30. Mai 1942

Köln. Zer­stö­run­gen in der Pipin­stras­se nach dem Luft­an­griffs am 9. Juni 1942. DBa Samm­lung Adolf von Bom­hard, Bild 121‑1339 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018.

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104.

Sonn­abend, am 30. Mai 1942.

Gelieb­tes, teu­res Herz! Du mein gelieb­ter [Roland]! Du!!!

Nun kom­me ich doch schon wie­der zu Dir, mein Her­ze­lein! Ach Du! Ich kom­me doch soo ger­ne! Und [ich] käme zu jeder Stun­de, ja Du! Wenn ich immer so viel Zeit übrig hät­te! Und wenn ich mich nicht vor den Eltern schäm­te. Ach schä­men, das ist wohl nicht der rech­te Aus­druck. Weißt Her­ze­lein! Es ist ein komi­sches Gefühl, wenn man sich so beob­ach­tet fühlt beim Schrei­ben an den Liebs­ten. Und mich zurück­zie­hen mag ich auch nicht jedes­mal. Ich bin hier­in so emp­find­lich und wenn auch eines von den Eltern nur manch­mal im Scherz eine Redens­art fal­len läßt bezüg­lich mei­nes Schrei­bens, dann kränkt mich das. Wei­ter­le­sen!

25. Mai 1942

Vik­tor de Kowa und Lau­ra Sola­ri in “Die Sache mit Styx”, deut­sche Spiel­film, 1942. Foto: Eugen Kla­ge­mann — © Tobis Film­kunst. Über IMDb, 09.2018.

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Am 2. Pfingst­fei­er­tag 1942.

Mein lie­bes gutes Her­ze­lein! Du!! Gelieb­ter!! Mein [Roland]!

[Du] Wirst Dich wun­dern, daß das Geschrie­be­ne aus Blei­stift ist? Ich sit­ze unten im Gar­ten im Lie­ge­stuhl, die Bei­ne hoch­ge­zo­gen und auf mei­nen Kni­en liegt der Schrei­be­block, auf den ich mein Brief­lein an Dich schrei­ben will. Ob ich es am Abend noch­mal mit Tin­te abschrei­be? Ach Du! [Du] wirst es schon auch so lesen kön­nen, gelt? Und ich will doch lie­ber die Zeit, die ich zum Abschrei­ben brauch­te, ver­wen­den, um noch ein bis­sel län­ger mit mei­nem Her­ze­lein zu reden. Du!!! Wei­ter­le­sen!

25. Mai 1942

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[Salo­ni­ki] Pfingst­sonn­tag, den 25.Mai 1942

Her­zen­schät­ze­lein! Gelieb­te! Mein lie­bes, teu­res Weib!

Heiß ist der Tag, kaum ein Wölk­chen am Him­mel. Wäre ich daheim, es lit­te mich nicht im Zim­mer, ich müß­te hin­aus in Flur und Wald. Aber es ist zu heiß und die­ses Land hier ist zu öde, ist erbar­mungs­los der Son­ne aus­ge­setzt. Gern wür­de ich heu­te baden gehen – aber eine schö­ne Bade­ge­le­gen­heit gibt es auch nicht. Wei­ter­le­sen!

22. Mai 1942

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Frei­tag, am 22. Mai 1942.

Mein Her­ze­lein! Mein lie­bes, herz­lie­bes Man­ner­li! Du!!!

Ach Du! Heu­te hat es aber lan­ge gedau­ert, ehe ich zu dir kom­men konn­te! Den­ke nur, es ist jetzt schon ¼ 11 Uhr abends, da ich mich zu Dir set­ze. Liebs­ter!

Es war nicht mei­ne Schuld, laß Dir erzäh­len. Am Mor­gen habe ich begon­nen, mei­ne zwei Küchen zu säu­bern, habe alle Möbel abge­seift, fri­sche Gar­di­nen auf­ge­macht, den Ofen poliert, gescheu­ert. Neben­bei koch­te ich Essen. Mit­tags habe ich mit Papa ‚Tep­pi­che‘ geklopft, auf­ge­wa­schen. Mein Käm­mer­le und das Wohn­zim­mer abge­staubt, Fuß­bö­den gewischt und geboh­nert. Dann war es 300 [Uhr] nach­mit­tags, Zeit zum Wegelau­fen.

“22. Mai 1942” wei­ter­le­sen

22. Mai 1941

Die Gartenlaube (1875) b 693
„Rück­erin­ne­run­gen an das deut­sche Schüt­zen­fest in Stutt­gart: In der Schieß­hal­le. Nach der Natur auf­ge­nom­men von Schweis­sin­ger in Stutt­gart”, Die Gar­ten­lau­be (Leip­zig: Ernst Keil’s Nach­fol­ger, 1875): S. 693. Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018.
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[Salo­ni­ki] Frei­tag, den 22. Mai 1942

Lie­be, lie­be [Hil­de]! Teu­res, gelieb­tes Weib! Du!!! Mein!!!

Her­ze­lein! Gelieb­te! Nun kommst Du zu mir mit Dei­ner Sehn­sucht. Nun kommt zu mir der Strom Dei­ner Lie­be! Dei­ner Sehn­sucht! Oh Her­ze­lein! Daß ich ihn ganz auf­neh­men müß­te, aller Lie­be Über­fluß! Daß du immer zu mir fin­den möch­test damit! Daß nim­mer eine Lee­re, eine Stun­de nur und des Zwei­felns und Irrens bei Dir sein möch­te! Wei­ter­le­sen!