6. Mai 1940

[400506-1-1]

S. am 6. Mai 1940.

Herzallerliebste, meine liebe [Hilde] Du!

Bundesarchiv Bild 146-1981-060-03, Frankreich, Infanterie auf dem Marsch
Deutsche Soldaten auf dem Marsch, Frankreich, 06.2015
Hast meinen Boten recht vermißt, Herzliebes? Gestern konnte er nicht kommen, gestern ging einmal das Zuhause vor, Du! Ach es waren ein paar bewegte Tage. Am Freitag stellte man mich vor die Wahl, Soldat zu werden, Flugmeldedienst auf dem W.berg, der Vorgesetzte sucht dringend einen Mann und wandte sich gütig anfragend zuerst an mich, weil ich mich einmal dazu bereit erklärte. Gefühlsmäßig war meine Wahl schnell getroffen, jetzt auf meinem Posten auszuhalten. Nur ein paar Vernunftgründe ließen mich doch ein wenig zaudern. Ich erzähle Dir daran. Weiterlesen!

6. Mai 1940

Europa, Mai 1940
Eu­ro­pa im West­feld­zug, 10. Mai 1940

[400506-​2-​1]

O., am 6. Mai 1940.

Herz­al­ler­liebst­er! Mein lie­ber, lie­ber [Ro­land]!

Den ers­ten Brief schrei­be ich Dir nun von dem schö­nen Blu­men­brief­pa­pier, das Du mir schenk­test. Ei­gent­li­ch müβ­te es ein be­son­ders lie­ber Brief wer­den, Du?! Wieβt, seit wir uns so lieb ha­ben, daβ es vie­ler Worte gar­nicht [sic] be­darf, um al­lem Glück­lich­s­ein, al­ler Lie­be und Dank­bar­keit Aus­druck zu ge­ben, seit­dem be­trach­te ich al­les Ge­schrie­be­ne für Dich so kri­ti­sch, so mit an­de­ren Au­gen, ob sich auch wahr­haf­tig die Stim­mung wi­der­spie­gelt, die mich im In­nern be­wegt. Es ist oft schwer. Es schei­nen die Zei­chen so matt und glanz­los, dem wirk­li­chen Er­le­ben und Emp­fin­den ge­gen­über. Du kenn­st mich, Liebst­er! Du liebst mich, Du ver­stehst mich. Das kann mich trös­ten dar­über. Und — müβ­ten wir nicht ban­gen vor der Zu­kunft, wenn al­les, was wir ein­an­der aus­drü­cken möch­ten erst zu Pa­pier ge­bracht wer­den muβ? Da­mit es recht ver­ständ­li­ch und glaub­haft wird? Wei­ter­le­sen!