09. März 1941

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Sonn­abend, abends um ¼ 9 Uhr.

Herz­lieb! Du!! Wie hast du mich er­schreckt! Oh – Du!! Ge­ra­de war Va­ter fort­ge­gan­gen nach N. Ich hat­te den Tisch eben ab­ge­räumt vom Abend­brot. Ganz ge­n­au höre ich im Ra­dio sa­gen: die heu­ti­ge Rund­funk­schau von Hans Frit­sche fällt aus – es ist ge­n­au 19 45 [Uhr]. Da schrillt uns[e]re Glo­cke. Soo [sic] lan­ge. Ich rufe zum Fens­ter hin­un­ter, wer da? Wei­ter­le­sen!

09. März 1941

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Sonn­tag, am 9. März 1941.

Mein ge­lieb­tes Herz! Du mein lie­ber, liebst­er [Ro­land]!

Aus Nach­mit­tag wur­de Abend. Wie­der geht ein Sonn­tag zu Ende. Wo und wie wird ihn mein Herz­lieb zu­ge­bracht ha­ben? Ach Du! Ich möch­te doch soo [sic] ger­ne Nä­he­res von Dei­nem neu­en Auf­ent­halt wis­sen. Wie­der war ein Tag voll Son­ne heu­te. Wei­ter­le­sen!

09. März 1941

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Lü­be­cker Dom mit Dop­pel­spit­ze. Foto von Tors­ten Bol­ten, 3/​2007, li­zen­ziert als CC BY-​SA 3.0 über wi­ki­pe­dia 3/​2016.

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Sonn­tag, den 9. März 1941.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be, liebste [Hil­de]!

Was wirst Du den­ken? Ich hat­te so we­nig Zeit für Dich die­se letz­ten Tage. Ach Ge­lieb­te! Nichts Ar­ges wirst Du den­ken, ich weiß es. [Du] Wirst Dir nur wün­schen, bei mir zu sein in die­sen kri­ti­schen Ta­gen und Stun­den. Herz­lieb! Du bist es auch – im­mer Du!!! [Du] Bist es mir zum Tros­te, zur Wach­sam­keit, als Mit­tel­punkt all mei­nes Den­kens und Sin­nens und Be­tens. Herz­lieb, es ringt in mir! Ich fra­ge nach dem Sinn des Neu­en – es ist die Un­ge­duld, ist Ver­zagt­heit, und ich bit­te Gott, er soll sie von mir neh­men. Herz­lieb, Schmerz will mich er­fül­len bei dem Ge­dan­ken, daß wir noch ein­mal so weit und so lan­ge ge­trennt wer­den sol­len, wo wir uns doch so sehr seh­nen, eins zu sein und mit­ein­an­der zu ge­hen. Ich fra­ge Gott und bit­te ihn, er möge uns de­mü­tig ma­chen in sei­nem Wil­len. Wei­ter­le­sen!