28. Dezember 1940

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Sonn­abend, den 28.12.1940.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de], Du!!

Es ist wohl schon 12 Uhr vor­bei: Alles schläft. Bei Ker­zen­schein und einem lei­sen Sin­gen im Ofen sit­ze ich über dem Schrei­ben. Du, bei­nah kannst Du gar nichts krie­gen heu­te von mir! Mußt flei­ßig bei den Eltern mit­le­sen, die waren heut[´] wie­der mal zuerst dran. Um 8 Uhr schick­te ich mich eben an zum Schrei­ben. ½ 9 Uhr kam Alarm. Ich habe jetzt bei Alarm einen neu­en Pos­ten, weil der Kame­rad Schus­ter auf Urlaub fährt mor­gen. Ich muß mit hoch in den Bun­ker, Gefechts­be­richt schrei­ben. Das ist inso­fern ungüns­tig, als ich dann für die gan­ze Dau­er des Alarms ein­ge­spannt bin, wäh­rend ich vor­dem nur mei­ne Stun­de Wache schob und mich dann zurück­zie­hen konn­te. Wei­ter­le­sen!

26. Dezember 1940

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Don­ners­tag den 26. Dez.[ember] 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!!

Eben bin ich zurück aus Eckern­för­de, es ist vier­tel nach zehn. Es war nicht schön. Ich traf die Kame­ra­den am ver­ab­re­de­ten Ort. In 3 Knei­pen sind wir [’]rum­ge­zo­gen, d[as] h[eißt] mich haben sie mit­ge­zo­gen. Ich woll­te ihnen den Spaß nicht gründ­lich ver­der­ben und zeig­te mich wil­lig für die Span­ne Zeit, die ich bei mir für die­sen Aus­gang bewil­ligt hat­te. Dann war ich uner­bitt­lich. Wir haben auch noch zu abend geges­sen. Einer hat­te Fleisch­mar­ken mit. Dein Hubo hat nur Apfel­saft getrun­ken und ist ganz nüch­tern zurück­ge­kehrt. War ich doch wenigs­tens auf ein paar Stun­den uns[’]rer Bude ent­flo­hen, die mir heu­te so auf die Ner­ven ging. Ach, Fei­er­ta­ge bei den Sol­da­ten, lie­ber nicht. Jetzt ist es ziem­lich ruhig. Etli­che lie­gen schon in der Koje, und die Kra­kee­ler sind noch in der Kan­ti­ne. Wei­ter­le­sen!

26. Dezember 1940

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Am 2. Weih­nachts­tag 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein Roland!! Mein lie­ber, lie­ber Roland!!

Son­nen­schein liegt überm[´] wei­ßen Land, der Him­mel, der blaue, ist über uns. Fei­er­tag — rech­ter Fei­er­tag drau­ßen. Wei­ter­le­sen!

26. Dezember 1940

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Mitt­woch, den 25. Dezem­ber [’]40.

Mein lie­bes, teu­res Herz!

1. Weih­nachs­fei­er­tag am Abend. Herz­lie­bes! Was gibst Du wohl jetzt an? Sitzt viel­leicht am Radio, wenn ihr es noch gekriegt habt? Heut[’] gab es eine Fest­auf­füh­rung der Bohè­me von [Gia­co­mo] Puc­ci­ni. Ich habe nur ein ganz klei­nes Stück gehört, herr­li­che Stim­men, und gera­de wie­der die Stel­le vom klei­nen Händ­chen [„Che geli­da mani­na“]! Ach Du! Was ruft die­se Musik her­auf an Seehnen und Süße!! Mein Tages­lauf heu­te? Um 8 Uhr Wecken. Um ¼ 10 Uhr gemein­sa­mes [F]rühstück: Beleg­te Bröt­chen, Boh­nen­kaf­fee. 10–12 Uhr: An Dei­nem [B]rief geschrie­ben. 12 Uhr Mit­tag: Rum­steak [sic], Rot­kraut, Pud­ding. Ab 1 Uhr Mit­tags­ru­he. ¼ 4 Uhr weck­te man mich zur Arbeit: Rest­li­che Pho­to­al­ben waren gekom­men und muß­ten beschrif­tet wer­den. Wei­ter­le­sen!

25. Dezember 1940

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Am 1. Weih­nachts­tag 1940.

Gelieb­ter!! Herz­al­ler­liebs­ter!! Du mein lie­ber, lie­ber [Roland]!!

Es ist jetzt abends ½ 9, ich sit­ze wie­der an mei­nem alten, lie­ben Plat­zel unterm Licht­kranz und den­ke Dein. Der Kranz allein spen­det mir zu wenig Licht, unser Gesel­le hilft leuch­ten! Er tut’s s ja so ger­ne, er ist’s ja schon gewöhnt, Du!! Im Radio erklin­gen [Gia­co­mo] Puc­ci­nis Melo­di­en, aus Bohè­men [sic]. Ich kann mir kein rech­tes Bild machen von allem, ich ken­ne die Hand­lung nicht genau, hab[’] ihren Sinn ein­mal vor lan­ger Zeit gele­sen, als es ver­filmt wur­de [wohl: Zau­ber der Bohè­me, Ö, 1937]. Und jetzt stört mich der Gesang in mei­nem Geden­ken, ich schal­te ab. Du!! Heut’ bin ich rich­tig müde — ich war ges­tern abend bis kurz vor ½ 1 auf und hab an Dich gedacht. Heut’ früh um 6 hat mich die Mutsch geweckt, die Kir­chen­glo­cken läu­te­ten eben den Weih­nachts­tag ein — es war schon warm in der Küche, Vater hat­te ange­feu­ert und wir leg­ten uns mit­ein­an­der auf’s Sofa, deck­ten uns mit der Decke zu und — hör­ten uns das Hafen­kon­zert an! Wei­ter­le­sen!