8. Oktober 1941

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Mittwoch, am 8. Oktober 1941.

Herzensschätzelein! Geliebter! Mein lieber, guter [Roland]!

Ich sitze jetzt wieder am Tische, vor meinem lieben Papier, das mir so geduldig stille hält jeden Tag. Es wird gleich 2 Uhr mittags sein. Obwohl noch vielerlei Beschäftigung wartet, ich muß mich erst zu Dir setzen, Herzlieb! Die stille Mittagsstunde ist mir die liebste Zeit dazu, da bin ich ganz allein mit Dir und meinen Gedanken. Die Mutsch ist fort. Vater schläft noch, wenn er Nachtdiens[t] hat. Und auch unten auf der Straße ist es, als halte alles ein Stündchen den Atem an – es kommen wenig Leute, wenig lärmende Kinder, die Wagen fahren selten um diese Zeit. Weiterlsesen!

8. Oktober 1941

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[Saloniki] Mittwoch, den 8. Okt. 1941

Mein liebes, teures Herz! Holde, Geliebte mein!

Nun hebt die Zeit an, da die Finsternis und die Eisriesen wieder die Oberhand gewinnen. Halb Licht, halb Schatten, das ist das Los von uns Erdenkindern allen. Und dem langen Licht im Sommer entspricht die lange Nacht im Winter. Die aber dort wohnen, wo die Sonne immer steil am Himmel steht, sie kennen nicht die spät verglühenden Sommertage und die prächtigen Wintertage, die das aufgehende Licht gebären. Ach Herzlieb! Mitten über der Arbeit oft und sonst auch habe ich die Heimatlandschaften vor Augen, und die Herbstlandschaften sind es, die am wärmsten und tiefsten aufleuchten. Weiterlesen!