08. November 1940

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Gold­ma­rie aus dem Mär­chen Frau Hol­le, Il­lus­tra­ti­on von Her­mann Vo­gel (1854-​1921), hoch­ge­la­den 08.2006 von Dr. Mei­er­ho­fer, li­zen­ziert un­ter Ge­mein­frei über Wi­ki­me­dia Com­mons, 11.2015.

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Frei­tag, am 8. No­vem­ber 1940.

Ge­lieb­ter!! Herz­al­ler­liebst­er!! Du!! Mein [Ro­land]!!

Ich darf kom­men!!! Du!!! Weißt Du denn was das mir be­deu­tet??

Ach, Du weiß es ja ganz ge­wiß!! Herz­lieb!! Ich habe so sehr ge­war­tet und ge­bangt um Dei­nen Brief! Ich ahn­te schon, daß er dies­mal die Ent­schei­dung bringt nach ei­ner Sei­te hin! Du!!! Und er hat die Ent­schei­dung ge­bracht, Herz­lieb! Nach der rech­ten, gu­ten Sei­te hin!! Weißt in wel­cher Stel­lung er mich heu­te früh über­rasch­te, Dein so lie­ber Bote? Vorm Ofen­loch kau­ernd, woll­te den [sic] Feu­er ma­chen. Und nun zog ich mir das Fuß­bän­kel ran und öff­ne­te den ,Ver­hei­ßungs­vol­len’ Du!! Wei­ter­le­sen!

08. November 1940

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Frei­tag, den 8. No­vem­ber 1940

Herz­al­ler­liebste! Mei­ne lie­be[,] lie­be [Hil­de]! Hol­de mein!

Vor acht Ta­gen war ich nun ganz neu hier. Jetzt bin ich schon ein we­nig hei­mi­sch hier. Das heißt nicht, daß mir al­les ge­fällt, aber ich bin mit dem wich­tigs­ten ver­traut, mit den Le­bens­ge­wohn­hei­ten hier und auch mit et­li­chen Ob­lie­gen­hei­ten mei­nes Diens­tes. Es gibt hier kein flie­ßend Was­ser. Das ist ein gro­ßer Man­gel. [T]äglich kommt von Pfer­den ge­zo­gen ein Was­ser­wa­gen. Man bohrt dicht ne­ben­an schon lan­ge an ei­nem Brun­nen. Mit dem Was­ser hat es in Nord­deutsch­land über­haupt sei­nen Ha­ken. Ein paar Ver­bes­se­run­gen mö­gen auch ver­zeich­net sein: Früh kön­nen wir uns Bröt­chen kau­fen in der Kan­ti­ne. Wei­ter­le­sen!

26. Oktober 1940

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Sonn­abend, am 26. Ok­to­ber 1940.

Herz­al­ler­liebst­er! Du mein ge­lieb­ter [Ro­land]! Du!

Heut[‘] ist Dein Feiertag—Bummeltag. Wirst [Du] wie­der in die Stadt fah­ren? Viel­leicht heu­te das letz­te Mal bis auf wei­te­res! Du! Bei uns liegt heut[‘] der er­s­te Schnee! Kalt ist’s! Ich könn­te Dich brau­chen, mein Hubo! Wei­ter­le­sen!

26. Oktober 1940

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Sonn­abend den 26. Ok­to­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz! Ge­lieb­te! Hol­de! Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Sonn­abend­nach­mit­tag. Die gro­be Ar­beit ist ge­tan: Stie­fel ge­putzt, Spind sau­ber ge­macht, Kop­pel­zeug blank, Knöp­fe an­ge­näht, ge­ba­det. Nun kann ich die fei­ne Ar­beit vor­neh­men. Fast leer ist die Stu­be. Vie­le sind wie­der nach Kiel ge­fah­ren. Ich will heu­te häus­li­ch blei­ben. Mor­gen am Nach­mit­tag will ich mal aus­rü­cken. Dies ist wahr­schein­li­ch der letz­te Sonn­abend hier. Wo wer­de ich dann sit­zen, mit Dir zu plau­dern? Kom­men­den Sonn­abend, heißt es, wer­den wir um­zie­hen. Alle sind ge­spannt. Lau­ne und Über­mut ist in alle ge­fah­ren, die Vor­ge­setz­ten nicht aus­ge­nom­men. Für sie geht ein Stück Ar­beit zu Ende, für uns die Rekruten- und Aus­bil­dungs­zeit. Für Be­sich­ti­gung wie für Ab­schieds­fei­er wird zu­gleich ge­rüs­tet. Mei­ne Ver­se sind fer­tig und ab­ge­lie­fert. Wei­ter­le­sen!

07. November 1940

Karte der Wahlergebnisse nach Bundesstaat
Wahl­er­geb­nis­se der Prä­si­dent­schafts­wahl in den USA vom 5. No­vem­ber 1940. Kar­te von AndyHogan14. Li­zen­ziert un­ter Ge­mein­frei über Wi­ki­me­dia Com­mons, 11.2015.

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Don­ners­tag, am 7. No­vem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebst­er! Mein lie­ber, lie­ber [Ro­land]! Ge­lieb­ter Du!

Die ver­gan­ge­ne Nacht war ganz hell und stern[en]klar. Alarm war zu er­war­ten und wenn man sich die­sem Ge­dan­ken zur Ruhe be­gibt, schläft man meist ganz un­ru­hig. Ge­gen 200 er­tön­te dann auch die Si­re­ne, aber nicht bei uns, der Wind trug es von weit her. Ich war­te­te nun und lausch­te, bis die uns[e]re an­fing. Nichts. Nach 3 [Uhr] ent­warn­te die and[e]re Si­re­ne wie­der. Es schien wie­der die Leip­zi­ger Rich­tung zu sein. Wei­ter­le­sen!