18. Juni 1940

Quel­le: http://​samm​lun​gen​.ub​.uni​-frank​furt​.de/, 06.2015.

[400618-​2-​1]

O., am 18. Juni 1940.

Herz­al­ler­liebst­er! Mein lie­ber, lie­ber [Ro­land], Du!

Bald nach Dei­ner Ab­fahrt setz­te sich auch mein Zug in Be­we­gung und nun muß­ten wir bei­de wie­der zu­se­hen, wie so oft schon, wie wir uns ein­an­der im­mer wei­ter ent­fer­nen. Dies­mal hat mich der Ab­schied nicht so sehr ge­schmerzt. Das, was wir in letz­ter Stun­de mit­ein­an­der er­le­ben durf­ten, Du! Es war so herr­li­ch, es stimm­te mich so froh und glück­li­ch und es bann­te alle die dunk­len Ge­dan­ken, die erst mich im In­nern doch im­mer noch be­schwer­ten. Ein wirk­li­cher end­gül­ti­ger Sieg ist die­se Nach­richt nicht, aber un­se­re fes­te Hoff­nung dar­auf dür­fen wir ge­trost be­hal­ten, wie soll­te es an­ders sein? Der schwers­te Kampf ist be­stan­den, der größ­te Teil an Wich­tig­keit in deut­scher Hand; ob­wohl die Kämp­fe zur Zeit noch im Gan­ge sind und man­che Schwie­rig­keit zu über­win­den, man­ches Op­fer un­se­rer­seits zu brin­gen ist, der end­gül­ti­ge Sieg über Frank­reich ist nicht mehr fer­ne. Ich bin so ge­spannt, wel­che Be­schlüs­se die Füh­ren­den Män­ner fas­sen wer­den. Wei­ter­le­sen!

18. Juni 1940

[400618-​1-​1]

S. am 18. Juni 1940.

Herz­al­ler­liebste, mei­ne lie­be [Hil­de] Du!

Nun weiß ich Dich wie­der in hei­mat­li­chen Ge­wäs­sern, will lie­ber schrei­ben Ge­fil­den. Wirst nun er­zählt ha­ben aus der ver­wir­ren­den Fül­le von Ein­drü­cken und Er­leb­nis­sen, die noch in der letz­ten Stun­de alle auf­ge­hellt wur­den durch die gro­ße Freu­den­bot­schaft, und hast nun auch mit Dei­nem über­ra­schen­den per­sön­li­chen Er­schei­nen die Freu­de ins El­tern­haus ge­tra­gen. Wir durf­ten die­se Freu­de noch ge­mein­sam er­le­ben, und ich habe sie Dir von gan­zem Her­zen ge­gönnt, Dei­nem jun­gen, hei­ßen, dank­ba­ren Her­zen, das sich doch manch­mal noch um­düs­tern läßt. Ist es Dir nicht wie ein Wink, wie eine Be­stä­ti­gung mei­ner Worte da­von, daß wir Ver­trau­en fas­sen sol­len in Got­tes Füh­rung, Ver­trau­en in un­ser Ge­schick, in das, was er uns schickt? Und war es bis­her nicht ein un­ver­dient gnä­di­ges Ge­schick? Wei­ter­le­sen!