08. Oktober 1940

Hilde, Hochzeitsbild mit Kindern, 07.1940
Hil­de, Hoch­zeits­bild mit Kin­dern, 07.1940

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Diens­tag, am 8. Ok­to­ber 1940, in K..

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein ge­lieb­ter [Ro­land]!

Herr­li­cher Son­nen­schein ist heu­te drau­ßen. Wir wol­len gleich nach dem Es­sen spa­zie­ren geh[e]n [sic]. Weil es heu­te Mut­ters letz­ter Tag hier ist. Mor­gen früh 600 fährt sie wie­der heim. Das ist der bes­te Zug. Heu­te Vor­mit­tag hab ich Dei­ne Wä­sche ab­trans­por­tiert, kei­ne Zei­le liegt bei, Liebs­ter, sei nicht bös[‚] dar­um; ich woll­te ger­ne, daß die Päck­chen noch vor Mit­tag weg kom­men und es war we­nig Zeit. Sie trock­ne­te recht schlecht. Ge­schla­fen habe ich gut, ge­träumt hat [sic] mir [sic] auch von Dir, Du! Ei­nen gro­ßen Kar­ton schick­test Du mir und wie ich auf­ma­che, wa­ren da lau­ter Ba­by­sa­chen drin. Ich habe nicht we­nig ge­staunt, Herz­lieb! Wei­ter­le­sen!

08. Oktober 1940

De Waarheid 31 10 1944.JPG
Im Ok­to­ber 1940 er­schie­nen ers­te Aus­ga­ben der Wi­der­stands­zei­tung De Waar­heid in den seit Mai be­setz­ten Nie­der­lan­den. Von Hand zu Hand wur­de die­se ver­bo­te­ne Mei­nungs­äu­ße­rung ge­gen die An­we­sen­heit des deut­schen Be­satzers wei­ter­ge­reicht. Hier: De Waar­heid 31/​10/​1944, ein­ge­stellt von Khx023, li­zen­ziert un­ter CC BY-​SA 3.0 über Wi­ki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Diens­tag am 8. Ok­to­ber 1940

Herz­lie­bes! Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be [Hil­de], Du!

Ei­gen­ar­tig, im­mer wenn wir Sport hat­ten bis­her, Diens­tag und Don­ners­tag, ha­ben wir schö­nes, war­mes Wet­ter. Auch heu­te ist es für ei­nen Ok­to­ber­tag un­ver­hält­nis­mä­ßig warm. Ich sit­ze wie­der drau­ßen zur Mit­tags­pau­se. Wie schön, wenn man nur den Stuhl ein we­nig zu rü­cken braucht und schon im Frei­en sitzt. Wie schön auch, wenn man sich so leicht be­klei­det im Frei­en tum­meln kann in Luft und Son­ne. Möch­test Du das wohl auch? Zu­sam­men mit Dir, Ge­lieb­te, am wei­ten Strand, mit Dir wer­fen und sprin­gen und um die Wet­te lau­fen, und — der ers­te will ich ja doch sein — Dich auf­fan­gen am Ziel, und dann stre­cken wir uns lang zur Rast in den war­men Dü­nen — Du! möch­test Du das wohl auch? — Ja, wir bei­de möch­ten uns wohl ein rech­tes, schö­nes Le­ben zim­mern, aber jetzt müs­sen wir uns ge­dul­den mit tau­send ander[e]n, kön­nen nur war­ten und hof­fen. Wei­ter­le­sen!