schnee, und war­um nur? Da war ich nun bereit, alle Schuld auf mich zu neh­men: „es kam nicht nur von unser[e]m Aus­gan­ge!” (Viel­sa­gen­des Aus­ru­fe­zei­chen). Also frei­ge­spro­chen? Kei­nes­wegs: „Sie hät­ten mir die­se ver­wünsch­te Schwitz­kur erspa­ren kön­nen”. Also schul­dig. — Hier ver­sagt die männ­li­che Logik. Ich glau­be, das ist eine Pro­be von dem süßen Unge­reim­ten der Frau­en. Kann ich die­se Dro­hung unbe­ant­wor­tet las­sen? Ich habe aber auch einen männ­li­chen Grund dafür: 4 Punk­te hin­ter dem Sie, das mei­ne Per­son bedeu­tet, was ver­birgt sich dahin­ter?

Das müs­sen Sie mir sagen — oder Sie sol­len es büßen.

(So, nun wer­de ich wohl Frie­den haben, jetzt wird sie sich fürch­ten).

Ja, nun drängt die Zeit. Ich bin schon ein bis­sel auf­ge­regt. Es fällt mir heu­te nichts Geschei­tes mehr ein.

Falls Ihre Eltern abschrei­ben, und Sie sind gesund, tref­fen wir uns in Dres­den.

O. ab 653 … Dres­den an 913

Mei­ne lie­be [Hil­de]! Mein Wunsch mit dem Kleid ist wohl recht töricht. Strei­chen Sie ihn!

Wären es nur Luft­schlös­ser, die wir gebaut hät­ten? Hät­ten wir unse­re Freund­schaft nur auf Sand gebaut? Soll­te ich in Ihren Eltern den guten Geist mei­ner [Hil­de] nicht wie­der­fin­den? Mor­gen müß­te ich zei­gen. Ich kann es nicht glau­ben. Sie aber sol­len sich dar­über beru­hi­gen und mir dar­in ver­trau­en — ich habe ein wenig mich geübt, an den Men­schen das Wesent­li­che zu sehen —: Den guten Geist will ich sehen, nur ihn. Bit­te, glau­ben Sie mir das. Gott hel­fe uns! Mei­ne lie­be, gute [Hil­de]!

Ihr [Roland].

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