30. Januar 1939

T&Savatar[390130–2-1]

O., am 30. Jan­u­ar 1939.

Mein lieber [Roland]!

Eine Woche liegt nun erst zwis­chen unserem let­zten Zusam­men­sein — viel länger scheint mir[‘]s schon. Voll Dankbarkeit las ich Ihren lieben Brief immer wieder. Wie fleißig haben Sie mein­er täglich gedacht, trotz aller Arbeit. Man soll im Glück nicht zu laut jubeln — mir fällt das jet­zt wahrhaftig schw­er.

Das neue Jahr ließ uns bei­de schon erken­nen, daß es einen stür­mis­chen Anfang nimmt. Wie viele Über­raschun­gen hält es wohl noch bere­it? Der ver­gan­gene Sonnabend war ein wahrer Glück­stag. Weit­er­lesen!

27. Januar 1939

Rangabzeichnungen der NSDAP, ca. 1930, Quelle: National Archives & Records Administration, Aufgeladen von OberRanks, 3 January 2010, http://en.wikipedia.org/wiki/File:EarlyNaziPartyRanks-NARA.jpg, heruntergeladen Dez 2013
Rangabze­ich­nun­gen der NSDAP, ca. 1930, Quelle: Nation­al Archives & Records Admin­is­tra­tion, Aufge­laden von Ober­Ranks, 3 Jan­u­ary 2010, http://en.wikipedia.org/wiki/File: EarlyNaziPartyRanks-NARA.jpg, herun­terge­laden Dez 2013

[390127–1-1]

L. am 23. Jan. 1939

Am Mon­tag.

Meine liebe [Hilde]!

Eben komme ich von meinem Spazier­gang nach Hause. Einen Blick mußte ich wer­fen nach dem West­en. Ver­gan­gene Woche war ich einige­male [sic] abends unter­wegs. Wenn Gedanken und Gefüh­le mich bestür­men, dann treibt es mich hin­aus. Es ist, als ob sie tief dann unter dem gle­ich­mäßi­gen Puls mein­er Schritte bess­er ord­nen ließen. So war es am Mittwoch, so am Don­ner­stag, als ich den Brief an Ihre Mut­ter zum Auto gebracht hat­te, so am Fre­itag, als ich Ihren Brief besorgte. Es war eine böse Woche, ein wildes Karus­sell der Gedanken und Gefüh­le. Weit­er­lesen!

25. Januar 1939

„Danzig ist Deutsch”, NSDAP Propagandaplakat, 1939. Quelle: Georg Hammrich. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nazi_World_War_II_poster_Danzig_is_German.jpg, herunterladen Dezember 2013.
„Danzig ist Deutsch”, NSDAP Pro­pa­gan­daplakat, 1939. Quelle: Georg Hamm­rich. http://commons.wikimedia.org/wiki/File: Nazi_World_War_II_poster_Danzig_is_German.jpg, herun­ter­laden Dezem­ber 2013.

[390125–2-1]

O., am 25. Jan­u­ar 1939.

Mein lieber, guter [Roland]!

Unser­er Vere­in­barung gemäß will ich Ihnen meine gute Heimkehr mit­teilen und ein paar Zeilen schreiben.

Wenn sich die Briefe zweier Lieben­den kreuzen, so sei das ein gutes Zeichen, heißt ein altes Sprich­wort.

Ob wir nun in der einen Hin­sicht dieses Wort auf uns beziehen [k]önnen, getraue ich mich nicht zu behaupten. Aber an das gute Zeichen wollen wir glauben, nicht wahr?

Zweimal schon schrieben Sie mir: „Ich muß die Schreiberin dieser Briefe lieb­haben.“ — Ich will ganz ehrlich sein.

Wenn ich an die bei­den ver­gan­genen Tage, beson­ders an den Son­ntag denke, über­strömt mich ein so tiefes Glücks­ge­fühl. Ich bin nun ein­mal mehr gewiß, daß das, was Sie mir schrieben, die Wahrheit ist. Gezweifelt habe ich nie an Ihnen und [w]erde es auch nicht kön­nen. Ich kon­nte nur nicht fassen, daß Ihre Worte Wahrheit sind — ganz tief drin­nen im Herzen bewahrte ich sie auf. Ich hat­te Angst, Ihnen darüber zu schreiben, Ihnen davon zu sprechen; den ich meinte, es müßte dann alles zer­rin­nen wie ein schön­er Traum.—

Auch Sie selb­st kön­nen das Neue, das am Jahre­san­fang auf uns ein­stürmt, noch nicht ruhig und gefaßt hin­nehmen. Weit­er­lesen!

19. Januar 1939

Letzter Besuch von Joachim Ribentropp mit den Aussenminister von Polen Józef Beck, Warsaw Januar 1939. Quelle: Światowid, February 1939. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ribbentrop_Beck_1939.jpg, herunterladen Dezember 2013.
Let­zter Besuch von Joachim Riben­tropp mit den Aussen­min­is­ter von Polen Józef Beck, War­saw Jan­u­ar 1939. Quelle: Świa­towid, Feb­ru­ary 1939. http://commons.wikimedia.org/wiki/File: Ribbentrop_Beck_1939.jpg, herun­ter­laden Dezem­ber 2013.

[390119–1-1]

L. am 19. Jan­u­ar 1939.

Meine liebe, gute [Hilde]!

Das neue Jahr nimmt einen stür­mis­chen Anfang, wieder in mancher­lei Hin­sicht. Die poli­tis­che Atmo­sphähre ist geladen mit starken Span­nun­gen. Diese Woche brachte mir zwei wichtige Entschlüsse. Ich spüre es, in dieser Woche muß sich manch­es entschei­den. Ich bitte Gott um seinen Segen. Dem Muti­gen hil­ft Gott. Der eine Entschluß, der schw­erere, bet­rifft uns[e]re Fre­und­schaft nicht. Ich erzäh­le Ihnen davon. Weit­er­lesen!

[16. Januar 1939] Das Heim

T&Savatar[390116–2-2]

Das Heim [dem Brief 390116–2-1 beigelegt]

Die Wände eines Heimes sind nicht aus Holz oder Steinen gefügt, son­dern aus Wahrheit und Treue. Uner­freulichkeit­en, Reibereien des Lebens, der Wider­stre­it der Per­sön­lichkeit­en, sie wer­den nicht durch per­sis­che Tep­piche oder Par­ket­tbö­den aufge­hoben, son­dern durch Ver­söhn­lichkeit, Nachgiebigkeit und Selb­st­be­herrschung. Weis­ter­lesen!