[16. Januar 1939] Das Heim

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Das Heim [dem Brief 390116–2-1 bei­gelegt]

Die Wän­de eines Hei­mes sind nicht aus Holz oder Stei­nen gefügt, son­dern aus Wahr­heit und Treue. Uner­freu­lich­kei­ten, Rei­be­rei­en des Lebens, der Wider­streit der Per­sön­lich­kei­ten, sie wer­den nicht durch per­si­sche Tep­pi­che oder Par­kett­bö­den auf­ge­ho­ben, son­dern durch Ver­söhn­lich­keit, Nach­gie­big­keit und Selbst­be­herr­schung.

Die Vor­hän­ge, die die Göt­ter des Hei­mes vor den Augen der Unbe­ru­fe­nen und Neu­gie­ri­gen ver­ber­gen, sind nicht aus Spit­zen gewo­ben, son­dern aus Dis­kre­ti­on. Die Nah­rung des Hei­mes ist nicht Fleisch und Brot, son­dern Rück­sicht und Selbst­lo­sig­keit; denn sie erhal­ten die Freu­de leben­dig. Das wah­re Getränk in einem Heim ist nicht Was­ser oder Wein, son­dern die Lie­be selbst, der ein­zi­ge Trunk, von dem man weiß, daß er zugleich nährt und berauscht. In einem Heim muß man nicht auf Dau­nen und wei­ßen Lin­nen ruh’n, son­dern mit einem guten Gewis­sen, auf dem kei­ne Krän­kung gegen Gott oder Mensch las­tet. Das Heim ist nicht ein Ort, wo Kör­per sich begeg­nen, son­dern ein Herd, auf dem sich [Fl]ammen ver­ei­ni­gen, Flam­men, die um so hel­ler strah­len und um so stei­ler gen Him­mel stei­gen, je voll­kom­me­ner ihre Ver­ei­ni­gung ist. Das Heim ist dei­ne Fes­tung in einer krie­ge­ri­schen Welt, wo dir die Hand einer Frau die Rüs­tung umschnallt und dir am Abend Müdig­keit und Wun­den lin­dert.

Das Licht in einem Heim soll nicht bei Tage nur das Licht der Son­ne und nachts nur die elek­tri­sche Lam­pe sein, son­dern das Licht auf­rich­ti­ger Zunei­gung, das lie­ben Augen leuch­tet und in treu­en Augen brennt.

Der Kel­ler des Hei­mes muß nicht mit Äpfeln und Wei­nen gefüllt sein, wohl aber soll die Erin­ne­rung an hei­li­ge Ver­trau­lich­kei­ten und klei­nen Hel­den­ta­ten, die der Welt unbe­kannt blie­ben und tap­fer getra­ge­nes Lei­den ber­gen.

Im Spei­cher häuft man nicht alte Kof­fer und Brie­fe und abge­tra­ge­ne Klei­der, son­dern man bewahrt dort Küs­se auf, Bli­cke und Wor­te die beglück­ten, als man sie emp­fing. Und die nun von der Zeit in’s Grau der Ver­gan­ge­nen getan, ein hol­des Erin­nern sind.

Die Schön­heit des Hei­mes ist Har­mo­nie,

Die Sicher­heit des Hei­mes ist Treue,

Die Freu­de des Hei­mes ist Lie­be,

Die Fül­le des Hei­mes sind Kin­der,

Das Gebot des Hei­mes ist Dienst am andern,

Das Beha­gen des Hei­mes ruht in zufrie­de­nen Gemü­tern,

Die Rat­ten und Mäu­se eines Hei­mes sind Neid und Arg­wohn,

Ein Heim, ein wah­res Heim baut Gott selbst, der glei­che Gott, der die Men­schen in die Welt bau­te.

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