2. Januar 1941

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Donnerstag, am 2. Januar 1941.

Herzallerliebster!! Mein [Roland]!! Mein lieber, guter [Roland]!! Du!!

Heute, endlich kam Dein lieber Bote — ich hab[‚] ja so voll Sehnsucht auf ihn gewartet, mein Lieb! Vom vorigen Sonntag ist er noch! Nun kam er erst an, bei allem Neujahrstrubel auf der Post. Der Postbote, der normalerweise ½ 4 nachmittags erscheint, kam heut[‚] erst ¼ 6 Uhr! Vormittags kommt er ungefähr zwischen 11 – 12 Uhr. Da kann man ermessen, wie unheimlich viel Post befördert werden will! Und uns[e]re will immer zuerst drankommen, ja?

Regenwetter herrschte bei Euch im Norden? Und bei uns begann es an diesem Sonntag erst richtig zu schneien, soviel Schnee gab’s lang nicht mehr. Alle Kinder freuen sich! Und darunter bin auch ich! Du!! Der Himmel ist noch immer grau verhängt, es ist noch nicht genug des Schnee’s [sic]! Mir soll’s recht sein — nur — kälter als heute darf es nicht sein. Ich habe es ganz deutlich an meinen erfrorenen Ohren gespürt, daß wir auf einem ‚bekannten‘ Punkt angelangt sein müssen! Wieviel Grad wir haben, weiß ich nicht.

Ich bin heute nachmittag, als ich fertig war mit meiner Arbeit, wieder in meine Hösel [sic] geschlüpft und — heidi [sic]! Weg war’s Mädel! Vormittags kam Dein Bote nicht. Ich dachte bei mir: Nachmittags muß er nun kommen — bis dahin fährst hinaus in den Wald, im Zimmer halt ich das Warten so schwer aus! Ich weiß dann garnicht [sic] wo ich anfangen soll, Du!! Geht Dir’s auch so?

Ich bin also raus und wenn ich heimkomme, so hoffte ich, da ist mein Hubo schon im Kasten. Es war nun zwar nicht so! Aber nach knapp einer Stunde klingelte der Briefträger!!

Ich habe mich so sehr gefreut über Deinen lieben Brief, Du!! Und ich danke Dir aus tiefstem Herzen dafür, mein Lieb!!

Daß Du mich recht verstehst, daß Du gutheißt, wie ich handelte, mein Lieb! Ich bin so froh darüber. Du hast recht, es gibt nichts Besseres, nichts Schöneres, nichts Köstlicheres als das völlige Vertrauen zueinander. Ich könnte es nie brechen, Du!! So lieb schreibst Du mir davon, was das Vertrauen alles in sich birgt an Köstlichem in uns[e]rer Liebe! Du hast alles, alles damit umfaßt, alle Glückseligkeit, die uns umfängt in unser[e]m Bund und die mit uns und zwischen u[ns] ist, immer, Du!! So wahr sagst Du: Unser Vertrauen, es findet seine sichtbare Erfüllung in unseren glücklichsten Stunden — was wären diese Stunden, wenn dieses Vertrauen nicht bestünde? Ein Rausch, ein Sinnenrausch wären sie, aus denen uns darnach eine furchtbare Leere entgegenstarrte.

Du!!! Und wie innig, wie unlösbar verbinden und verschlingen sich uns[e]re Wesen ineinander, nach Stunden höchster Glückseligkeit — wir fühlen es immer wieder beglückend, Du!!

Wir sind einander so ganz gewiß, Herzlieb! Wir brauchen nicht zu bangen umeinander in dieser Hinsicht. Wieviel Seelenfrieden ist uns so beschieden, mein [Roland]!

Wir verteidigen unser Glück wie einen köstlichen Besitz, wie unser eig[e]nes Leben — Du!! Es ist doch unser Leben, Geliebter, unser Glück. Und Du sollst mir nicht danken, mein [Roland], wenn ich es einmal wieder verteidige Du! Es ist ja so selbstverständlich, was ich tue, um unser Glück! Und seltsam — Du! Es wachsen mir ungeahnte Kräfte, wenn ich an Dich denke, mein Geliebter!

Wie sicher gehe ich auf mein Ziel los, es ist als stündest Du unsichtbar, doch so fühlbar neben mir, Liebster! Das ist so beglückend, Du!! Und wenn wir die Versuchung wieder einmal stark abgewehrt haben, ach Herzlieb! Dann fühlen wir doppelt beglückend, wie unendlich viel Seligkeit unser Bund umschließt, wie wert wir einander sind. Und was es doch unersätzlich Köstliches ist um eine echte Lebenskameradschaft.

Noch eines zur vergangenen Geschichte: Du sollst nicht denken, mein [Roland], daß ich mich ohne einen Grund gegen einen Menschen wende, wie es hier bei meinem Onkel F. der Fall ist. Nicht aus meinem Antipathiegefühl heraus — nein — das wäre verkehrt, ein unschöner Zug von mir. Ich habe meinen Grund; ich bin auch ganz hart nun gegen ihn und unbarmherzig — ich kann nicht gegen mein inneres Empfinden handeln. Bitte erspare mir, daß ich Dir den Grund nenne, Du!! Wenn mich einer beleidigt, dann kenne ich kein Verzeihen. Außer dem, dieser Mensch sei meines Verzeihens wert. Vertraue mir, Liebster! Ich gehe den rechten Weg, ich bin wachsam. Ich wehre mich nur, wo ich muß. Ich fordere keinen heraus.

Herzallerliebster!! Was Du mir Liebes sagst zum neuen Jahre, es macht mich so glücklich! Du!! Nimm meinen Dank, Herzlieb! Du!! Ich küsse Dich recht lieb! Es sei zum Zeichen meines großen Dankes. Du weißt ja nicht, wie unsagbar beglückend es ist zu wissen, daß ich Dein treuer Weggesell bin, daß ich Dir viel, so viel bedeute! Daß Du mich schützend umfängst mit aller Liebe und Kraft, als Dein geliebtes Weib! Ach Du!! Du!!! Es ist so reiches Glück, mein [Roland]!! Ich liebe Dich so sehr — so sehr!! Du!! Wenn ich an Deiner Seite schreiten darf, dann ist alles um mich her verklärt durch ein goldenes Licht. Dann bin ich so wunschlos glücklich, Du!! Möge die Güte und die Liebe Gottes auch in diesem Jahre segnend auf uns ruhen, mein [Roland]! Möchte all unser Hoffen und Sehnen Erfüllung finden! Ich wäre so von Herzen dankbar! Ich wollte Dich so gern, ach so sehr gern heimkehren sehen für immer, Du!!!

Wir wollen unseren Herrgott recht herzlich bitten, er möchte alles zum Besten wenden. Alle die Lieben, wenn sie erst wieder in der Heimat sein dürfen, H., S.; wenn wir wieder alle einmal froh um der Eltern Tisch sitzen können — ich sehne mich danac[h]. Und welche große Freude für die lieben Eltern, wenn die Jungen endlich wieder daheim sind! Gebe Gott, daß sich unser Sehnen nach dem Frieden erfüllt.

In den H. bin ich gefahren mit den Schneeschuhen heute, es war wie im Märchen, Liebster! So still, so weiß und unberührt lagen Wege und Flächen vor mir; ganz ergriffen schaut man so viel winterliche Pracht. Ich möchte mit Dir so gerne einmal durch solchen tiefverschneiten Wald gehen, mußt bald kommen, Du!!

Ein Sturm hat sich aufgemacht gegen Abend — er wird mehr [Sch]nee bringen. Und Kälte! Im Radio sagten sie jetzt etwas über die Neuregelung der Kohlenfrage, die wohl noch im Januar in Kraft treten soll — ich habe nur halb hingehört. Es wäre wirklich an der Zeit!

Herzallerliebster!! Für heute: Gott behüte Dich mir! Bleibe froh und gesund! Mein Geliebter!! Ich liebe Dich so innig! Ich sehne mich so sehr nach Dir!! Bald, bald wird die Zeit des Wartens vorüber sein, Du!! Dann kommst Du zu mir — zu mir!! Ich freue mich so sehr!! Geliebter!!! Du bist mein, ganz mein!!! Und ich bin nur Dein!!! In Liebe, in Treue, in Dankbarkeit immerdar

Deine [Hilde], Deine Holde.T&Savatarsm

2. Januar 1941

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Donnerstag, den 2. Januar 1941.

Herzlieb! Geliebte! Meine liebe, liebe [Hilde]! Holde mein!

Läßt mich heute so lieb an Deinem Sylvester teilnehmen! Hast mich so lieb und fest an Dein Herz geschlossen! Ach Du! Hast mich ja eingesperrt in Dein Herzel – und Dein Hubo – erst hat er sich gefürchtet, und hat gezögert; hat an seine Freiheit gedacht, hat gebangt, es möchte zu eng und klein sein, Dein Herz, – und nun. – und nun? – Du!!! Du!!!!! – jetzt ist er fest eingeschlossen und sagt nur – sperr zu! Fest zu!! Halt ihn ganz fest!!! Es ist ja so groß und weit und lieb – Dein Herzel, ach Du!!! ach Du!!! Geliebte!!! Ich möchte ja so gern wieder mal dran pochen und lauschen und fragen, ob er auch drin ist, Dein Hubo – möchte ganz leis[´]  darüberstreicheln – und möchte es dann ganz fest an mich pressen und – Du!! – und – – – Liebste – – möchte es – – sehen – – Herzlieb!!! Deines, Geliebte!!! Keines auf Bildern, kein Fremdes! Weiterlesen!