13. Oktober 1941

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Mon­tag, den 13. Okt. 1941

Herz­lieb! Du, mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]! Hol­de mein!

Hu kalt ist’s heu­te bei uns. Über Nacht ist es an­ders ge­wor­den. Re­gen und Sturm ha­ben sich auf­ge­macht. Ich ging spät zu Bett ges­tern. Der Sturm heul­te um und durch un­ser Haus. Et­li­che Fens­ter­schei­ben sind noch lose bei uns. Und dort fuhr er hin­ein und trieb sein Un­we­sen die gan­ze Nacht mit Türen- und Fens­ter­schla­gen. Ich habe schlecht ge­schla­fen des­halb. Wei­ter­le­sen!

04. Oktober 1941

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Sonn­abend, am 4. Ok­to­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Ge­lieb­ter! Mein liebs­ter [Ro­land], Du!!!

Die Glo­cken läu­ten den Fei­er­tag ein – Reichs­ern­te­dank­fest – wie schön, noch­mal so schön wäre mein Fei­er­abend, wenn Du bei mir wärst! Ge­lieb­ter!!

Es kann nicht sein – und so müs­sen wir nun wie­der, wie gut und tröst­lich ist es doch!, zum Pa­pier grei­fen, um we­nigs­tens uns[e]re Ge­dan­ken auf­zu­schrei­ben, sie dem liebs­ten Men­schen zu schi­cken, das [sic] er uns nahe ist und mit­er­lebt und -emp­fin­det. Das macht auch das Her­ze leicht, den Blick hell und er­füllt die See­le mit Freu­de; nichts tue ich doch lie­ber, als Dir mich mit­tei­len, als Dir schrei­ben! Wei­ter­le­sen!

02. Oktober 1941

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Don­ners­tag, am 2. Ok­to­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Mein lie­ber, gu­ter [Ro­land]! Ge­lieb­ter!

Zu­erst muß ich mir et­was von der See­le schrei­ben, Du!! Ich habe ges­tern ge­lo­gen. Wirst Du böse sein? Du?!! Uns feh­len ein Paar Schlüs­sel, Du weißt, und ich habe in uns[e]rer Woh­nung al­les und alle Ecken durch­sucht, ich kann sie nir­gends fin­den. Und weil ich auch nun das um­ständ­li­che Auf­ein­an­der­war­ten we­gen der Schlüs­sel satt hat­te, bin ich zum Schlos­ser ge­gan­gen und habe mir paar neue ma­chen las­sen. Wei­ter­le­sen!

18. August 1941

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Mon­tag, am 18. Au­gust 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter mein!! Ge­lieb­ter!!! Mein lie­ber, liebs­ter [Ro­land]!

Ges­tern, am Sonn­tag, bin ich doch gar­nicht dazu ge­kom­men, mei­nem Herz­lieb zu schrei­ben! Du wirst mir dar­um nicht böse sein – ich weiß es, Du!! Daß ich Dein ge­dacht habe im­mer­zu! Ge­lieb­ter!! Du weißt es, so wie Du weißt, daß ich Dich über al­les lie­be. Lore G. war bei uns ges­tern, ich habe Dir wohl schon ge­schrie­ben, daß sie zum Sonn­tag bei uns blei­ben woll­te, weil sie ganz al­lein da­heim ist. Wei­ter­le­sen!

16. August 1941

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Sonn­abend, am 16. Au­gust 1941.

Ge­lieb­ter!! Mein lie­ber, gu­ter [Ro­land]! Herz­al­ler­liebs­ter!!

Die Glo­cken läu­ten den Sonn­tag ein – es ist 6 Uhr abends. Und jetzt erst bin ich so­weit, Dein zu den­ken. Ach, das war wie­der ein aus­ge­füll­ter Tag heu­te. Mor­gens um 6 [Uhr] bin ich raus aus den Fe­dern. Ich schla­fe jetzt gleich mit im El­tern­schlaf­zim­mer, wenn Va­ter Nacht­dienst hat; da wer­de ich we­nigs­tens mor­gens um 600 [Uhr] wach wenn er heim­kommt. In mei­nem Käm­mer­le höre ich nichts – da schla­fe ich wie ein Mur­mel­tier! Und so ich auch Mutsch abends auf­tra­ge, mich zu we­cken um 600 [Uhr] – sie denkt nicht dar­an! Es tut ihr leid, meint sie, weil ich im­mer so schön schlie­fe! Dar­über habe ich mäch­ti­ge Wut!! Wei­ter­le­sen!