10. Juli 1940

Hilde und Roland Nordhoff, Hochzeitsbild, 13. Juli 1940
Hilde und Roland Nordhoff, Hochzeitsbild, 13. Juli 1940

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Es gibt jetzt eine kleine Pause im Briefwechsel. Hilde und Roland lassen sich trauen und wohnen als Paar zusammen. Deswegen schreiben sie erstmal keine Briefe.

Der Briefwechsel fängt jedoch Ende August wieder an. Roland wurde zum Militär einberufen. Das Korrespondenz geht dann in ein neues Stadium ein.

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09. Juli 1940

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O., am 9. Juli 1940.

Herzallerliebster! Mein lieber, lieber [Roland], Du!

Hurra! Es gibt noch Briefpapier! M.K. Papier! Und weißt Du, wer es ergattert hat für mich?, die Mutsch!! Gerade die, die will, daß ich nicht mehr schreiben soll. Ich hab[‚] mich ja gefreut.

Nun schreib[‚] ich gleich schnell nochmal heimlich, denn da macht[‚]s doch nochmal so viel Freude.

[A]llem voran, mein Lieb, will ich Dir recht herzlich danken für Deinen so lieben Sonntagsbrief. Er war mir ein großes Geschenk, Du! Weiterlesen!

06. Juli 1940

Vornehme Hochzeitsgesellschaft Wolfgang Heimbach
Wolfgang Heimbach, Vornehme Hochzeitsgesellschaft, 1637, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 07.2015.
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S. am 6. Juli 1940.

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Ganz froh bin ich wieder. Freude und Jubel sind in mir. Will’s Gott, in acht Tagen um diese Stunde haben wir einander versprochen, Du! Und dann ist das Fest. Wir müssen uns den Verwandten widmen, müssen alle unter einen Hut bringen, müssen aufpassen, daß die Väter nicht stolpern in der Rede — die Stunden werden rasch vergehen — und dann, Liebes, Herzliebes! feiern [sic] wir Hochzeit, dann ist[‚]s für uns Hohe Zeit, in Deinem Schloß, Deinem Kämmerlein, dann will ich Dich festhalten und denken, daß Du nun lange, lange immer bei mir bist, in die Arme wollen wir einander schließen und hineinträumen in den ersten Tag unseres gemeinsamen Lebens. Weiterlesen!

05. Juli 1940

Quelle: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/, 07.2015.

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O., am 5. Juli 1940.

Herzallerliebster! Mein lieber, lieber [Roland], Du!

Ganz ruhig ist es geworden nach dem Gewitter; draußen, und bei mir drinnen. Klar ist die Luft, frisch und rein — man kann garnicht genug davon einsaugen, und es tut doppelt wohl nach dieser schwülen, feuchten Luft vorher. Ich wünschte, es wäre zwischen uns ebenso wie draußen, vorbei der lastende Druck — die gewohnte Frische und Freiheit umfing uns.

Einmal muß ich noch davon sprechen, auf Deinen Brief hin, Du. Ich weiß nicht genug von den Deutschen Christen, daß ich für oder wider s[ie] sprechen sollte. Nach den Predigten, die ich hörte, kann ich nicht allein meine Entscheidung fällen und meine Richtlinien ziehen. Es ist unter Deutschen Christen wie unter Bekenntnispfarrern die Predigt nicht jedes Mal aus uns[e]rer Seele heraus gesprochen. Einmal fühlt man sich mehr hingezogen, einmal weniger. Weiterlesen!

05. Juli 1940

Bundesarchiv Bild 101I-223-0042-13, Guernsey, Entfernungsmessgerät auf Klippe
England, Guernsey im Ärmelkanal.- Drei Soldaten mit Entfernungsmessgerät auf einer steilen Klippe an der Küste, 1940. Deutsche Truppen besetzten am 4. Juli 1940 alle die Kanalinseln. Bild: DBa, Bild 101I-223-0042-13 / CC-BY-SA, über Wikimedia Commons, 07.2015.
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S. am 5. Juli 1940

Herzallerliebste, meine liebe [Hilde]. Du!

Gott fügte es gnädig, daß wir nun vor unserem Feste stehen. Eine stille freie Stunde will ich benutzen, von der Höhe, die wir erreichten, noch einmal Umschau zu halten, ehe wir hinabsteigen in die Freude, den Trubel und die Erlebnisse unseres Festes.

Nun wollen wir an heiliger Statt den Bund der Ehe schließen. Daß wir ihn vor Gottes Angesicht schließen, gibt ihm erst die rechte Weihe, Weihe nicht nur als eine schöne, festliche Zutat, sondern Weihe, die diesen Bund zu einem geheiligten Bezirk mit gottgesetzten Schranken erhebt, zu einer unlösbaren Schicksalgemeinschaft. Diese Weihe verleiht dem Bunde erst die rechte Würde und Größe, erhebt ihn zur Idee. Weiterlesen!