Bergerson, Das Sich-Einschreiben

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Andrew Stu­art Berg­er­son, Kansas City


Erster Auf­satz zu Hilde und Roland

Hierin wird gezeigt, wie Hilde und Roland sich in ihrer jun­gen Beziehung und Ver­lobungszeit 1938–40 in eine NS-Zukun­ft ‘eingeschrieben’ haben und in ihren Liebes­briefen mit sich, Gott, Eltern und dem Führer ein Ver­trauensver­hält­nis aufge­baut­en.
Siehe: Andrew Stu­art Berg­er­son, T&S Mither­aus­ge­ber, “Das Sich-Ein­schreiben in die NS-Zukun­ft: Liebes­briefe als Quelle für eine All­t­ags­geschichte der ‘Volks­ge­mein­schaft.’” In: Der Ort der “Volks­ge­mein­schaft” in der deutschen Gesellschafts­geschichte, her­aus­gegeben v. Detlef Schmiechen-Ack­er­mann, Marlis Buch­holz, Bian­ca Roitsch, Karl H. Schnei­der, Chris­tiane Schröder, Pader­born: Fer­di­nand Schön­ing, 2018, S. 223–41.

10. Januar 1942

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Sonnabend, den 10. Jan­u­ar 1942

Herza­ller­lieb­ste! Meine liebe, liebe [Hilde]. Du! Mein! Mein!!!

Sonnabend ist. Um 5 Uhr haben wir Lis­ten, Akten und Schränke zugeklappt – Feier­abend. Am Sonnabend ist dieser Feier­abend doch um ein paar Grad fre­undlich­er, ein­mal ein wenig früher und dann mit der Aus­sicht auf ein paar Stun­den Freizeit mehr. Weit­er­lesen!

09. Januar 1942

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[Saloni­ki] Fre­itag, den 9. Jan­u­ar 1942

Mein liebes, teures Herz! Du, meine liebe, liebe [Hilde]!

Schätzelein! Vor­wärts drängt die Zeit – und mor­gen ist der längliche Jan­u­ar schon zweis­tel­lig. Luftwärts [sic] streben die Tage zur Höhe des Jahres und wir ergeben [sic] uns nicht zufrieden in diesen Lauf des Jahres, froh jedes neuen Tages – wir schauen unruhig aus, vor­wärts und rech­nen, über­schla­gen – wann wird Frieden sein, Frieden?! Weit­er­lesen!

06. Januar 1942

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[Saloni­ki,] Dien­stag, den 6. Jan­u­ar 1942

Her­zlieb! Du! Meine liebe [Hilde]! Mein Weib!

Heute will ich mich doch mit Deinen lieben Boten von gestern befassen. Es sind die vom Sonnabend, Son­ntag und Mon­tag. Wenn ich nun, ver­wan­delt, meinem Schätzelein begeg­net wäre, als es so ent­täuscht und richtig trau­rig von der Post ging zur Kirche, da hätte ich doch denken kön­nen, es grollt  mir, es schmollt mit seinem Lieb­sten, es ist ihm böse. Weit­er­lesen!

05. Januar 1942

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[Saloni­ki,] Mon­tag, d.[en] 5. Jan­u­ar 1942

Herza­ller­lieb­ste! Mein liebes, teures Herz! Du! Du!!!

Endlich! Endlich! Oh, Du hast doch auch so warten müssen wie Dein Man­ner­li! Oh Geliebte! Es fehlt doch alles, wenn Du nicht zu mir kommst, das Lieb­ste, die Sonne! Alles! Alles! Du! Ich glaube, wir haben einan­der sehr lieb — sind einan­der ganz ent unent­behrlich — und sind noch sooo ver­liebt wie ein ganz junges Paar — ja? Herzelein!! Das noch täglich sich sein­er Liebe ganz fest sich vergewis­sern muß — mit Küssen und Grüßen und — Lieb­haben. Ach Herzelein! Es ist mir so leid darum, daß Du hast so warten müssen! Und so leid darum, daß Dich ger­ade auch der Heili­ga­bend­bote nicht erre­ichte. Weit­er­lesen!