25. April 1942

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[Saloniki] Sonnabend, den 25. April 1942

Geliebte! Herzelein! Meine [Hilde]! Mein geliebtes Weib!

Nun strahlt sie mir zurück die Sonne Deiner Freude, Deines Glückes! Geliebte! So mächtig und strahlend, so groß und reich – spiegelt alle große unendliche Liebe, die Du mir bewahrst – oh Geliebte! [Das] Kündet mir, dass ich Dich beglücken kann – daß große, tiefe Liebe uns bewegt. Du! So strahlend und sieghaft und gewiß leuchtet mir Deine Liebe! Oh Herzelein! Du! Du!!! Unser Glück! Segne es Gott!

Ach Du liebes, liebstes Menschenkind! Herzelein! Wir können einander doch so tief beglücken! Wie schlägt es mir voll dankbarer Liebe entgegen, Dein Herz! Oh Herzelein! Die Freude, die ich Dir bereiten durfte, sie ist doch nur erst wieder ausgelöst durch Dein Lieben, das mein Herz so ganz gefangen nimmt. Herzelein! Schätzelein! Es gilt nicht mehr mein und dein zwischen uns – es ist  nur noch ein wundersames Streben der Liebe zwischen uns! Du liebes, liebes, liebstes Herzelein! Du! Mein. Mein!!! Oh Du! Wie glücklich, wie kindesselig halt[‘] ich Dich in meinem Arm – das glücklichste Mannerli auf dieser Welt, Dein Mannerli! Oh Geliebte! Daß Du mein Lieben entbandest und befreitest! Daß Du mich liebhast, Du! Du!!! Du!!!!! !!!!! !!! Herzelein. Ich könnte doch Deine lieben, beglückenden Worte wiederholen: Was können Liebende mehr erhoffen als nur innigstes Einssein? Wir sind dieser köstlichsten Erfüllung teilhaftig! Ja! Du! Du!!! Herzensschätzelein! Oh Du! Du!!! Du!!!!! Geliebte! Ich weiß, wie sehr Du mich liebst! Ich fühle es, wie Deine unendliche Liebe mich hält und trägt – oh Du! wie sie zu mir kommt, oh Du! So mächtig manchmal und voll Sehnen! Oh Du! Du!!! Geliebte! Ich weiß, wie Du mich liebst, Du! Du!!!!! !!!!! !!! Oh Herzelein! Mein Lieben – es ist Dein Lieben – unser Lieben!!! Ich befehle es mit Dir gläubigen Herzens der Hand Gottes

Nun weiß ich doch schon, wie es beim Geburtstag war. Und wichtiger Geburtstag mit Besuch – ich freue mich doch mit Dir darüber. Und auch das Mannerli hatte sich ganz pünktlich eingestellt. Ach Du! Daß ich Dir nur Freude bereiten konnte! Ich habe doch keinen lieberen Wunsch, ich weiß doch nichts Schöneres mehr auf der Welt als Dich zu erfreuen!

Herzelein! Du weißt es nun schon, daß Deine Boten vom Sonnabend und Sonntag zu mir gekommen sind, die Sonnenkinder, die Glückskinder. Ganz viel Freude haben sie mir gebracht! Ach Herzelein! Laß Dir immer solche Freude bringen vom Mannerli! Du Sonnenk[in]d! Laß mich Deine Sonne, Deinen [sic] Sonnenstrahl sein!

Kam doch wie gerufen, der liebe Sonnabendbote. Wir wollten doch zum Baden gehen, und gegenüber vom Bad wohnt doch der Schuster. Na, nun hat mein Schätzelein erst mal selber gesehen, auf wie großem Fuße es lebt, gelt? Du! [Es] Ist so groß wie das Füßerl vom Mannerli. Ich habe doch im Badestübel gleich mal Maß genommen. Du! Ich hätte doch die Stieflein einfach nur können ausmessen lassen, dann passen sie Dir genau. Und wenn ich sie werde abholen, kann ich ja gleich probieren, ob er richtig nach Maß gearbeitet hat. Die Zeichnung habe ich ihm gleich dortgelassen [sic], habe mit ihm an Hand einer Skizze noch die Maße besprochen – und nun Glück zu! Pelzstiefelein! Du! Ich freu[‘] mich doch mit Dir! Am kommenden Sonnabend sollen sie fertig sein!

Badetag war also beim Mannerli! So warm war es heute in der Mittagssonne! Ein prachtvoller Tag! Nach Dienstschluß um 5 Uhr habe ich mir doch mein Blauzeug [: Ausgehanzug der Kriegsmarine] angetan – im Dienst tragen wie jetzt Khaki- und bin mit K. zu einem Abendbummel an den Stadtrand gefahren. Das Wetter lockte zu sehr. Es war auch ein hübscher Spaziergang. Und wir haben uns[e]re Augen weiden lassen auf der Farbe [sic], die hier so selten ist, dem Grün.

Nun sind die Kameraden wieder ins Kino geschlumpert [sic] – Dein Schätzelein drängte es zu seinem Herzlieb, zu Dir! Ach zu Dir!!! Oh Geliebte! Ich möchte doch so gern bei Dir sein – möchte die Feder so gern beiseite legen und die Worte schweigen lassen. Dein[e] lieben Bilder sind um mich versammelt – und ich muß von einem zum ander[e]n sehen – ach Herzelein! Ich bin so glücklich! Sooo glücklich! Und dieses Glücklichsein überkommt mich in einer großen, inneren Ruhe, in seligem Müdesein! Und ich werde mich auch nicht länger zwingen, will mich dem Glücksgefühl überlassen, will mich umfangen lassen von der trauten Geborgenheit Deiner Liebe! Oh Herzelein! [Ich] Will sie all heraufbeschwören, die Orte uns[e]res Liebhabens und Einsseins. Oh Du! Gott im Himmel wird bei uns bleiben. Er wird uns ein Wiedersehen schenken, auch ein Wiedersehen für immer! Darauf hoffe und vertraue ich mit Dir gläubigen Herzens! Herzelein! Wir können doch nicht anders! Weil wir einander sooo lieb haben!

Herzelein! Schätzelein! Herzallerliebste!!! Ich bleibe Dein! Ewig Dein! Ich bleibe Dir treu, ganz treu! Ich harre aus mit Dir! Stark und getreulich! Ich kann doch nicht anders, weil Du mich so lieb hast – weil in meinem Herzen unser Glück schlägt, oh Du! Sooo groß und tief! und reich! Das Köstlichste auf Erden! Oh Du! Mein Herzensschatz! Einzig! Unersetzlich! Ach Herzelein! Ganz tief ins Herz mir geglüht Dein Bild! Dein Herz! Deine Liebe! Mit diesem Glücksgefühl laß mich heute schlafen gehen.

Ich küsse Dich, sooo lieb, sooooooo lieb! Ich habe Dich sooooooooooooo

lieb.

Gut Nacht, Schätzelein! Ich bin bei Dir!

Ewig Dein R[oland]

Herzelein! Einen lieben guten Morgen wünsche ich Dir und einen ganz lieben  Gutenmorgenkuß kriegst [Du] von mir! Ein schöner Tag kündigt sich an. Weißt, wenn der Tag so wolkenlos und strahlend schön anbricht, dann ist es mir, als wollte er einen hier gefangen halten. Viel lieber habe ich ziehende Wolken, [ich] sehe auch ein wenig grau am Himmel, dann erkenne ich doch die Ferne und der Himmel sagt mir, daß es noch viel schöner werden kann – dann, wenn ich bei Dir bin, bei Dir!!! Herzelein!

Morgen, am Montag, soll umgezogen werden, dann wären wir heute den letzten Tag in der Villa am Meer. Aber ich glaube noch nicht daran.

Herzlieb! Ihr werdet jetzt am Kaffeetisch sitzen, vielleicht habt Ihr auch einen so strahlenden Frühlingsmorgen und dann flutet von draußen die ganze Sonnenpracht gebrochen in euer Schlößchen und ruft zu froher Ausfahrt – von der Ausfahrt, von der es dann doppelt schön sich heimkehrt. Oh Herzelein! Wie gerne wäre ich dabei! Du! Du!!!

Aber einmal muß er doch anbrechen, der Tag des Friedens, und der Heimkehr, und unseres höchsten Glückes!

Herzelein! Dann wird die Sonne ein paar ganz glückliche Menschenkinder sehen, die glücklichsten auf Erden – zusammengeführt dann – endlich! – Die sooo tief sich suchten und sehnten, die so mächtige Liebe verbindet über alle Ferne!

Geliebte! Ich bin Dein! So ganz Dein! Oh Herzelein! Ich fühle mich Dir so ganz innig verbunden – eins mit Dir – ganz allein mit Dir – und um uns her ein reicher Garten der Liebe – unser der [sic] Garten! – unser Nestlein darin – und Du! Holde, Feine, Geliebte! Über alles Geliebte!

Sei Gott mit Dir auf allen Wegen!

Du! Geliebte! Ich halte Dich ganz lieb und fest umfangen – mein, Du!

Mein!!! Dein  überglückliches Mannerli! Ich küsse Dich herzinniglich!

Ich liebe Dich!

Ewig Dein [Roland]

Eine Antwort auf „25. April 1942“

  1. Eine befremdliche Passage: R. läßt für H. bei einem Schuster Stiefel anfertigen. Darüber, dass Krieg ist und die Bevölkerung in Griechenland und ganz besonders auch in Thessaloniki mehrheitlich in großer Not lebt und vor allem der Hunger quälend ist , wird mit keinem Wort berichtet.

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