13. Oktober 1940

Bundesarchiv Bild 101I-058-1760-26A, Frankreich, deutsche Besatzung.jpg
Al­ko­hol trin­ken als Maß­stab für Ge­schlech­ter­rol­len? Hier ein Wehr­macht­sol­dat mit ei­ner Fran­zö­sin, 08.1940, Foto Har­ren, DBa, Bild 101I-​058-​1760-​26A /​ Har­ren /​ CC-​BY-​SA 3.0., li­zen­ziert un­ter CC BY-​SA 3.0 de über Wi­ki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Sonn­tag den 13. Ok­to­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Ru­he­tag ist nun Heu­te. Ein Teil uns[e]rer Be­leg­schaft ist wie­der aus­ge­flo­gen, die meis­ten nach Kiel. Nun wird es erst ge­müt­lich in der Bude. Viel Platz ist an der lan­gen Ta­fel. Stil­le ist. Je­der ist mit sich be­schäf­tigt. Im Ofen brum­melt das Feu­er. Der Him­mel ist ver­han­gen, ein we­nig fri­scher ist es als Ges­tern. Mit­tag ist vor­bei. Eben war ich drü­ben zum Post­emp­fang. Ich war so voll Er­war­tung. Dein Bote kommt so un­re­gel­mä­ßig jetzt, Herz­lie­bes! Ges­tern kam er nicht. Viel­leicht kommt er heu­te abend. Ich könn­te mich ein we­nig nie­der­le­gen, aber ich bin nicht müde heu­te, habe nach der an­stren­gen­den Stadt­rei­se gut ge­schla­fen. Und nun weiß ich nichts Bes­se­res, als mit Dir zu plau­schen, Hol­de! Ich habe Schreib­schul­den nach ver­schie­de­nen Sei­ten, ich mag nur mit Dir plau­dern, Du! Ein we­nig klingt das Stadt­er­leb­nis noch in mir nach. Men­schen in Zi­vil, so viel bei­sam­men! Noch nicht lan­ge, ge­hör­te ich zu ih­nen, zu den glück­li­chen. Und ich so fremd und ver­las­sen un­ter ih­nen. Du, die Sehn­sucht nach Dir, Ge­lieb­te, ist nun so mäch­tig in mir! Ge­lieb­te! Hol­de! Mei­ne lie­be [Hil­de]! Wenn nur erst Dein lie­ber Bote wie­der kommt! Ach Du! Jetzt stre­cke ich mich doch erst ein Stünd­chen auf mein La­ger. Dein Bild will ich be­trach­ten, in Dei­nen Brie­fen will ich le­sen und dann will ich hier hin­über träu­men zu Dir, Ge­lieb­te, an Dein Herz, in Dei­ne Hol­de, be­se­li­gen­de Nähe! Du! Du! – Wei­ter­le­sen!

13. Oktober 1940

Opernhaus Kiel.jpg
Opern­haus Kiel, Foto von Voll­wert­BIT, li­zen­ziert un­ter CC BY-​SA 2.5 über Wi­ki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Sonn­tag, den 13. Ok­to­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te! Mein lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Zu­rück bin ich aus der gro­ßen Stadt. Und nun drängt es mich, Dir zu er­zäh­len, auch wenn es nichts Be­deut­sa­mes ist, Du sollst ja doch al­les mit er­le­ben. In gro­ßer Hast ging es fort. Wir muß­ten am Vor­mit­tag noch Koks ab­la­den. Kaum, daß wir Zeit hat­ten, den gröbs­ten Dreck weg­zu­wi­schen, ging schon der Last­wa­gen, den die Mi­li­tär­ver­wal­tung sonn­abends [sic] stellt. So un­gern ich die­ses Ve­hi­kel be­nut­ze, man spart [eine] ½ Stun­de [des] We­ges bis zum nächs­ten Au­to­bus. Na, wir ka­men auch et­was ver­quetscht, aber mit ge­sun­den Glie­dern d[a]rin an. Heim­wärts habe ich den Au­to­bus be­nutzt. Ich hat­te mich mit dem Kof­fer be­waff­net, um et­was Obst­li­ches ein­zu­kau­fen. Wei­ter­le­sen!