14. Dezember 1938

[381214–1‑1]

L. am 14. Dez. 1938

Lie­be [Hil­de]!

Nun muss ich schon selbst kom­men, damit Sie es glau­ben, dass ich recht froh bin, und daß Sie es sind, die mich so froh macht. Die kom­men­den Tage wer­den in dem Glan­ze der Vor­freu­de auf unser Wie­der­se­hen steh[e]n. Der heu­ti­ge Mitt­woch — er brach­te mir Ihren lie­ben Brief — stand schon im Zei­chen der Vor­be­rei­tun­gen für den Sonn­abend. Ich bin nach S. gegan­gen, habe den ver­wes­li­chen Leib ein­mal gründ­lich gewäs­sert und ein wenig getankt von dem lei­di­gen Unent­behr­li­chen. Über das Pro­gramm für Sonn­abend — Sonn­tag bin ich mir selbst noch nicht ganz einig. Was spie­len die Thea­ter? Atsch [sic], ver­ges­sen. Wird sich fin­den. Ich wer­de in Chem­nitz ankom­men […] [Uhr]. Ihr Zug: O. ab […] [Uhr], Chem­nitz an […] [Uhr]. Dies­mal will ich Sie suchen im War­te­saal II. Klas­se.

Am Sonn­abend­nach­mit­tag war ich also in Dres­den. Wenn ich so vor­sätz­lich ein­kau­fe, ist mir meist nicht ganz wohl. Man­chen Tag hat man nicht die nöti­ge Ruhe zu suchen und zu wäh­len. Leicht ver­kauft man sich dann und ärgert sich hin­ter­her. Ich war mit dem Sonn­abend ganz zufrie­den. Die Weih­nachts­ge­schen­ke ver­ur­sa­chen mir jedes­mal Kopf­zer­bre­chen. Im Rah­men des Mög­li­chen möch­te man gern einen rich­ti­gen Wunsch erfül­len. Das ist der wun­de Punkt. Man soll­te sol­chen Wunsch immer gleich auf­zeich­nen, damit man ihn nicht ver­gißt. Das Geschenk möch­te nicht rein nütz­lich und prak­tisch sein. Es gehört zum Wesen des Geschen­kes, daß der Gegen­stand nicht etwas unbe­dingt Nöti­ges ist, es muß etwas an sich haben, was wir Luxus nen­nen.

Es freut mich, daß Sie sich das Kon­zert ange­hört haben, auch, daß Sie Ihre Mut­ter dazu auf die Bei­ne brach­ten.

Mei­ne Pro­gramm­num­mer am Sonn­tag ist gut vor­bei­ge­gan­gen. Ehe ich zur Kir­che ging, habe ich das Brief­chen zu mir gesteckt, das Ihrem Packet bei­lag, nicht aus einem Aber­glau­ben, mir zum Zei­chen, daß Sie mit mir waren. Schrieb ich Ihnen, was ich sin­gen woll­te? Es hät­te sich gehört. Ich lege Ihnen eines der mie­sen Pro­gramm bei. In dul­ci jubi­lo, drei Köni­ge, Christ­kind, die hör­ten Sie also schon am Sonn­abend gesun­gen. Auf die letz­ten bei­den hat­te ich mich beson­ders gefreut. Sie sind mir auch gut gelun­gen. Wir hat­ten etwas 50 Besu­cher. Viel­leicht bringt mir die­ses Auf­tre­ten ein paar Ver­pflich­tun­gen nach S. ein, ich wür­de mich freu­en dar­über. Zum Abend­brot war ich bei den Pfar­rers­leu­ten. Als ich nach Hau­se kam, habe ich noch ein­mal nach­ge­legt, habe den Kranz ange­zün­det und in Ihren Brie­fen gele­sen. Die Ker­zen sind nun fast nie­der­ge­brannt, ich brauch­te sie auch nicht mehr, am 4. Advent habe ich ja Sie selbst. Es ist jetzt ein[e] wun­der­li­che Gesell­schaft auf dem Tisch­chen. Eine rote Rose blüht und duf­tet. 2 erz­ge­bir­gi­sche Lich­ten­gel bewa­chen den Kranz, die habe ich mir aus Dres­den mit­ge­bracht.

Ja und nun, lie­be [Hil­de], las­sen Sie mich für heu­te schlie­ßen. Mor­gen Don­ners­tag soll die­ser Brief mit weg, mor­gen ist stram­mer Dienst, des Thea­ters wegen bis um 6 [Uhr]. Viel mehr wüß­te ich heu­te auch nicht zu schrei­ben. Ich müß­te denn dem Weih­nachst­brief vor­grei­fen, den habe ich schon vor 4 Wochen begon­nen. Bit­te grü­ßen Sie Ihre Eltern.

Gebe Gott, daß wir uns Sonn­abend froh und gesund wie­der­se­hen!

Ich drü­cke Ihre Hand ganz fest voll Hoff­nung und Ver­trau­en, mei­ne lie­be [Hil­de], und grü­ße Sie recht herz­lich

Ihr [Roland].

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