25. März 1941

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Sonn­tag, den 23. März 1941.

Mei­ne lie­be, liebste [Hil­de]! Ge­lieb­te, Herz­al­ler­liebste mein!!

Sonn­tag­vor­mit­tag ist. Wir fah­ren noch im­mer. Wei­ter, wei­ter auf der Haupt­bahn auf die Stadt zu im Rei­che der Mär­chen von 1000 und 1 Nacht. Fei­er­täg­li­ch ist die Na­tur: eine brei­te Ebe­ne mit grü­nen­den Wei­den, im Hin­ter­grun­de meh­re­re Ku­lis­sen von Hö­hen­zü­gen, die nie­deren im Vor­der­grun­de gras­be­deckt braun, die hin­te­ren schon in blau über­ge­hend bis zu den schnee­be­deck­ten Gip­feln. Es ist trü­be und noch im­mer kühl. Wei­ter­le­sen!

25. März 1941

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Diens­tag, am 25. März 1941.

Mein ge­lieb­tes Herz! Mein lie­ber, liebst­er [Ro­land]! Du!!

Du!! Ich habe wie­der von Dir träu­men müs­sen heu­te Nacht. Herz­lieb!! Weil ich so voll Sehn­sucht nach Dir bin. In eine Kir­che trat ich – nach lan­gem Wan­dern durch eine mir völ­lig un­be­kann­te Ge­gend, vie­le Seen und Wie­sen sah ich, Som­mer war; denn ich trug ein leich­tes, dün­nes Kleid – und als ich ein­trat, al­lein, in die Küh­le des [G]otteshauses, um mich ein we­nig nie­der­zu­las­sen – da hör­te ich Or­gel­mu­sik und – es war, als set­ze mein Herz­schlag aus – das konn­te nur ei­ner spie­len – so kann nur ei­ner spie­len – mein [Ro­land]! Ich spü­re ganz deut­li­ch noch die süße, wun­der­sa­me Un­ru­he, die mich er­faß­te. Du!! Von Schu­bert An die Mu­sik“ spiel­te die Or­gel – so deut­li­ch hör­te ich die ver­trau­te Me­lo­die. Und ich ging den Tö­nen nach, die schma­le Trep­pe hin­auf, und Ge­lieb­ter!! Da sah ich Dich! Dich, mein Herz­lieb! Wei­ter­le­sen!