17. Oktober 1940

UnteroffizierInfRgt130
Unter­of­fi­zier der 11. Kom­pa­nie des 1. Loth­rin­gi­schen Infan­te­rie-Regi­ments Nr. 130 aus Metz, mit Schüt­zen­schnur. Am Ärmel das Schieß-Abzei­chen zum Kai­ser­preis für die Infan­te­rie von 1895. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
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Don­ners­tag, den 17. Okto­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be [Hil­de] Du! Hol­de mein!

Wie hat mich Dein lie­ber Bote heu­te beglückt, Gelieb­te! Ganz pünkt­lich war er zur Stel­le. Soviel Glück und Freu­de brach­te er mir, Hol­de! Daß Du an mir halt fin­dest, daß Dich der Gedan­ke an mich stärkt, daß auch Du bei mir eine Gebor­gen­heit fin­dest, daß ist die­ses gro­ße Glück. Daß Du Dich mei­nem Schüt­ze ver­traust und Dich lie­bend und sor­gend umhül­len läßt von mir, das weckt in mir eine männ­li­che Freu­de! Auch ich fin­de bei Dir eine Gebor­gen­heit, ich suche sie bei Dir und seh­ne mich danach, eine and[e]re Gebor­gen­heit, die weib­li­che, müt­ter­li­che. So ergän­zen sich uns[e]re Wesen glück­lich, Du! Für Dei­nen lan­gen lie­ben Bericht sei herz­lich bedankt. Ich kann Dich so gut ver­ste­hen, und kann Dir Dei­ne Ein­sam­keit und Ver­las­sen­heit dort in D. recht gut nach­füh­len. Die­se dörf­li­che Stil­le, Dir ganz unge­wohnt, jedes Hun­de­bel­len, jedes Blatt­ra­scheln hört man; die kran­ke Frau im Haus: es greift Dir alles rasch ans [sic: an das] Herz; und Du allein, [^] mit den bei­den Mädels, die Dich mit ihrem raschen Geist über­reiz­ten und ein wenig in Unord­nung brach­ten, und nie­mand, der Dir ord­nen half. Weißt [Du], Herz­lie­bes, genau so ging es mir die letz­ten Jah­re: Nur ungern ent­fern­te ich mich von Hau­se, fuhr bei­spiels­wei­se nur ungern nach G., weil ich mich dann von dem Ort ent­fern­te, an dem Du mich such­test, an dem uns[e]re Emp­fin­dun­gen, uns[e]re Sehn­sucht sich über alle Fer­ne hin­weg in geheim­nis­vol­ler Wei­se ein Stell­dich­ein gaben. Und nicht zuletzt, weil alle neu­en und frem­den Ein­drü­cke mich stör­ten in mei­nen Gedan­ken an Dich. Nun bist wie­der glück­lich heim­ge­kehrt, ich dan­ke es Gott, und wirst Dich nach dem Fremd­füh­len, in K. ein wenig hei­mi­scher füh­len. Nun weiß ich wie­der bes­ser, wo Dich Dei­ne Füße tra­gen, weiß Dich bei Vater und Mut­ter, die mit der Wär­me ihrer Her­zen Dich umge­ben, und weiß auch, wo mein Herz­lieb sich bet­tet, wo es mich ein­schließt ins Nacht­ge­bet, wo es mei­ner süß und herz­lich denkt!!

Hermann Löns Wietzer Berg 19022015
Her­mann Löns, Foto aus einer öffent­lich auf­ge­stell­ten Info­ta­fel. Quel­le: Hajott­hu. Crea­ti­ve-Com­mons-Lizenz „Namens­nen­nung“ lizen­ziert. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Herz­al­ler­liebs­te! Hol­de mein! Daß ich Dich mit die­sem Namen beglück­te, Du! Mit Dei­nem guten, treu­en Gedächt­nis erin­nerst Du mich dar­an, daß Her­mann Löns ihn braucht in einem sei­ner Roma­ne. Ich hät­te nicht dar­an gedacht; aber sehr wahr­schein­lich, daß die­ser Name in mei­nem Unter­be­wußt­sein doch dar­auf gewar­tet hat, daß ich ihn [^]]eines Tages mei­ner Herz­al­ler­liebs­ten umhän­gen darf. Herz­lie­bes, Du weißt es, daß all mei­ne Emp­fin­dun­gen der herz­li­chen Zunei­gung, Ver­eh­rung und Lie­be zu Dir strö­men. Ich könn­te sie nicht dar­an hin­dern. Sie wol­len zu Dir, Du, mäch­tig, über­mäch­tig, Hol­de!

Nicolas Poussin - Apollo and Daphne - WGA18261
Nico­las Pous­sin, Apol­lo and Daph­ne, 1625. Alte Pina­ko­thek, Munich. Quel­le: www.pinakothek.de über Web Gal­le­ry of Art über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Zurück sind auch wir glück­lich vom Schie­ßen. Wenn ich auch mit dem Gefühl, etwas Erns­tes zum ers­ten Male zu tun d[a]ranging, und wir alle von dem viel­be­spro­che­nen Rück­schlag zumin­des­tens [sic] gespannt waren – es ist alles dabei so gut orga­ni­siert, der Rück­schlag ist durch­aus mäßig, daß ein Unglücks­fall bei die­sem Schie­ßen nur durch gröbs­te Fahr­läs­sig­keit oder ganz unglück­lich ver­ket­te­te Umstän­de sein kann. Es wur­de wider Erwar­ten gut geschos­sen. Ich schoß zwei­mal 30 Rin­ge (21 waren nötig), und war damit bei wei­tem nicht der bes­te Schüt­ze, aber einer der guten. Ich bin ganz zufrie­den. Vie­le Kame­ra­den haben schon anderwo [sic] geschos­sen. Darfst Dich mit Dei­nem Hubo freu­en, und brauchst Dich nicht zu ban­gen: ein Scharf­schüt­ze ist er nicht. Er schaut nicht aus nach Schieß­prei­sen und Schieß­schnuren. Daß er Dir ins Her­ze traf, das ist sein Ehr­geiz, das ist sein Stolz und sei­ne Freu­de! Die­ses Herz ist das unver­rückt­ba­re Ziel, nach dem er unver­wandt und sehn­süch­tig aus­schaut, auf die­ses eine, ein­zi­ge Ziel rich­tet er sei­ne gan­ze Lie­be! Kein bes­se­res, herr­li­che­res Ziel könn­te ich fin­den, Gelieb­te!

Boulton Paul Defiant
König­li­che Luft­waf­fe, Boul­ton Paul Defi­ant Mk, Nr. 264 Squa­dron RAF (inkl L7026PS‑V” und N1535PS‑A”), Kir­ton-in-Lind­sey, Lin­colnshire, 08.1940. Foto: B.J. Daven­try. Quel­le: Impe­ri­al War Muse­ums, CH 884. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Behü­te Dich Gott! Herz­lie­bes! Gleich will ich mich schla­fen legen. Letz­te Nacht muß­ten wir ein Stünd­chen in den Kel­ler.  Die Eng­län­der waren in Kiel. Schla­fen legen, und mit den Gedan­ken an Dich, in Dei­ner hol­den Nähe, um Dein lie­bes Wesen, um Dei­ne so gro­ße Lie­be, will ich sanft ein­schla­fen.  Blei­be stark und gesund, Herz­lie­bes! Bit­te grü­ße mir die Eltern.
Hilde Weissner, Schauspielerin, Spielt Holde Rotemunde in Daheim in der Heide, 1936. Über Virtual History, 10.2015.
Hil­de Weiss­ner, Schau­spie­le­rin, Spielt Hol­de Rotemun­de in Daheim in der Hei­de, 1936. Über Vir­tu­al Histo­ry, 10.2015.

Ganz Dein bin ich, Hol­de, nur Dein! Und glück­lich, über­glück­lich bin ich, daß Du mich magst, daß Du mir Dein Herz schenkst, mir allein, Dein gro­ßes, lie­be­vol­les, teu­res Herz! Ganz fest will ich es fas­sen, nim­mer­mehr kann ich davon las­sen! Du! Gelieb­te! Hol­de!

T&SavatarsmIn treue blei­be ich Dein [Roland]! Und Du bist mei­ne [Hil­de]!!

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