27. Oktober 1940

Poster denoting Jewish-owned business from occupied Belgium.jpg
Ende Oktober 1940 begannen im deutschbesetzten Belgien die erste Maßnahmen, die sich direkt gegen die jüdische Bevölkerung richteten. Foto Brigade Piron, ohne Datum, lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons, 10.2015.

[401027-2-1]

Sonntag, am 27. Oktober 1940.

Herzallerliebster Du! Mein geliebter [Roland]!

Sonntag früh 8 Uhr ist es. Ich bin eben mit meiner Morgentoilette fertig. Und erst kommt mein Herzlieb dran, es ist mir ja vieltausendmal lieber, als der Morgenkaffee! Ich möchte heute eigentlich schon an meinem Platze sein. Die Eltern sind schon gegangen. Aber ich habe mein Zusage für meine Mithilfe garnicht [sic] erst unter der Bedingung gegeben, daß ich Dir erst schreiben will, ehe ich runter komme. Sie verstehen nicht, daß ich nicht auch nur mal einen Tag auslasse, an dem ich Dir nicht schreibe. Ich bemühe mich auch nicht, ihnen das verständlich zu machen, es würden mich Zeit und Worte reuen. Weiterlesen!

27. Oktober 1940

Von Brazzaville aus verbreitete Charles de Gaulle am 28. Oktober 1940 sein Manifest, in dem er die französischen Bürgerinnen und Bürger zu allen Anstrengungen in diesem Krieg aufruft.

[401027-1-1]

Sonntag, den 27. Oktober 1940

Mein liebes, teures Herz! Herzallerliebste, Holde mein!

Holde, komm! Setz Dich neben mich, lehn Dein Köpfchen an meine Schulter, laß Dir Dein liebes Köpfchen streicheln. Dein alter, langer, dummer, guter [Roland] sitzt neben Dir, Dein Hubo, Dein Dickerle. Und jetzt als Dein Beschützer. Für einen Augenblick vergißt er, daß [er] die liebe, schöne, heiße junge [Hilde] in seinen Armen hält, er fühlt jetzt nur seinen Schützling, sein [Hilde]kind, sein [Hilde]herz. Du magst ihn fortjagen, magst ihn verwünschen,—er wird nicht von Deiner Seite weichen und wird Dir folgen—aus Liebe. Und was er Dir jetzt sagt mit ruhiger, väterlicher Stimme—er sagt es aus lauter Liebe: Mußt Dich fein brav und ruhig halten. Liebste,! [sic] wie schrecklich wäre das, wenn Deine Augen mich nicht mehr erkennten, wenn Deine Stimme an mir vorbeiginge in die Irre, wenn Du nicht mehr wüßtest, daß ich bei Dir bin! Fein still und geduldig! Mußt Dich dazu zwingen, Herzlieb, mußt darum beten, daß Du stark bleibst! Mein liebes [Hilde]herz! Denk an Deine Gesundheit, denk an uns[e]re Zukünft, denk daran, daß wir uns doch noch ein ganzes langes Leben liebhaben wollen! Weiterlesen!