17. Oktober 1938

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16.10.38.

O., am 17.10.1938.

Lieber Herr [Nordhoff]!

Einen ganz seltenen Weg hatte diesmal Ihr Brief zu gehen, ehe ich ihn lesen konnte. Am Sonntagmorgen um 8 Uhr war bei uns Luftschutzübung — ‚Fliegeralarm’. Eine Prüfungskommission, bestehend aus 6 Herren, durchstöberte das Haus vom Keller bis zum Boden. Herr Lehrer Geißler als Anführer, blies gewaltig in seine Trillerpfeife, das war das Signal: „Alles was laufen kann, runter in den Schutzraum!″ Dieser Betrieb im Treppenhaus. Als ich um die Ecke rennen will, kommt der Briefträger — lachend, er möchte mir noch was Schönes mitgeben auf den finster[e]n Weg. Er war vielleicht froh, daß er sich diesmal den Weg bis zu unser[e]m Briefkasten ersparen konnte und ich — bin so rot geworden. Die Herren guckten einander vielsagend an und lachten. Den Brief wegnehmen, runter in den Keller, das war eins. Dort hab[‚] ich ihn erst mal im Kleidausschnitt verstaut und aufgeatmet. Weiterlesen!

15. Oktober 1938

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13.10.38

L. am 15. Oktober 1938.

Liebes Fräulein [Laube]!

Dreiundzwanzig Bilder besitze ich jetzt von Ihnen und dreiundzwanzig Briefe. Das mag für mich der Anlaß sein, mich Ihrem Briefgedenken anzuschließen.

Diesmal habe ich besonders ungeduldig auf Ihren Brief gewartet, ohne daß ich einen rechten Grund dafür anführen könnte. Ganz gegen die Abmachungen begann die Schule erst am Dienstag, der Schulleiter teilte mir das am Sonnabend mit, ich reiste also Montag. So froh und leicht wie am Montagmorgen ist mir lange nicht gewesen, und dabei war doch Abschiedstag. Ich erwähne das nur, weil Sie schreiben, daß Sie am Montag meiner besonders gedacht haben. Weiterelesen!

11. Oktober 1938

Briefmark, Eröffnung des Theaters Saarpfalz in Saarbrücken, Erstausgabetag: 9. Oktober 1938, DR 1938 673, herunterladen von http://commons.wikimedia.org/wiki/File:DR_1938_673_Theater_Saarpfalz.jpg, August 2013
Briefmark, Eröffnung des Theaters Saarpfalz in Saarbrücken, Erstausgabetag: 9. Oktober 1938, DR 1938 673, herunterladen von http://commons.wikimedia.org/wiki/File: DR_1938_673_Theater_Saarpfalz.jpg, August 2013

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O., am 9. Oktober 1938.

am 11. Oktober 1938.

Lieber Herr [Nordhoff]!

Vielen Dank für den lieben, langen Brief. Bevor ich nun weiterschreibe, müssen wir aber mindestens eine Minute Gedenken opfern für ein kleines und doch für mich so großes Ereignis: Ich habe am letzten Male den 25. Brief von Ihnen erhalten! Auch müssen wir der Post, unser[e]m zuverlässigen Freunde dankend gedenken — für die Zuverlässigkeit mit der sie uns erfreute, trotzdem unser Briefwechsel immer ohne Absender stattfand.

Rechnen Sie einmal zurück — am 4. Mai wagte ich das erste Mal, Ihnen zu schreiben.

Auszug aus dem Brief vom 4. Mai 1938
Auszug aus dem Brief vom 4. Mai 1938

Fast ein halbes Jahr ist seitdem vergangen, reich an Erlebnissen aller Art. Nachdem wir nahezu 2 Jahre lang nebeneinander und doch wieder aneinander vorbeilebten, fügte es sich auf so eigene Art, daß wir uns näher kamen. Eine Freundschaft verbindet uns jetzt und ich fühle mich in dieser Freundschaft so froh und glücklich. Und ich möchte Ihnen, der so lange abseits stand, recht viel Sonnenschein bringen, Sie auch glücklich machen. Weiterlesen!

07. Oktober 1938

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B. am 7. Okt. 1938

Liebes Fräulein [Laube]!

Wenn ich am kommenden Sonntag meine ‚Diensträume’ wieder betrete, wird die Erinnerung an Ihren Besuch lebhaft werden. Sie kennen nun meine Behausung, sind meine Wege gegangen, und mir wird es manchmal vorkommen, als seien Sie mit anwesend und schritten neben mir, ich werde mich manchmal geheim beobachtet fühlen. Müde Beine haben Ihnen zwei Tage lang die Erinnerung gewaltsam wachgehalten. Das Wandern und Laufen ist meine Passion. Ich brauche dazu gar nicht immer ein Ziel, auf das ich besonders spitze; oft gehe ich hinaus nur, um mich auszulaufen, um mein inneres Gleichgewicht wiederzuerlangen.

Da Sie alltags soviel in Räumen sitzen, kann Ihnen die Bewegung an frischer Luft nur gut sein. Uns[e]re Begegnung war nicht ohne Reiz. Sie war so geheim und doch nichts Verbotenes. Sie war abenteuerlich und doch nicht planlos. Sie war für Zuschauer und Aufpasser, wenn es solche gegeben hätte, voll Freiheit und über [die] gewohnten Grenzen; aber wir beide steckten die Grenzen der Freiheit selbst und achteten sie. Ihre Mutter selbst holte Sie ab von diesem abenteuerlichen Rendezvous (Stelldichein). Weiterlesen!

02. Oktober 1938

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O., am 2. Oktober 1938.

Lieber Herr [Nordhoff]!

Ein heißer Schreck durchfuhr mich heute in der Kirche. Ich glaubte[,] Sie unter der Gemeinde sitzen zu sehen. Im selben Moment als ich Sie entdeckt glaubte, wurde es nämlich neben mir laut: „Seht an, da ist Herr [Nordhoff]!” Dann aber wendete sich der Herr einmal um und wir sahen den Irrtum. Weiterlesen!