Forster, Erotischer Austausch

Forster, Erotischer Austausch – Sexualität in Briefen

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Anni­na Forster, Wien


Selb­stkon­struk­tion und -insze­nierung im Nation­al­sozial­is­mus

In fol­gen­dem Auf­satz möchte ich die Geschichte von Roland und Hilde aus einem physis­chen Blick­punkt her­aus betra­cht­en: Dem der Sex­u­al­ität. Ich werde mich mit der sex­uellen Kom­po­nente ihrer Beziehung beschäfti­gen und ver­suchen festzustellen in wie weit diese aus den Briefen her­auszule­sen ist. Hierzu habe ich mich mit der Geschichte des Briefes auseinan­derge­set­zt, wobei mein Haup­tau­gen­merk auf per­sön­lichen Briefen und Liebes­briefen lag; habe ver­sucht die Geschichte der Sex­u­al­ität und vor allem den gesellschaftlichen Umgang mit Intim­ität in dieser Zeit nachzu­vol­lziehen. Des Weit­eren war es mein Ziel her­auszufind­en welche Rolle die Sex­u­al­ität für Hilde und Roland spielt und inwiefern sie ihr in ihren Briefen Aus­druck ver­lei­hen. Weit­er­lesen!

31. Oktober 1940

Die Gartenlaube (1866) b 757.jpg
Post im Schnee. Nach einem Ölgemälde von C. Dahlen. Die Garten­laube 757 (1866). Scan: Jowinix, geme­in­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Mittwoch, am 30. Okto­ber 1940.

Herza­ller­lieb­ster! Geliebter Du! Mein lieber, lieber [Roland]!

Einen Tag und eine Nacht schneite es, und noch fall­en die Flock­en, laut­los. Der Win­ter ist da. Nichts draußen, das noch ohne Weiß dastünde. Das helle Schel­len­geläut der Pfer­deges­panne, die eilig durch den schon hohen Schnee fahren, erin­nert mich ganz wun­der­sam an meine frühe Jugend. Wenn die Pferde ihre Win­ter­gar­ni­tur Kumt und Zaumzeug umhat­ten, wenn es lustig vor­beibim­melte, wir Kinder am Fen­ster, die Nasen kalt, weil wir sie vor Ne[u]gier und Aufre­gung an die Fen­ster­scheiben drück­ten; da kon­nte mich die Mut­ter nicht mehr hal­ten. Nun mußte aber der [Sch]litten her­vor und später die Bret­ter. Denn nun war es soweit! Die Schneedecke war dick genug. Weit­er­lesen!

31. Oktober 1940

1647 Vrancx Marauding soldiers anagoria
Sebas­t­ian Vrancx, Mar­o­dierende Sol­dat­en, 1647, Deutsches His­torisches Muse­um Berlin. Foto: anago­ria, über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
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Don­ner­stag, den 31. Okto­ber 1940.

Meine liebe, geliebte [Hilde] Du! Herza­ller­lieb­ste, Holde mein!

Du! Jet­zt habe ich ein paar Stun­den frei ganz für Dich! Es ist 3 Uhr am Nach­mit­tag. Eben ist ein Teil der Gesellschaft abgerückt zum Nach­feiern nach Strande. Da hätte auch ich mit­ge­mußt. Aber in let­zter Stunde stellte sich her­aus, daß uns[e]re Stube noch ein­mal Wache ste­hen muß. Ich bin nicht dran. Habe aber mit einem getauscht und eine Wache über­nom­men. Nun kann und muß ich dableiben. Die Wache stört mich nicht. Die Nachtruhe ist heute sowieso gestört. Weit­er­lesen!

30. Oktober 1940

Wappen Frankreichs
Per­sön­lich­es Emblem vom franzö­sis­chen Staatschef Marschall Hen­ry Philippe Pétain und informelles Wap­pen von Vichy Frankre­ich, Abbil­dung: Tom Lem­mens. Lizen­ziert unter CC-BY 4.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Mittwoch, den 30. Okto­ber 1940

Mein liebes, teures Herz! Herza­ller­lieb­ste! Holde mein!

Vor­bei. Alles vor­bei. Glück­lich vor­bei. Es war ja ganz harm­los. Der Kom­man­deur war sehr zufrieden. Und — darüber habe ich Freude emp­fun­den — unser Zugführer hat ver­di­entes Lob geern­tet. Ja, und nun — nun warten wir. ½ 7 Uhr Uhr [sic] soll die Abschieds­feier begin­nen. Es wird warmes Essen geben aus der Kom­paniekasse. Es wird getrunk­en wer­den. Son­st kenne ich unser Pro­gramm noch nicht. Lange wird es nicht dauern, daß ich mich zurückziehen kann, ohne daß die ander[e]n es merken. Zurückziehen zu meinem lieben Kam­er­aden, zu Dir! “30. Okto­ber 1940” weit­er­lesen

29. Oktober 1940

State Flag of Greece (1863-1924 and 1935-1970)
Die Fahne Griechen­lands. Das faschis­tis­che Ital­ien griff Griechen­land am 28.10.1940 an, um Spazio Vitale/Lebensraum im Mit­telmeer­raum zu erobern. Abbil­dung: peep­er­man, 20 August 2009, Lizen­zfrei über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Dien­stag, den 29. Okto­ber 1940

Mein liebes, teures Herz! Geliebte! Meine liebe [Hilde]! Holde!

Heute beginne ich mit dem Schreiben schon zu Mit­tag, wer weiß, was heute abend noch alles dazwis­chen kommt. Die Vorbesich­ti­gung ist vor­bei. Dein Hubo ist nicht aufge­fall­en, das genügt. Es ist ein kalter, schön­er Tag heute. Mir haben die Hände gefroren. Heut[’] nach­mit­tag das let­zte Exerzieren hier. Amtlich ver­lautet heute: Fre­itag bis früh 10 Uhr ist alles in Marsch geset­zt nach dem neuen Kom­man­do. Was wird mein­er warten? Weit­er­lesen!