5. Oktober 1941

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Sonn­tag, am 5. Ok­to­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­l­ein! Mein lie­ber, gu­ter [Ro­land]! Du!!!

Da ha­ben mich mei­ne An­zei­chen in be­zug auf Wet­ter­vor­her­sa­ge wie­der mal gründ­li­ch an der Nase her­um­ge­führt! An­statt heu­te früh vom Son­nen­schein ge­weckt zu wer­den, vom blau­en Him­mel, ver­schlief ich es ers­tens! Und muß­te um 8 [Uhr] von der Mut­sch ge­weckt wer­den, um zur Zeit in die Kir­che zu kom­men. Und es be­grüß­te mich zwei­tens ein ganz grau­er, dick ver­ne­bel­ter Tag. Man sah kaum die Nach­bar­häu­ser. Und die­ser Ne­bel wich nicht bis zum Mit­tag, da erst lös­te er sich in Näs­se auf. Nun ist Luft ge­wor­den und dann und wann schaut ein­mal die lie­be Son­ne durch die Wol­ken­wand. Wei­ter­le­sen!

28. September 1941

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Sonn­tag, am 28. Sep­tem­ber 1941.

Herz­al­ler­liebst­er! Mein lie­ber, liebst­er [Ro­land]!

Der er­s­te Sonn­tag al­lein – o ja, Herz­lieb! Ich habe es ge­spürt, wie al­lein ich heu­te war.

Aber ich will nicht kla­gen, Du! Die lie­ben El­tern hat­te ich ja bei mir, – und ich weiß ge­n­au, daß sie mich heu­te mit­nah­men, um mir mein Al­lein­s­ein zu neh­men, daß [sic] ich noch so sehr füh­le nach die­sen we­ni­gen Ta­gen Dei­ner Ab­rei­se. Ach Du! Mein Herz ist noch so wund, ich könn­te laut schrei­en vor Sehn­sucht nach Dir, Ge­lieb­ter! Und ich weiß doch ge­n­au, daß uns[e]re schö­ne Zeit zu Ende ist, daß sie ei­ner lan­gen War­te­pau­se Platz ma­chen muß­te. Die Pau­se muß ja sein – Du! – son­st kann ja kein neu­er Ur­laub kom­men! Ach, ich zwin­ge mich mit al­ler Ge­walt zur Ver­nunft, Her­zens­schät­ze­l­ein! Ich will mir nichts mer­ken las­sen – viel­leicht sieht mir Mut­sch doch mei­ne Ru­he­lo­sig­keit an den Au­gen ab. Wei­ter­le­sen!

27. September 1941

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Sonn­abend, am 27. Sep­tem­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­l­ein! Ge­lieb­ter [Ro­land]! Du!

Eben habe ich ei­nen lan­gen Schrei­be­brief [sic] an die lie­ben El­tern nach K. be­en­det. Ich zähl­te ih­nen auf, was wir an all den schö­nen Son­nen­ta­gen noch mit­ein­an­der un­ter­nah­men, er­leb­ten. Wie wir Dich aus­rüs­te­ten auf die Rück­rei­se, da­mit sie sich nicht sor­gen! Und wie der letz­te Tag in der Hei­mat ver­lief. Sie wer­den sich ge­wiß recht freu­en, daß ich sie mit teil­ha­ben las­se an al­lem. 4 lan­ge Sei­ten sind es ge­wor­den. Wir sind heu­te so­weit fer­tig mit un­se­rem Pro­gramm (Rei­ne­ma­chen)[,] ich den­ke nicht dar­an, mich zu über­stür­zen. Wäh­rend ich schrieb, stand ein He­fe­ap­fel­ku­chen im Ofen. Wei­ter­le­sen!

02. Juni 1941

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Pfingst­mon­tag, am 2. Juni 1941.

Herz­al­ler­liebst­er! Mein lie­ber, lie­ber [Ro­land]! Ge­lieb­ter mein!

Ich bin wie­der zu Hau­se, da­heim! Ach, da ist es doch am al­ler­schöns­ten, glaub­st [sic]? Eben ha­ben wir Abend­brot ge­ges­sen, den Va­ter zum Dienst fer­tig ge­macht und nun ist es gleich 6 Uhr am Abend. Es will ein Ge­wit­ter los­bre­chen, von H. her­über kommt eine schwar­ze Wol­ken­wand ge­zo­gen – der Don­ner rollt schon. Wei­ter­le­sen!

31. Mai 1941

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Pfingst­sonn­abend, am 31. Mai 1941.

Mein ge­lieb­tes, teu­res Herz! Du mein lie­ber, gu­ter [Ro­land]!

Glo­cken­klang dringt von drau­ßen her­ein in’s Zim­mer, es ist gleich 7 Uhr abends. Sie läu­ten das Pfingst­fest ein! So schön ist das im­mer und so sin­nig – ach Herz­lieb! Könn­test Du nun heu­te, wie es frü­her war, an mei­ner Sei­te sein, Dich mit mir freu­en am Fei­er­abend, freu­en auf das Fest und den Kirch­gang. Das ist al­les so schön, lieb, so selbst­ver­ständ­li­ch, dies[es] Pro­gramm, wie wir es Jahr für Jahr hal­ten. Und es ist so recht ein Au[s]druck hei­mat­li­chen Brauch­tums und hei­mat­li­cher Sit­te. Herz­lieb! Mein Herz­lieb! Du wirst an all das den­ken, heu­te – mor­gen. Ach, ich weiß es doch, Liebst­er!! Du!! [Du] Soll­st nicht trau­rig sein bei Dei­nem Heim­ge­den­ken, Ge­lieb­ter!! Du bist ja sooo fest und sooo lieb in mein Herz ein­ge­schlos­sen, Du nimmst an al­lem mit teil!! Du gehst mit mir, wo­hin ich mei­ne Schrit­te auch len­ken mag!! Ge­lieb­ter!!! Du bist mir im­mer ge­gen­wär­tig!! Wei­ter­le­sen!