17. Juni 1941

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Dienstag, am 17. Juni 1941.

Mein liebes, teures Herz! Du mein lieber, guter [Roland]!

Herzlieb Du! Ich bin wieder zu Hause von meiner Fahrt nach B. Ach, bin ich müüde [sic]. Gestern Abend bin ich erst so spät in’s Bett, wir haben noch eine Bluse zugeschnitten für Mutsch und soweit geheftet, bis zur ersten Anprobe. Heute früh um 4 Uhr bin ich raus aus den Federn, kurz vor [… Uhr] ging ja mein Zug! Du glaubst [n]icht, wie ich mich zusammennehmen mußte heute den ganzen Tag, daß mich nicht die Müdigkeit übermannte. Ich hatte guten Anschluß und war schon 7 Uhr bei Tante, ich sage bei Tante; denn die anderen schliefen noch. Das Mädchen Gerda, eine stämmige 15 jährige ließ mich ein. Nun freute sich Tante sehr, daß ich mal kam und war doch ganz erstaunt, daß ich heute schon wieder heim mußte. Die Heidi ist noch im K., sie ist auf einer Verwandtenreise. Dem Andreas müßte ich auf dem Wege vom Bahnhof begegnet sein, meinte Tante. Habe nischt geseh[e]n! Und dann kam der nächste aus den Federn: Dankwardt, er fährt auch nach R.. Wir hatten nun herzlich wenig voneinander. Bald war der Kaffeetisch gedeckt, wir hatten uns gleich in der Küche niedergelassen, da war’s schön warm. Was glaubst, wie kalt es heute früh war, mir schlugen richtig die Zähne aufeinander auf meinem Weg dahin.

Tante Liesel kochte „echten“ von der Silberhochzeit her [sic]. Und nicht lange währte es da, stiefelte auch Onkel Erich an. Es wurde ein fröhlicher Morgenkaffee. Und es gab ein Erzählen hin und her, haben Dir nicht recht die Ohren geklungen, Herzlieb? Bilder von Dir und von anderen machten die Runde. Sie möchten so gerne ein so großes Soldatenbild haben, von Kiel! Darf ich ihnen eins schenken? Als letzter stellte sich der kleine Hamburger ein, den haben sie erst seit Freitag – er ging zur Schule um 9 Uhr.

Onkel ging dann an seine Arbeit und Tante besorgte die Wirtschaft, ich machte mich auch auf den Weg zu meinen Bauern. Bei einem wollte ich Erdbeeren kaufen, wenn’s Zeit dazu ist! Ging in Ordnung!

Auszug aus dem Brief

Beim anderen wollte ich Rhabarber. 30 [Pfund] hat er mir eingepackt! und 2 Bündel geschnürt, die konnte ich ganz schön tragen an beiden Händen. Freilich, sehr schwer war es schon, aber bis an die Bahn in B. fuhr mich Gerda mit dem Handwagen. Denk‘ Dir!: Der Rhabarberhändler bot mir ein junges Hähnchen an! Habe ich natürlich hocherfreut angenommen! Und zuletzt gab er mir auch noch 20 Eier! Ist das nicht fein? Und dabei hatte ich nicht einmal gefragt!! Ich hab[‚] es ihm auch gut bezahlt. Ich dürfte schon mal wieder kommen, meinte er beim Verabschieden. Was meinst, wie ich gestrahlt habe. Und die Eltern freuten sich!!! Tante Liesel hatte vielleicht für mich Bahn gebrochen [sic]! Ich denke es nur.

Ich habe mich dann noch bissel nützlich gemacht in der Küche beim Essenbereiten, Tante fitzt ja so. Und sie war mir auch dankbar. Unter frohem Plaudern war die Zeit vergangen wie im Fluge und wir hatten Mühe, der Großmutter, den jungen Katzen und dem Garten noch einen Besuch abzustatten. Es war ein schöner Tag. Ich soll recht bald einmal auf lange hinkommen meinten sie, soll’s aber auch mal wahr machen. Na, mal sehen!

An meinen [Roland] tausend liebe Grüße! Und sie wünschen Dir baldige, frohe Heimkehr! Sonst sind alle noch wohlauf, Hermann geht es soweit auch gut. Es fiele ihm nur schwer, sich an die Prothese zu gewöhnen; da hat er viel Schmerzen.

Das wird auch noch lange dauern, ehe alles gut ist. Aber sie müssen trotz allem immer noch dankbar sein, daß er lebt! Heidis Bräutigam ist noch in Frankreich. Hans ist in Köln, da könnte er mal unser[e]n kleinen [sic] besuchen! Ich erzählte es Onkel und Tante, sie sind ja nicht weit voneinander, Köln – Godesberg.

Welch ein Leben, welch abwechslungsreiches, in solch einer vielköpfigen Familie. Da wird einer immer in Atem gehalten. Wie still ist’s dagegen bei uns! Ob es bei [Roland Nordhoffs] mal lebhafter zugeht als bei [Laubes]? Du? Du? Mer wern’s derlaam! [wohl: mer werns derläm: wir werden es erleben]

Mein Herzlieb Du! Ich muß heute schließen ich bin soo sehr müde. Ich will morgen Deine liebe Hand wieder fassen, Du!! Heute ist gar kein Bote gekommen von Dir. Sicher dafür morgen. Ich freue mich schon – Du!!!

Nun Gut[‚] nNacht, mein Herzlieb! Mein liebes süßes! Du!!! Ich hab[‚] Dich so ganz sehr lieb! Ich bin Dein

In Liebe und Treue

Deine [Hilde]

Schlafe wohl, Herzlieb! Gott behüte Dich mir! Du!!!

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