16. Januar 1940

[400116–1-1]

S. am 16. Janu­ar 1940.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Mein Brief erreicht Dich mit ein­tä­gi­ger Ver­spä­tung. Den Mitt­woch­nach­mit­tag muß­te ich zu einem geschäf­te­rei­chen Gang nach B. benut­zen. Viel will ich auch nicht schrei­ben heu­te. Das Geschäft­li­che mag zuerst ste­hen. Beim T.-Buchhändler in L. habe ich wäh­rend der Feri­en ein Büchel bestellt, Wil­helm Sta­pel: „Das Gesetz des Lebens” [sic], kos­tet 1 Mark. Ich hät­te es gern gehabt und bit­te Dich des­halb, es am Frei­tag mit abzu­ho­len, wenn Du Zeit hast. Wenn er fragt nach mir, erklä­re ihm nur, daß ich unvor­her­ge­se­hen eher abrei­sen muß­te. Wei­ter­le­sen!

14. Januar 1940

[400114–2-1]

O., am 14. Janu­ar 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter, Du! Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Nimm mei­nen herz­lichs­ten Dank für Dei­nen so lie­ben Sonn­tags­brief. Du hast mich beglückt, Liebs­ter! Ich bin so froh dar­über, daß ich Dir Son­nen­schein brin­gen kann in Dein Leben, und daß ich Dir so viel sein kann, um ein gan­zes Leben lang Hand in Hand mit Dir zu schrei­ten, durch Regen und Son­nen­schein, als Dein lie­ber, treu­er Kame­rad. Du bist nicht ban­ge vor dem gro­ßen, ent­schei­den­den Schritt den wir vor­ha­ben — Du! Wei­ter­le­sen!

13. Januar 1940

Messerschmitt 108 Taifun 01 (4818333970)
Mes­ser­schmitt 108 Tai­fun 01, 17. Juli 2010. Eines mach­te eine Not­lan­dung am 10. Janu­ar 1940 in Bel­gi­en. Bild: Ron­nie Mac­do­nald, über Wiki­me­dia Com­mons, 01.2015.
[400113–1-1]

S. am 13. Janu­ar 1940.

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Der Dienst ist aus. Es winkt ein frei­er Tag. Man atmet auf, hebt den Kopf und fühlt sich frei­er. Der Zwang scheint gewi­chen. Mög­lich­kei­ten tun sich auf, eine klei­ne Rei­se? eine Thea­ter­fahrt? ein Aben­teu­er? Wün­sche und Träu­me mel­den sich.— Was denkst Du jetzt, Herz­lie­bes? Ach Du! So ist es mir vie­le Sonn­aben­de ergan­gen und an den Tagen, da die Feri­en began­nen. Es ist etwas Reiz­vol­les, Mär­chen­haf­tes an die­sem Glück­träu­men. Wei­ter­le­sen!

7. Januar 1940

16th-century unknown painters - Epiphany - WGA23751
Epi­pha­nie, unbe­kann­ter Deut­scher Maler­meis­ter, etwa 1510, gemein­frei, über Wiki­me­dia Com­mons, 01.2015.

[400107–1-1]

S. am 7. Janu­ar 1940

Herz­al­ler­liebs­te, Du! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Mit die­sen Zei­len schließt sich die Tür zum Weih­nachts­land, zum Zau­ber­land, Mär­chen­land, Feri­en­land — für dies­mal. Ich sit­ze wie­der in S. und füh­le es: Ich ste­he wie­der allein, bin wie­der etwas für mich, sel­ber ein klei­ner Mit­tel­punkt; und das Aus­span­nen im Eltern­haus war nur Traum­land, Feri­en­land. Ich ste­he nun wie­der für mich — und ich schaue mich um, ob ich nicht ganz allein ste­he in der Käl­te, der Fins­ter­nis, dem Sturm der Zeit, ent­fernt von den Lie­ben. Wei­ter­le­sen!

7. Januar 1940

Die Neujahrsbretzel für den Herrn Pfarrer
“Die Neu­jahrs­bret­zel für den Herrn Pfar­rer”, 1884, gemein­frei, über Wiki­me­dia Com­mons, 01.2015.
[400107–2-1]

O., am 7. Janu­ar 1940

Herz­al­ler­liebs­ter, mein lie­ber, lie­ber [Roland]!

Jetzt ist es nun gera­de wie­der so, wie vor acht Tagen. Alle Spu­ren vom Mit­tags­tisch zu drei­en sind besei­tigt, das ist wohl ein alt­ein­ge­ses­se­nes Übel, bei uns wird’s nie vor 1 Uhr Essens­zeit Sonn­tags; weil wir noch so schö­nes, war­mes Was­ser hat­ten, habe ich gleich noch mei­nen Kopf gewa­schen — es hät­te sogar noch mit für Dei­nen gereicht! “7. Janu­ar 1940” wei­ter­le­sen