28. Oktober 1940

Erntedankfest dt. Konsulat St. Gallen
Landauf, landab, im Deutschen Reich und überall dort, wohin die ‚Volksgemeinschaft‘ sich hin ausgebreitet hatte, waren die Menschen—wie Hilde—mit den Erntedankfeiern beschäftigt. Einladung zum Erntedankfest 1940 des dt. Konsulats in St. Gallen, fotografiert in St. Margrethen, Kanton St. Gallen, in der Festung Heldsberg von Kreteglobi, 08.2014. Lizenziert über Wikimedia Commons, 10.2015.
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Montag, am 28. Oktober 1940.

Herzallerliebster! Mein lieber, lieber [Roland]! Geliebter Du!

Deine Mittagspause wird jetzt bald zu Ende geh[e]n und die eine fängt jetzt an. Komm, rück mal erst ganz nah heran. . . so begannst du gestern in Deinem lieben Briefe. Du! Wenn Du auch eine 13 geschossen hast und eine Fahrkarte dazu, ich bin trotzdem stolz auf Dich! Das kann nicht jeder, glaubst? Wenn Du nur allein in mein Herz triffst, Du!! Mehr braucht es nicht! Und die Fahrkarte? Die lasse Dir nur auch geben. — Die übrige Post, die Du noch nach K. sandest, ist nun in meine Hände gelangt. Du wirst es schon aus meinen Antwortbriefen ersehen haben. Frau Scheibe hat also auch Dir geschrieben? Mir schrieb sie eine Briefkarte; sie hat nun keine [G]äste mehr. Eine komische Art hat sie, Briefe zu schreiben, nicht? Weiterlesen!

28. Oktober 1940

Blason et drapeau grec commémoration jour du non.JPG
Der 28. Oktober ist der sog. Ochi-Tag: mit ihm wird in Griechenland dem Nein des griechischen Ministerpräsidenten Ioannis Metaxa als Antwort auf Benito Mussolinis Ultimatum gedacht, das den Beginn des italienisch-griechischen Krieges markierte. Foto von Tigroinikos, lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons, 10.2015.

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Montag den 28. Oktober 1940

Mein liebes, teures Herz! Herzallerliebste, Holde mein!

Siehst, wie der Oktober abnimmt, Du? Wie launisch sind wir Menschen mit unseren Wünschen, wie die Kinder, mal soll es schneller, mal langsamer geh[e]n. Schon wieder sind wir bei der Kirmeszeit. Die Jahreszeit treibt die Menschen wieder in die Häuser, in die Stuben, weiß sie wieder auf ihren häuslichen Kreis. Aus der Kindheit her ist mir diese Zeit so lieb geworden – mein und Hellmuths Geburtstag liegen darin, es geht auf Weihnachten zu. Weißt [Du], Herzliebes, wie auch wir zum erstenmal heimgingen? Du! Finst[e]re Nacht war es – einsame nächtliche Stille um uns – und wir zwei allein – Du! Ich wundere mich heute, daß wir so standhaft blieben – heute könnten wir das nicht mehr, Holde! Glaubst mir’s? Weiterlesen!