02. November 1940

Carl von Clausewitz
Carl von Clausewitz, klassischer deutscher Realist in Fragen des Krieges, Malerei von Karl Wilhelm Wach, Quelle: Hohum, von www.nodulo.org, lizenzfrei über Wikimedia Commons. 10.2015.
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Sonnabend, den 2. November 1940

Mein liebes, teures Herz, meine liebe, geliebte [Hilde] Du!!

Ich habe schon manchmal es erlebt und empfunden, daß ich mich auf die Wirklichkeit einstellen kann, daß ich ein Realist bin. Herzlieb, dieses Vermögen bewahrte mich gestern abend wieder vor Trübsinn und erleichtert es mir, mich in eine neue Situation einzuleben. Und heute habe ich ihr schon ein paar Lichtblicke abgewonnen. Was hätte mich denn leicht trübsinnig stimmen können? Diese etwas triste Umgebung diese Feldlagers, dazu mein Alleinstehen hier, dazu der zunächst völlig grundlose Gedanke, ich möchte ein schlechteres Los gezogen haben als die Kameraden. Und welches sind die ersten Lichtblicke? Weiterlesen!

02. November 1940

GWG „Ei­ge­ne Schol­le, Hal­le, wohl zwi­schen 1934-​39.

[401102-​2-​1]

Diens­tag, am 29. Ok­to­ber 1940.

Herz­al­ler­liebst­er! Ge­lieb­ter Du! Mein lie­ber, lie­ber [Ro­land]!

Mit dem Brief­kas­ten­schlüs­sel be­waff­net ging ich heu­te früh ge­gen 5 Uhr zum Markt nach L.

Als ich vor die Haustür trat, Du! Wahr­haf­tig! Er [sic] war­te­te schon der Liebste! Es schim­mer­te weiß durch die Öff­nung des Kas­tens. Du!! Wie ich froh bin, wenn ich ihn fas­sen kann, Dei­nen lie­ben Bo­ten. Du kann­st mir’s nach­füh­len, Du freust Dich ja eben­so sehr wie ich. Du! Warst nun heut[’] mit mir auf dem Wo­chen­markt! Hof­fent­li­ch hast Du mir nicht auch so ge­fro­ren wie ich! Eine ganz rote Nase hab[’] ich mit heim­ge­bracht. Und ich konn­te Dich doch heut früh auch nicht an mein Herz drü­cken; der­weil an mei­nem Her­zen ru­hen las­sen, wo es schön warm ist, Du wärst mir ja un­ten durch ge­rutscht, Du! Wei­ter­le­sen!